Schau im Bürgerhaus Leichlingen: Der Tod gehört zum Leben dazu

Berthold Welter und Frank Tschentscher : Schau im Bürgerhaus: Der Tod gehört zum Leben dazu

Das Bürgerhaus am Hammer in Leichlingen füllt sich langsam an diesem Sonntagmorgen. Sekt wird ausgeschenkt, und es wird leise getuschelt. Um 11 Uhr ist es soweit, die Vernissage „Normal – auf Leben und Tod“ ist eröffnet.

Die Aussteller sind der Molekularbiologe Frank Tschentscher und der Steinmetz und Bildhauer Berthold Welter. „Wir befassen uns beide beruflich mit dem Tod. Für uns ist das Normalität“, sagt Frank Tschentscher, der zurzeit im Landeskriminalamt in Düsseldorf tätig ist. Das Interesse für dieses Thema sei bei ihm schon als junger Erwachsener im Rettungsdienst entstanden und durch sein späteres Biologiestudium vertieft worden.

Auf zwei Etagen stellen die beiden Leichlinger Fotos, Installationen und Objekte zu dem alltäglichen und eigentlich „normalen“ Thema aus. „Warum gruselt uns der Tod?“ ist eine Frage, die den Biologen und den Steinmetz beschäftigt. Auch Berthold Welter gestaltete mehrere Jahre lang Grabsteine und kam somit beruflich mit dem Sterben in Kontakt. „Ist es nicht Normalität und gehört es nicht einfach zum Leben dazu?“, fragt sich Welter. Mit ihren Werken rund um Leben und Tod möchten sich die beiden dem Tabuthema stellen. Die Menschen sollen sich nicht mehr gruseln, sondern sich einfach damit beschäftigen und sich öffnen.

Die Idee zusammen auszustellen, steht schon seit fünf Jahren fest. Vor einem Jahr wurde diese Idee dann konkreter und der Biologe und der Künstler trafen sich, um die Ausstellung zu planen. „Es war kein langer Entscheidungsprozess. Wir finden beide dies ist ein wichtiges Thema“, sagt der Biologe Frank Tschentscher.

Im Erdgeschoss des Bürgerhauses Am Hammer befinden sich Werke unter dem Motto „ob wir wollen oder nicht“. Fotoabzüge von Fischabfall auf einem Fischmarkt in Südkorea oder ein Video zu einem Verwesungsprozess sind dort unter anderem ausgestellt. „Das gehört alles zum Leben dazu“, betont der Biologe. Im Obergeschoss befindet sich in einem der Räume ein Sarg, der in zwei gemütliche Sessel mit einem Tisch in der Mitte verwandelt wurde. „Ich finde es sehr wichtig, dass über den Tod nicht geschwiegen wird“, sagt eine Besucherin, die nur wegen der Ausstellung nach Leichlingen gekommen ist.

Interessierte können sich noch bis zum 27. Oktober die Werke der beiden Künstler im Bürgerhaus Am Hammer anschauen. Samstags ist die Ausstellung von 15 bis 17 Uhr geöffnet und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. „Wir sind beide sehr gespannt wie die Besucher reagieren“, betont Steinmetz und Bildhauer Berthold Welter.

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