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Leichlingen: Selbsthilfegruppe Haut kann Leben retten

Leichlingen : Selbsthilfegruppe Haut kann Leben retten

Hautleiden wie Schuppenflechte sind Symptome einer Autoimmunerkrankung. Die SHG Haut leistet bundesweit Hilfe..

"An Hautkrankheiten stirbt man nicht": Diesen Satz von Hausärzten hören die Mitglieder der Selbsthilfegemeinschaft Haut (SHG) oft. SHG-Gründerin Christine Schüller hält entgegen: "Man stirbt nicht an einer Hautkrankheit wie Schuppenflechte, aber die Suizidgefahr ist enorm." Seit 2008 gibt es deshalb die SHG Haut, die Schüller als Betroffene in Leichlingen gründete, und die längst ein bundesweites Verbreitungsgebiet mit 400 Mitgliedern umfasst.

Wer an Schuppenflechte oder vergleichbaren Erkrankungen leidet, wird angestarrt und muss immer wieder erklären, weshalb er - insbesondere bei Krankheitsschüben - so aussieht. Juckende Ausschläge, wunde Hautstellen bis aufs Blut, auch rheumaartige Schübe mit Schmerzen und Lähmungserscheinungen gehören zur Erkrankung. Das sind Belastungen für die Betroffenen, aber auch für deren Familien. "An dem ständigen Jucken und dem Blut gehen Ehen kaputt und Beziehungen auseinander", berichtet SHG-Mitglied Reinhard Funk. Andere entwickelten Vermeidungsstrategien im Zwischenmenschlichen, berichtet Bernd Hoffstadt.

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Die SHG Haut für die Betroffenen von Schuppenflechte, Neurodermitis und anderen Hautkrankheiten setzt sich auch politisch für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Betroffene ein. Denn: "Die Haut hat keine Lobby. Und die Wenigsten wissen, dass unsere Hauterkrankungen nur die Symptome einer Autoimmunerkrankung sind", betont Schüller. Der Kern der SHG besteht aus 25 Aktiven. Sie organisieren medizinische Sprechstunden, Gruppenabende, Vorträge und einen Kongress, der am 16. Juni zum Thema "Haut und Job" in Düsseldorf stattfindet.

Mit der IG Metall und dem DGB sind mittelständische Firmen der Region eingeladen, sich über Möglichkeiten zu informieren, hautkranke Mitarbeiter besser zu schützen. "Es gibt einen riesigen Katalog von Möglichkeiten, man muss die Arbeitgeber nur informieren und sensibilisieren", sagt Hoffstadt. Der 50-Jährige leidet unter Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung, seine Hände sind verkrümmt. Dennoch ist er seit 20 Jahren als Umwelt-Ingenieur tätig und sagt: "Ich war in der Zeit nur 14 Tage krank. Das ist weniger als bei gesunden Arbeitnehmern." Bei dem Kongress werden etwa spezielle Handschuhe und ein besonderer Mundschutz vorgestellt, die für Menschen mit Hauterkrankungen entwickelt wurden.

Schüller setzt sich auch in Fachpublikationen für Hauterkrankte ein. So hat sie in den "Gesellschaftspolitischen Kommentaren" eine leitliniengerechte Versorgung der Patienten gefordert. Schließlich leben in Deutschland zwei Millionen Menschen mit Schuppenflechte. Vor allem die Hausärzte seien mit diesen Erkrankungen oft überfordert. Schüller, Hoffstadt und Funk schildern eine Odyssee von Arzt zu Arzt, die sie hinter sich haben. Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe haben aber auch erfahren, dass sie die Gemeinschaft aus einem Teufelskreis gezogen hat: "Die Krankheit wird durch Depressionen verstärkt. Wer den Teufelskreis nicht durchbrechen kann, bringt sich um", schildern die SHG-Mitglieder mögliche Konsequenzen.

(RP)