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Schulung für Lehrer in Rhein-Berg: die Youtube-Werkstatt

Schulung für Lehrer in Rhein-Berg : Youtube-Werkstatt: Wenn Lehrer „Regisseure“ werden

In einem Kursus der Geschäftsstelle Bildungsnetzwerk im Kreis beschäftigen sich Lehrkräfte mit Influencern, Werbung und Infotainment.

Wie funktioniert das noch gleich mit der Prozentrechnung? Und welche Funktionen übernimmt eigentlich die Milz? Eben das lässt sich alles im Unterricht erlernen – oder aber per Youtube-Video. Denn egal ob Physik, Biologie, Chemie oder gefühlt jedes andere Fach: Längst nutzen Schüler die Video-Plattform, um sich schnell, einfach und kostenlos mit Informationen zu versorgen. Die Clips stammen von Experten ihres Fachs, etwa Mathematikern, oder aber Menschen, die einfach Lust darauf haben, andere an ihrem Wissen teilhaben zu lassen.

Und wieso sollten sich dieses Material – sofern es inhaltlich taugt – nicht auch im Unterricht nutzen lassen? Diesen Ansatz verfolgt die Digitalwerkstatt der Geschäftsstelle Bildungsnetzwerk Rheinisch-Bergischer Kreis. Sie hat kürzlich Lehrer schulformübergreifend zur Veranstaltung „Youtube-Videos im Fachunterricht“ eingeladen.

Als Dozenten vor Ort: Jelka Luckfiel und Maike Niermeyer von Film+Schule NRW, einer Initiative des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes und des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zur Förderung von digitaler Filmkompetenz. Luckfiel und Niermeyer erklärten, wie sich Filme für das Internet drehen lassen und was es dabei aus inhaltlicher wie aus technischer Sicht zu beachten gibt. Schnitt und Ton spielten ebenso eine Rolle wie beispielsweise Productplacement, einem bei Youtubern wie Bianca Claßen (Ihr Kanal „Bibis Beauty Palace“ zählt mehr als 5,9 Millionen Follower) oder Influencern üblichen Werbemittel.

Mindestens so entscheidend für Schüler: Beurteilen zu können, ob das, was sie da im Internet sehen, überhaupt von Qualität zeugt – oder sie gleich wegklicken können. Medienkritik und -reflexion stellten deswegen weitere Aspekte der Digitalwerkstatt dar. „Der kritische Umgang mit digitalen Medien will gelernt sein – und der Aufbau entsprechender Kompetenzen bei Schülern ist für Lehrkräfte eine große Herausforderung“, sagt Eva Kaufmann von der Geschäftsstelle Bildungsnetzwerk. Besonders die Produktion eigener Videos könne dazu einen Beitrag leisten. Denn die Überlegungen, welche filmischen Mittel eingesetzt werden könnten, um diesen oder jenen Effekt bei Zuschauern zu erzeugen, sei eine gute Schule dafür, medial vermittelte Inhalte kritisch zu hinterfragen.

Dass die Lehrkräfte gleich selbst zu Regisseuren wurden und Kurzvideos drehten, dürfte ihnen möglicherweise schon bald zugutekommen: Denn wer weiß, ob in den kommenden Wochen corona-bedingt erneut Distanz- statt Präsenzunterricht auf dem Stundenplan steht.