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Leichlingen: Privatquartiere für Flüchtlinge gesucht

Leichlingen : Privatquartiere für Flüchtlinge gesucht

123 Asylbewerber muss Leichlingen mittlerweile unterbringen, und der Zustrom hält an. Die Stadt hofft auf Privatleute, die Wohnraum anbieten. Sie macht aber auch die Erfahrung, dass ihre Notlage durch Mietwucher ausgenutzt wird.

Die Notlage der Stadt, immer mehr Flüchtlinge unterbringen zu müssen, scheinen private Vermieter auszunutzen, indem sie die Mietpreise in die Höhe treiben: Das gab Fachbereichsleiter Ingolf Bergerhoff jetzt im Sozialausschuss zu verstehen. Es werde gerne an der Preisschraube gedreht, deshalb zögen sich Verhandlungen mit dem ein oder anderen Hausbesitzer, der Wohnraum für Asylbewerber angeboten habe, auch noch in die Länge. Bergerhoff gab aber auch zu verstehen, dass die Stadt solche Preiswucherei nicht mitmache.

123 Flüchtlinge seien aktuell in den städtischen Unterkünften: "Der Zustrom wird aber weiter anhalten", sagt Bergerhoff. Alle städtischen Unterkünfte seien voll. Darüber hinaus sei privater Wohnraum am Stockberg angeboten worden. Eine Wohnung sei dort bereits belegt, zwei weitere stehen laut Bergerhoff dort ab Februar für Flüchtlinge bereit. Außerdem sei eine Flüchtlingsfamilie über der Kindertagesstätte Förstchen untergebracht. Und eine einzelne Asylbewerberin sei vom Pilgerheim Weltersbach aufgenommen worden. "Außerdem hat eine Leichlinger Familie privat einen Flüchtling aufgenommen. Vielleicht finden sich noch andere, die so mutig sind", hofft Ulrich Conrads, der für die Asylbewerberunterkünfte der Stadt zuständig ist. Ganz andere Erfahrungen macht übrigens Leverkusen mit dem sogenannten "Leverkusener Modell". Laut Stadtsprecherin Julia Trick seien bisher keine Fälle von Preiswucher bei Mietwohnungsangeboten für Flüchtlinge vorgekommen. Es gebe im Gegenteil sogar Vermieter, die solche Objekte günstiger anböten, um der Stadt zu helfen, betont Trick. Die Stadt Leverkusen bekomme auch immer wieder Wohnungsangebote für Flüchtlinge zu den üblichen Mietpreisen vom Gemeinnützigen Bauverein Opladen.

Jens Weber (CDU) fragte im Ausschuss nach den Geldern für die Flüchtlingsbetreuung, die das Land dem Vernehmen nach nur teilweise an die Kommunen weiterleite. Wie berichtet, hatte CDU-Landtagsmitglied Rainer Deppe darauf hingewiesen, dass den Städten des Rheinisch-Bergischen Kreises insgesamt weitere 846 005 Euro in diesem Jahr entgehen, die die rot-grüne Landesregierung unterschlage. Deppe hatte von "Taschenspielertricks" gesprochen, mit denen die Landesregierung versuche, zu vertuschen, dass sie den Kommunen letztlich finanzielle Mittel vorenthalte. Bergerhoff meinte jedoch, er könne dies aus Sicht der Stadt nicht beurteilen, es sei auch eine Frage, die Weber wohl eher (seiner) Landtagsfraktion stellen müsse. Was die Mittel für die Unterbringung der Flüchtlinge und die Schaffung von Unterkünften anbelangt, gebe es aber Informationen, dass die Landesbank in einem Sonderprogramm den Kommunen jetzt besonders günstige Kredite gewähren wolle, berichtete Bergerhoff.

Doch nicht nur Wohnraum benötigt die Stadt für Flüchtlinge "Wir müssen uns auch dringend Gedanken über eine Erweiterung der sozialpädagogischen Betreuung Gedanken machen. Zum nächsten Haupt- und Finanzausschuss und zum Stadtrat gibt es von uns eine Vorlage zur Erweiterung des Stellenplanes", kündigte Bergerhoff an. Denn die Flüchtlingsbetreuerin Romana Arendes könne die Arbeit alleine nicht mehr schaffen. Das gelte auch für die Mitarbeiter im Sozialamt, das durch die stetig steigende Belastung mit Aufgaben der Flüchtlingshilfe personell an seine Grenzen komme.

(RP)