Leichlingen: Rock und Pop auf der Kirchenorgel

Leichlingen: Rock und Pop auf der Kirchenorgel

"Orgel rockt" heißt sein Soloprojekt. Der Organist Patrick Gläser spielt Metallica und Queen. Heute gibt der 47-Jährige ein Konzert in seiner alten Heimatstadt Leichlingen, und zwar in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist.

Mit gerade einmal sechs Jahren spielte Patrick Gläser zum ersten Mal auf einem kleinen "Heimörgelchen". Mittlerweile ist er natürlich auf das große Modell umgestiegen, die Begeisterung fürs Instrument ist allerdings geblieben. Patrick Gläser ist Organist und aktuell mit seinem "Orgel rockt"-Programm auf Tour. Bereits seit dem Jahr 2009 ist er mit diesem Soloprojekt für die Kirchenorgel erfolgreich unterwegs. Heute Abend macht er Halt in Leichlingen - in seiner alten Heimat.

Das Besondere an Gläsers Shows ist nicht nur, dass eher untypische Stücke wie "Nothing else matters" oder Totos "Africa" auf der Orgel erklingen, sondern auch, dass der 47-Jährige die Lieder komplett ohne Noten nachspielt. "Ich habe Gott sei Dank ein ganz gutes Gehör, aber kein absolutes", lacht Gläser.

Geschult wurde das etwa während seiner Zeit in der katholischen Jugendgruppe in Leichlingen. Während die Erwachsenen Gitarre spielen, begleitet der junge Musiker sie auf seiner Blockflöte. "Wenn die dann mal eben die Tonart gewechselt haben, musste ich ja mithalten", erinnert er sich. Damals musste er sich mit zusammengebissenen Zähnen durch die Stücke kämpfen, mittlerweile betrachtet er das Spielen ohne Noten als "Freiheit".

  • Angebliche Körperverletzung : Streit um Regenschirm eskaliert – Freispruch vor Gericht

"Ich hab mich aber leider nie getraut, Musik zu studieren", erzählt der gebürtige Langenfelder. Stattdessen machte er eine kaufmännische Ausbildung, zog anschließend ins Baden-württembergische "Ländle" nach Öhringen. "Irgendwann hat sich die Musik aber wieder in mein Leben gedrängt", erinnert sich der 47-Jährige.

2003 nahm er in Öhringen eine halbe Stelle als Kirchenmusiker an. Als eine neue Orgel eingeweiht werden sollte, fragte ihn der Pfarrer der Gemeinde, ob er nicht auch etwas spielen könnte. "Mir juckte es damals in den Fingern, mal Filmtitel oder Rock auf einer Orgel zu spielen", sagt Gläser - und der Pfarrer war, hingegen Gläsers Erwartung, direkt Feuer und Flamme für die Idee. "Da musste ich mir erst einmal überlegen, was ich überhaupt spielen will", erzählt der Organist und lacht. Begeistert war jedoch nicht nur der Pfarrer: Ein Besucher des Konzerts engagierte Gläser noch bevor es überhaupt losging für einen weiteren Auftritt. Sein Projekt "Orgel rockt" entwickelte sich so schnell als "Selbstläufer".

Patrick Gläser präsentiert in seiner fünften Tour ein "Best of" seines Repertoires, mit dem er bereits in Schweden, Russland, Österreich und der Schweiz unterwegs war. Auf den Stopp in seiner alten Heimat Leichlingen freut sich Gläser besonders. "Das ist sozusagen ein Heimspiel für mich", scherzt er. Dem 47-Jährigen geht es in seinen Konzerten darum, Weltliches und Geistliches miteinander zu verbinden. Zwar seien die Stücke keine klassische Kirchenmusik, aber: "Warum soll Populärmusik nicht auch spirituell sein?", fragt Gläser.

(RP)
Mehr von RP ONLINE