Leichlingen: Regeln für die Riedbachaue

Leichlingen: Regeln für die Riedbachaue

Naturschutz und Erholung – im Riedbachgebiet soll beides möglich sein. Naturschützer, Kreis und Kreissparkasse wollen zur friedlichen „Koexistenz“ beitragen. Erster Schritt: Es wurden Schilder mit Hinweisen für die Besucher aufgestellt. Weitere Maßnahmen sind geplant.

Abrupt bleibt Thomas Wirtz während eines kleinen Rundgangs durch die Riedbachaue stehen. „Jetzt hören wir einen Specht.“ Dann richtet der Mann vom Naturschutzbund des Rheinisch-Bergischen Kreises (Nabu) sein Ohr in Richtung der Weide, aus der der Vogellaut zu kommen scheint, und horcht noch einmal genau hin. „Vielleicht ist es auch ein Kleiber.“

Der Kiebitz ist weg

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Dies war die passende praktische Untermalung dessen, was Wirtz die ganze Zeit theoretisch bereits zu vermitteln versucht hatte: wie vielfältig die Tier- und Pflanzenwelt in der Riedbachaue ist. Aber Wirtz kennt auch die Schattenseiten des Naturschutzgebietes im Westen Leichlingens. „Der Kiebitz ist weg“, bemerkt er. Schon seit drei Jahren brütet der Vogel des Jahres 1996 nicht mehr am Riedbach. Vermutlich seien freilaufende Hunde daran Schuld, dass die Kiebitze dem Gelände den Rücken gekehrt haben. Nun haben Naturschützer, Kreis und Kreissparkasse einen ersten Schritt unternommen, um „Naturschutz und das Recht auf Erholung zueinander zu bringen“, wie Rolf Menzel es formuliert. Der Landrat kam nun höchstselbst, um der Einweihung von vier Hinweisschildern beizuwohnen, die in der Riedbachaue aufgestellt wurden. In kurzen Texten werden Besuchern nun neben einer Kurzvorstellung des Geländes einige Regeln mit auf den Wanderweg gegeben: Hunde sollen an der Leine bleiben; keinen Abfall wegwerfen; keine Pflanzen ausreißen; die Wege nicht verlassen; das Auto bitte außerhalb des Naturschutzgebietes parken. Durch diese Informationen versprechen sich alle Beteiligten eine bessere Lenkung der Spaziergänger und weniger Beeinträchtigungen für Fauna und Flora. Bereits seit der Vorwoche sollen im Naturschutzgebiet Grube Cox in Bergisch Gladbach mittels ähnlicher Schilder die Bedürfnisse von Menschen, Tieren und Pflanzen besser unter einen Hut gebracht werden. Insgesamt hat die Kreissparkasse für beide Projekte 10 500 Euro bereitgestellt. In der Wahner Heide habe sich diese Methode der Spaziergänger-Sensibilisierung seit einigen Jahren bestens bewährt, bekräftigen alle Beteiligten.

In jedem Fall soll die Beschilderung nur ein erster von weiteren Schritten sein. Denn Thomas Wirtz und seine Kollegen wollen sich endlich statt – wie in der Vergangenheit – der Entsorgung von wild abgeladenem Müll in der Riedbachaue wieder verstärkt dem Naturschutz widmen. Ein paar Wege sollen entsiegelt und in einigen – trocken gefallenen – Gebieten des Feuchtbiotops für eine erneute Anstauung von Nässe gesorgt werden. Aber das, sagt Wirtz, „ist alles noch Zukunftmusik.“ Vielleicht ist bis dahin sogar der Kiebitz schon wieder zurück am Riedbach.

(RP)
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