Rund 50 Senioren kamen zum Tanzcafe

Tanzcafé : Mit ein paar Schritten gegen die Einsamkeit

Leicht außer Atem setzt sich Alfred Witt wieder auf den Stuhl. Wer dem alten Mann jetzt in die Augen sieht, der schaut in ein glückliches Gesicht. Der 87-Jährige hat sich mit viel Herz dafür eingesetzt, dass in Leichlingen getanzt wird – und zwar im Tanzcafé.

Für Alfred Witt ist das aber noch zu wenig.

Ein Blick zurück, es ist rund 20 Jahre her. Damals ging Witt gesundheitlich auf dem Zahnfleisch. Alle seine Knochen schmerzten, erzählt er. Das Leben war ein beschwerliches. Doch dann lernte er auf seine alten Tage eine neue Partnerin kennen. Und die nahm ihn mit zum Tanzen. Es sollte die Wunderwaffe sein, nach der der damals 67 Jahre alte Mann gesucht hatte. „Plötzlich“, erzählt er heute, „waren alle meine orthopädischen Schmerzen verschwunden.“

Seither geht Witt zumeist zweimal in der Woche tanzen, sich bewegen und Spaß haben. Das allerdings habe er immer in Langenfeld und Alkenrath tun müssen. Das macht er zwar auch noch heute, aber es musste eben auch eine Veranstaltung in Leichlingen hinzukommen. „So viele Senioren sitzen daheim und vereinsamen“, bemängelt er. Und so wandte er sich an Claudia Wolf. Die ist für die Seniorenarbeit bei der Stadt zuständig – und sie handelte. Am Freitag öffnete zum dritten Mal das Tanzcafé im Pfarrsaal von St. Johannis Baptist und St. Heinrich. Rund 50 Rentner folgten dem Ruf. „Wir werden im nächsten Jahr auf jeden Fall weitermachen“, kündigt Wolf an.

Dann sollen die Tanzveranstaltungen einmal im Monat stattfinden. Für den Initiator zu wenig. „Bis dahin haben das alle wieder vergessen“, kritisierte Alfred Witt. Und der 87-Jährige geht noch einen Schritt weiter: Eigentlich, betont er, müssten die Krankenkassen das Tanzen finanziell unterstützen. „Die würden Tausende von Euro sparen.“

Alleine wöchentlich einen solchen Tanztermin auf die Beine stellen, traut sich der Rentner nicht zu. Da brauche es das Wissen und die Fähigkeiten der städtischen Beauftragten. Für die Zukunft hofft Witt auf einem Besuch wie ein Alkenrath. Da kämen fast 100 Senioren – jedes Mal.

Damit auch Personen, die keinen Partner an ihrer Seite wissen, wirkt in Leichlingen Eva Körber beim Tanzcafé mit. Die Tanzlehrerin studiert mit den Senioren ein paar Schritte ein und freut sich über die Fortschritte. „Es macht einfach Spaß in die freudigen Gesichter zu schauen“, sagt sie. Und wer weiß: Vielleicht finden sich in Zukunft ja auch zwei einsame Herzen im Tanzcafé der Blütenstadt.