Leverkusen: Sengbachtal: Windrad-Projekt ist gestoppt

Leverkusen: Sengbachtal: Windrad-Projekt ist gestoppt

Die Stadtwerke stoppen aus wirtschaftlichen und Naturschutz-Gründen das Projekt. Es ist wohl das Aus für solche Anlagen in der Region.

Allein die Nabenhöhe läge mit 150 Metern im Bereich des Kölner Doms; dann käme noch eine Rotorblattlänge von 50 Metern hinzu - das Windkraft-Projekt am Steilufer der Sengbachtal-Sperre ist wie eine Seifenblase zerplatzt. Die Stadtwerke Solingen (SWS) und mit ihr die sechs Stadtwerke der Region in der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Bergwind verabschieden sich von den beiden geplanten Windrädern in dem waldreichen Gebiet an der Stadtgrenze zu Witzhelden.

Wirtschaftlich sei das nicht mehr darstellbar, begründete SWS-Geschäftsführer Andreas Schwarberg gestern das Aus. Mindestens drei Jahre würde es bis zum Bau noch dauern - angesichts der heruntergefahrenen Strom-Einspeisevergütung ein zu langer Zeitraum. Zumal die Genehmigung fraglich wäre, denn der geänderte Regionalplan hat inzwischen die Naturschutzbedeutung an der Sengbachtalsperre heraufgestuft. Umweltaspekte spielen nach Schwarbergs Worten auch eine Rolle. Beides, Wirtschaftlichkeit und Naturschutz, greife ineinander, betonte er mit Blick auf die Erkenntnisse der Gutachten über den Lebensraum für Vögel, Fledermäuse sowie andere Tier- und Pflanzenarten. Dass diese überhaupt gewonnen wurden, wertete Schwarberg als ein positives Fazit. Für ihn bedeutet das gestoppte Projekt an der Sengbachtalsperre das grundsätzliche Aus in der Stadt. "Es wird in Solingen definitiv keine Windräder geben."

Ob die vor vier Jahren gegründete ARGE Bergwind, bei der jeder Partner mit jeweils 60 000 Euro beteiligt ist, jemals für Windstrom in der Region sorgen wird, ist jetzt eher unwahrscheinlich. Nur ein zweiter Standort in Langenfeld/Monheim ist noch in der Diskussion. "Doch für die bis zu zwei Windräder dort sieht es nicht gut aus", hieß es gestern. Schwarbergs ernüchterndes Fazit: "Die Möglichkeiten sind im Bergischen Land sehr begrenzt."

Nach den Worten von Stadtdirektor Hartmut Hoferichter wird die Verwaltung der Politik in Kürze empfehlen, das Flächennutzungsplan-Änderungsverfahren für Windräder an der Sengbachtalsperre einzustellen.

Der SWS-Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Krause findet es gut, "dass wir nach vernünftigem Abwägen zu einer Entscheidung gekommen sind". Der Fraktionssprecher der Grünen bedauert zwar, dass an der Sengbachtalsperre keine Windräder aufgestellt werden. "Doch der Naturschutz spricht dagegen", räumte Krause ein. Perspektive ist für ihn nun, den Bereich zu einem großflächigen Naturschutzgebiet aufzuwerten. "Das wäre erfreulich."

In Witzhelden sind hunderte Unterschriften gegen das Projekt gesammelt worden. Auch die Naturschutzverbände lehnten die Windräder ab. Allein 102 Vogelarten hatten sie in dem Gebiet nachgewiesen.

(RP)