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Leichlingen: Precise-Mitarbeiterin erstreitet 19 000 Euro

Leichlingen : Precise-Mitarbeiterin erstreitet 19 000 Euro

Eine langjährige Mitarbeiterin des in diesem Jahr geschlossenen Leichlinger Präzisionsspindelherstellers Precise hat vor dem Arbeitsgericht in einem Vergleich 19 000 Euro erkämpft. Das Geld zahlt Precise Technologies, die in Langenfeld ansässig ist. Die Mitarbeiterin hatte auf Übernahme geklagt.

Leichlingen/Opladen Der Verlauf der Verhandlung trug gegen Ende ein wenig die Züge eines orientalischen Basars: Gleich zweimal gingen die Vertreter des Unternehmens Precise Technologies gestern im Arbeitsgericht zur Beratung vor die Tür. Beim ersten Mal stand ihr Angebot bei 12 500 Euro — gegenüber einer Forderung von 25 000 durch die Gegenseite. Beim zweiten Mal betrug die Differenz nur noch 3000 Euro. Und nach einer weiteren Annäherung der Streitparteien im Gerichtssaal lag nur noch ein guter Tausender zwischen einem Vergleich und der Alternative "aufwändige Zeugenvernehmung mit ungewissem Ausgang".

"Horror" für die Richterin

Da meldete sich Richterin Sonja Bollmann noch einmal zu Wort: "Also das ist ja für jeden Vorsitzenden ein Horror, wenn die Summen anfangs so weit auseinanderliegen, und am Ende scheitert ein Vergleich an lediglich 1000 Euro", sagte sie. Die Rede ins Gewissen der beiden Parteien half: Bei 19 000 Euro zogen sie den gütlichen Schlussstrich unter ein Verfahren, an dem der ursprüngliche Arbeitgeber der Klägerin gar nicht mehr beteiligt war: die Leichlinger Precise Präzisionsspindel GmbH.

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Dort hatte die Mitarbeiterin nach eigenen Angaben 36 Jahre gearbeitet: "im Vertrieb", wie sie behauptete. "Nein, in der Reparatur und damit im Produktionsbereich", hatte die Gegenseite erwidert — die Precise Technologies GmbH, die vor dem Beginn des Precise-Insolvenzverfahrens gegründet worden war und die Bereiche Entwicklung und Vertrieb aus der alten Firma herausgelöst hatte. Entsprechend wurde die Belegschaft der Vertriebsabteilung auch in die neue Firma übernommen. Nicht jedoch die jetzt vor Gericht klagende Mitarbeiterin — eben mit dem Argument, sie habe der Abteilung ja gar nicht angehört.

Zur Untermauerung ihrer Behauptungen hatten beide Streitparteien Dokumente beigebracht und Zeugen benannt. Rechtssekretärin Siglinde Dornaus vom Deutschen Gewerkschaftsbund, die die Klägerin vertrat, hatte unter anderem auch die frühere Precise-Betriebsratsvorsitzende Brunhild Andree-Wagner zum Prozess gebeten.

Zu ihrer Aussage kam es jedoch nicht. Auch das Kündigungsschreiben, in dem der Precise-Insolvenzverwalter der Mitarbeiterin bescheinigte, sie habe im Vertrieb gearbeitet, wurde nicht mehr benötigt. Denn beide Streitparteien ließen vor der Zeugenvernehmung durchblicken, dass sie kompromissbereit seien. Eine Beschäftigung im Betrieb, wie von der Klägerin gefordert, sahen die Vertreter von Precise Technologies aber als "praktisch unmöglich" an und verwiesen auf mögliche Signalwirkung für andere ehemalige Mitarbeiter.

Damit war klar: Die Einigung konnte nur über eine Geldzahlung erfolgen. Die dürfte schon bald auf dem Konto der Klägerin eingehen, denn als Fälligkeitstermin wurde Ende Oktober festgesetzt. Auch Richterin Bollmann war's zufrieden: "Ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet in diesem schwierigen Fall eine Einigung gelingt."

(RP)