Serie "Ich spiele..." mit Leichlinger Posaunist Matthias Müller

Der Posaunist selbst ist der wichtigste Teil des "unvollständigen" Instrumentes : Posaune – das Beste, was aus Blech zu machen ist

Matthias Müller ist hauptberuflich Posaunist bei den Bergischen Symphonikern. Zum Instrument kam er schon als Jugendlicher.

Wenn er beschreiben soll, was für ihn die Besonderheit der Posaune ausmacht, muss Matthias Müller nicht lange überlegen. „Für mich ist es der unvergleichliche Klang“, sagt er und dabei leuchten seine Augen. Hauptberuflich ist er Posaunist bei den Bergischen Symphonikern und war bereits bei den Remscheider Symphonikern unter Vertrag, bevor die mit den Solinger Kollegen zu einem Orchester fusionierten.

Die Posaune sei das Beste, was man aus Blech machen könne, behauptet er, obwohl er sehr wohl mit anderen Blechblas-Kollegen in kleineren Ensembles spielt. Seit 25 Jahren ist Matthias Müller Leiter der Bläser der Leichlinger Kantorei, die er zu einem leistungsstarken Laienensemble geformt und dabei immer wieder junge Menschen angelernt hat. Die Arbeit mit einem Posaunenchor ist für ihn eine wunderbare Ergänzung zur sinfonischen Arbeit, denn hier gibt es noch einmal ein anderes Spektrum an Bläser-Literatur und viele schöne neue Choral-Bearbeitungen, in die sich Einflüsse aus Jazz, Pop- oder auch Filmmusik mischen.

Die Leichlinger Kantorei-Bläser lobt der Musiker als sehr motiviert und geduldig. Außerdem ist die Verbindung zum Posaunenchor für Matthias Müller geradezu Ehrensache, weil er als 13-Jähriger dort selbst angefangen und das Instrument für sich entdeckt hat. „Nachdem ich die ungeliebte Blockflöte hinter mich gebracht hatte“, erzählt er. In der evangelischen Gemeinde seines Heimatortes bei Marburg wurde genau zu dieser Zeit ein Posaunenchor frisch gegründet. Sein Vater überraschte ihn damals mit den Worten: „Ich habe dich da mal angemeldet.“ Der konnte natürlich nicht ahnen, dass er damit den Grundstein für die spätere berufliche Laufbahn gelegt hatte. Matthias Müller wählte sofort das große Tenor-Instrument mit dem langen Zug, das ihm besonders imponierte, obwohl am Ort gar kein Posaunenlehrer verfügbar war.

Oder war es auch damals schon die Klang-Faszination? Eher nicht, denn zunächst habe er sich ziemlich gequält, erinnert er sich. Doch dann habe er Profis gehört, was im Zeitalter vor YouTube gar nicht so häufig vorkam. Und das hat seinen Ehrgeiz geweckt, den Ton zu perfektionieren, der eben nicht von alleine kommt. Denn bei der Posaune komme nun mal alles auf Ansatz und Lippenspannung an.

Das Instrument selbst sei ja tatsächlich nur ein Mundstück mit gebogenen Blechrohren, das den Ton verstärkt, den der Spieler formen muss. „Es ist eigentlich ein unvollständiges Instrument, das aus leeren Rohren besteht mit – heute leichtgängigen – Zügen. Das Hin- und Herschieben des Zuges ermöglicht die Zwischentöne der chromatischen Tonleiter zu formen. Ohne dessen Hilfe stünden nur die Naturtöne zur Verfügung.

Der Vorteil sei, dass die Posaune mit 1200 Euro für ein recht gutes Instrument vergleichsweise billig sei. Mit 4000 bis 5000 Euro ist man durchaus orchestertauglich. „Da geben Streicher für einen Bogen mehr aus“, sagt Matthias Müller. Und während bei einer hochwertigen Geige der Ton erheblich feiner klingt als bei einer billigen, seien die Unterschiede bei der Posaune dann doch geringer. Das Entscheidende für Klang, Farbe und Wendigkeit ist der eigene Körper, nämlich die Anatomie und das Training der Lippen. „Und das kann man mit Geld nicht kaufen“, betont der Posaunist aus Leichlingen.