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Rhein-Berg: Feuerwehr-Leitstelle arbeitet mit neuer Notruf-Software

Schnellere Hilfe im Rheinisch-Bergischen Kreis : Ein „Notfall-Auge“ für den Rettungsdienst

Unfälle sind Sekundensache. Wenn sie dann noch an weniger bekannten Orte passieren, hat die Leitstelle es schwer, die Rettungskräfte dort hinzuführen. Ein neues System soll Zeit sparen und Einblicke in den Notfallort gewähren.

Wer sich die Einsätze der Feuerwehr Leichlingen in den vergangenen Wochen ansieht, stößt auf etliche Hilfeleistungen, die sich unter Mensch in Notlange rubrizieren ließen. Vergangenen Samstag etwa musste eine Leichlingerin morgens um 6 vom Rettungsdienst betreut werden. Der Einsatzort an der Friedensstraße war eindeutig, die Helfer schnell vor Ort. Was aber, wenn Menschen in Rhein-Berg auf einem Wanderweg verunglücken, zwar den Notruf 112 wählen, aber ihren Standort nicht ohne weiteres durchgeben können, weil sie als Tourist in der Region sind oder im Wald wenig Orientierung haben?

Der Rheinisch-Bergische Kreis baut für solche Fälle nun auf das Systems „Emergency Eye“. Mit ihm können durch die Ortung des Handys per GPS Anfahrtswege besser bestimmt und Rettungskräfte schneller zum Einsatzort entsendet werden. Eine Zeitersparnis, die entscheidend sein kann.

Seit Anfang Mai gibt es die neue Software-Anwendung in der Feuer- und Rettungsleitstelle des Kreises, die Erprobungsphase liegt hinter den Leitstellen-Mitarbeitern. Und deren stellvertretender Chef Werner Eichholz ist durchweg zufrieden. „Wir haben bereits sehr gute Erfahrung mit ,Emergency Eye` gemacht. Obwohl die Einsatzzahlen in der Corona-Zeit insgesamt gesunken sind, nutzen wir das System bisher durchschnittlich dreimal die Woche. Ich gehe davon aus, dass wir bald täglich damit arbeiten werden“, sagt er.

Und gearbeitet wird so: Um die Ortung der Anrufenden zu starten, sendet die Leitstelle per SMS einen Link auf das Handy der Anrufenden. Beim Öffnen des Links muss der Lokalisierung zugestimmt werden. „Danach erfolgt per GPS eine schnelle Ortung“, heißt es vom Kreis.

Und das ist noch nicht alles, was mit dem „Emergency Eye“, übersetzt dem Notfall-Auge, möglich ist. Denn der zweite Teil des Mamens ist nicht nur ein hübsches Wort. Um die Notlage genauer einschätzen zu können, kann sich die Leitstelle zusätzlich auf die Handykamera des Anrufenden schalten und ein Live-Video starten. Die Funktion wird ebenfalls mit dem Senden eines Links per SMS aktiviert. „Über das Video können sich die Leitstellen-Mitarbeiter ein Bild von der Lage vor Ort machen und Erste-Hilfe-Maßnahmen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte besser anleiten“, erläutert Eichholz. Die Situation vor Ort, zum Beispiel das Ausmaß von einem Unfall oder eines Brandes. lasse sich so insgesamt besser beurteilen, und die Einsatzkräfte, die rausgeschickt werden, können noch genauer informiert werden.

Der Kreis rückt noch einen weiteren Punkt in den Vordergrund: Sprachbarrieren. Die Software kann eine Chat-Verbindung mit Echtzeit-Übersetzungen aufbauen. „Der Chat erkennt, welche Sprache auf dem Smartphone eingestellt ist, und übersetzt die Nachrichten automatisch in die jeweilige Sprache“, heißt es. Aktuell erkennt das System zehn Sprachen von Englisch bis Hebräisch.