Leverkusen: Solotänzerin verhilft Talenten auf die Bühne

Leverkusen : Solotänzerin verhilft Talenten auf die Bühne

Ballettschulleiterin Alexandra Czenia Kunz baut jetzt auch eine Agentur zur Vermittlung von begabten Profis und Laien auf.

Mit einem Vorurteil möchte Ballett-Tänzerin Alexandra Czenia Kunz aufräumen: "Mit dem Balletttanzen muss man nicht als kleines Kind anfangen. Wenn man Ballett als Hobby betrachtet, dann kann man auch erst als Erwachsener damit anfangen und es sogar noch bis zum Spitzentanz schaffen", weiß die staatlich geprüfte Diplom-Solotänzerin und Tanzpädagogin. Denn in ihrer Ballettschule in Witzhelden hat sie auch "ältere" Schülerinnen.

"Außerdem haben meine Mutter und ich damals gleichzeitig mit dem Ballett angefangen. Ich war fünf", erinnert sich die heute 39-Jährige. In ihrer Schule "ProBallett" in Witzhelden an der Hauptschule unterrichtet Kunz derzeit 80 Schüler im Alter zwischen drei und 65 Jahren. Doch die Tänzerin will ihre Kontakte und Erfahrungen jetzt auch nutzen und eine eigene Agentur eröffnen. Einen Raum hat sie dafür in Köln-Ehrenfeld bereits gefunden, und einen Namen hat "das neue Kind" auch schon: "ACK Dance Agency", wobei ACK für Alexandra Czenia Kunz steht. Nicht nur Profis, auch begabte Laientänzer möchte Kunz vermitteln.

Anlass für den Plan, eine eigene Tänzeragentur aufzubauen, war für sie ein unschönes Erlebnis bei ihrem letzten Solo-Engagement an der Bonner Oper. Da wurde die Sparte Tanz plötzlich aufgelöst: "So ist es an vielen Theatern passiert", weiß die Tänzerin. Deshalb gebe es jetzt auch viele Tänzer ohne feste Engagements, und auch solche, die nach ihrem Studium nur sehr schwer an Bühnenverträge kämen: "Diesen Tänzern möchte ich mit meinen Kontakten helfen", wünscht sich Kunz. Denn auch nach ihrer aktiven Bühnenzeit als Solotänzerin hat sie sich nicht nur in ihre idyllische Wohnung im Diepental und die Tanzschule in Witzhelden zurückgezogen. Im Gegenteil: Als Choreographin ist Alexandra Czenia Kunz auch international weiterhin gefragt. Erst kürzlich habe sie eine eine große Gala im schottischen Edinburgh choreographiert. Auch für Fernsehspots, Werbung, Events würden immer wieder Tänzer gesucht, berichtet Kunz.

Sie nennt ein Beispiel: Für einen Kino- und Fernsehspot über das Impfen habe sie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einige talentierte Schüler zugeführt, die gut Hip Hop tanzen können. Denn neben klassischem Ballett wird in der Tanzschule von Alexandra Kunz auch Hip Hop und Modern Jazz angeboten. Und sollte die Agentur in Köln demnächst so richtig einschlagen, dann hätte Kunz mit der Witzheldener Ballettpädagogin Sylvia Grunwald bereits eine Stütze, die sie in der Ballettschule vertreten kann. Denn Grunwald hospitiert dort bereits seit einem dreiviertel Jahr.

Alexandra Czenia Kunz gibt mit ihren bald 40 Jahren auch ein Beispiel dafür, dass eigentlich nur vielseitig ausgebildete Tänzer ein Leben lang mit ihrem erlernten Beruf auch ihre Existenz sichern können. Denn normalerweise könne man sich nur als junger Mensch auch als Solotänzer behaupten. Zudem sei die Verletzungsgefahr in diesem Beruf groß.

Das hat Kunz selbst erlebt und musste ein Jahr lang wegen eines Hüftleidens pausieren. "Zu meiner Zeit wurden wir an der Akademie aber vielseitiger ausgebildet, als die jungen Leute heute, die sich alle auf nur ein Gebiet spezialisieren müssen," weiß die Diplomtänzerin und -pädagogin. Ihr Studium habe ihr aber mit den Schwerpunkten Ballett, Modern Dance und Tanzpädagogik ermöglicht, auch in späteren Jahren noch zu unterrichten, zu choreographieren und den Nachwuchs zu vermitteln.

(RP)