Poller in Witzhelden. Bürgermeister Steffes will Einstweilige Verfügung

Keine Einigung in Sicht : Das Poller-Drama von Witzhelden

Im Höhendorf sorgt die Absperrung des Kirchwegs seit Monaten für Ärger. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Die Fronten sind verhärtet, eine Lösung des Problems wird es voraussichtlich nicht so schnell geben. Seit Norbert Günther im September die Zufahrt vom Marktplatz in den Kirchweg mit einem Poller versperrt hat, kochen die Emotionen in Witzhelden hoch. Die Nachbarn sind sauer, die Stadt pocht auf die Entfernung des Pollers, doch Günther hält dagegen. Er will sein Eigentum vor Autos und Lkw schützen. Bürgermeister Frank Steffes hat nun angekündigt, eine Einstweilige Verfügung zur Entfernung des Pollers zu erwirken. Doch dagegen will Norbert Günther klagen. Das könnte ein langwieriges Gerichtsverfahren bedeuten.

Zur Geschichte: Der Kirchweg zweigt als schmale Gasse vom Marktplatz ab. Rund 30 Häuser stehen dort, zudem liegt der Parkplatz eines Restaurants hinter dem Haus. Anwohner und Gäste des Restaurants müssen jetzt einen Umweg von rund 200 Metern fahren – und zwar von hinten durch den schmalen Kirchweg.

Bürgermeister Steffes hofft, dass mit der Einstweiligen Verfügung die Sache erledigt ist. „Dann müssen wir sehen, wie die Gegenseite reagiert.“ Es gebe eine Widmung der Straße für die Öffentlichkeit aus längst vergangenen Zeiten, schließlich handelt es sich um den ältesten Teil Witzheldens. Die Menschen hätten den Kirchweg schon immer genutzt. Zudem könnten Bürger nicht einfach Wege versperren. Ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht würde vermutlich lange dauern, je nachdem, ob es durch mehrere Instanzen geht. Rolf Schneider, Anwohner des Kirchwegs und Mitglied im VVV Witzhelden (Verkehrs- und Verschönerungsverein), hofft dagegen auf eine kurzfristige Lösung. „Das ist doch ein unhaltbarer Zustand, wir möchten, dass die Stadt den Poller schon vorher entfernt.“ Das ganze Dorf sei in Aufruhr, seit seiner Kindheit sei dieser Weg immer frei gewesen.

Der Durchgangsverkehr hätte sich inzwischen an das andere Ende des Kirchwegs verlagert, dort käme es regelmäßig zu gefährlichen Situationen. Dabei sei der Poller gar nicht notwendig, da die Durchfahrt bei Günther nur von wenigen Anwohnern und ein paar Gästen der Gastronomie genutzt werde.

Das sieht Norbert Günther ganz anders. In den vergangenen Jahren, zuletzt im September 2018, hätten mehrere Autos und Lkw das Haus bei der Durchfahrt beschädigt und den Stützpfeiler angefahren. Günther hat ein Gutachten anfertigen lassen, das besagt, dass der Stützpfeiler und das Fundament durch einen Absperrpfosten geschützt werden müssen.

Was Günther zudem wütend macht: „Mit mir hat niemand wirklich gesprochen, auch Bürgermeister Steffes nicht.“ Es habe einen Termin mit der Stadt gegeben, aber da habe man auch keine Einigung treffen können. Stattdessen wären er und seine Frau wüst beschimpft, das Haus mit Eiern beworfen und Blumenkübel beschädigt worden.

„Der ganze Ärger ist doch nicht nötig, es kommen alle Anwohner zu ihren Grundstücken und Garagen, die Gäste zur Pizzeria. Sie müssen nur einen Umweg von 200 Metern fahren.“ Die Stadt könnte vor dem Haus stattdessen einen Parkplatz einrichten. In Witzhelden herrsche schließlich chronischer Parkplatzmangel. „Ich kann dieses ganze Theater nicht mehr nachvollziehen. Und mit einem Gerichtsverfahren vergeudet man auch noch Steuergelder. Das könnte man doch besser in Kindergärten oder Schulen stecken.“

Nach einer Einigung klingen die Äußerungen aller Beteiligten nicht.