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Polizei in Rhein-Berg: „Betrüger sind auf dem Vormarsch“

Kriminalität in Leichlingen : Polizei: „Betrüger auf dem Vormarsch“

Entgegen dem kreisweiten Trend, hat in Leichlingen die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr zugenommen. Einen großen Anteil daran haben Sachbeschädigungen, Fahrraddiebstähle und Straßenkriminalität.

Während landesweit und auch im Rheinisch-Bergischen Kreis die Zahl der Straftaten in 2019 gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, nahm sie in Leichlingen zu – genauso wie in Wermelskirchen und Rösrath. Insgesamt ereigneten sich im vergangenen Jahr im 37 Quadratkilometer großen Leichlinger Stadtgebiet 1171 Straftaten, 2018 waren es 1047. Das entspricht einem Anstieg um 11,84 Prozent oder 124 Taten.

Aufklären konnte die Polizei 533 Straftaten, also mit 45,52 Prozent nicht einmal die Hälfte. Als „wesentliche Parameter“ für diese Zunahme nannte Ralf van Uden, Leiter der Direktion Kriminalität im Kreis, die Steigerung bei zur Anzeige gebrachten Sachbeschädigungen (von 139 im Jahr 2018 auf 182 im vergangenen Jahr) und bei Diebstahldelikten (von 410 auf 453). Überdies nahmen die Fälle von Straßenkriminalität in Leichlingen um 68 zu (von 279 auf 347).

Allerdings: Die Zahl der Wohnungseinbrüche nahm in der Blütenstadt um 32 Fälle (oder 57,14 Prozent) ab — von 56 (2018) auf 24  (2019). Gesunken ist ebenso die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte (von 185 auf 161). In diesen Bereich fallen betrügerische Machenschaften wie der sogenannte „Enkel-Trick“ und Anrufe von Verbrechern, die sich vornehmlich bei älteren Menschen melden, als Polizisten ausgeben und zu Zahlungen auffordern. „Das Problem mit dieser Masche ist virulent“, betonte Ralf van Uden. Darüber dürften die statistischen Zahlen, wonach die Fälle von bekannten 57 im Jahr 2018 (Schadenssumme: 650.520 Euro) auf 38 (219.307 Euro) im vergangenen Jahr kreisweit gesunken sind, nicht hinwegtäuschen. Denn: „Nur die Verfahren, die 2019 abgeschlossen wurden, tauchen statistisch auf.“

Es habe jedoch Ende 2019 mindestens sechs kreisweite Fälle gegeben, die noch nicht abgeschlossen sind und eine Schadenssumme von mindestens 600.000 Euro ausmachen. Van Uden kündigte landesweite Präventionskampagnen an. „Diese Aufklärung ist der direkte Weg, wir wollen Senioren weiterhin sensibilisieren“, ergänzte Polizei-Pressesprecher Richard Barz. Auch der indirekte Weg helfe: „Nachbarn und Enkel sollen Acht geben. Genauso Bank-Mitarbeiter, wenn langjährige Kunden plötzlich völlig untypisch große Summen abheben oder transferieren, um über sie verfügen zu können. Betrüger sind auf dem Vormarsch.“

Häufig hätten derartige Delikte ihren Ursprung in Callcentern in der Türkei, analysierte Ralf van Uden. Dort konnte die Kreis-Polizei, die eigens dafür die Einsatzgruppe „Dackel“ gründete, im vergangenen Jahr eine Festnahme erwirken, deckte Netzwerke dieser Täterkreise in Rheinland-Pfalz und Bayern auf. Der demografische Wandel und vergleichsweise wohlhabenden Senioren machten den Kreis für diese Betrüger zu einem „attraktiven“ Aktionsgebiet, stellte Landrat Stephan Santelmann fest: „Die Schadenssummen durch diese Masche erreichen schwindelerregende Höhen.“ Aber, fügte Santelmann an: „Unser Kreisgebiet gehört zu den sichersten Regionen in Nordrhein-Westfalen.“

Bei der Wahrscheinlichkeit (der relative statistische Wert wird auf 100.000 Einwohner hochgerechnet), in Rhein-Berg Opfer einer Straftat zu werden, rangiere der Kreis auf einem „hervorragenden vierten Platz“. Kreisweit registrierte die Polizei 2019 insgesamt 11.335 Straftaten und damit 868 weniger als im Vorjahr (-7,11 Prozent). Landesweit nahm die Zahl der Straftaten um 4,25 Prozent ab. Die Aufklärungsquote betrug 53,13 Prozent (2018: 52,29 Prozent) – insgesamt klärten die Beamten 6381 Fälle auf.