Leichlingen: Politik macht Weg für Bad am Büscherhof frei

Leichlingen: Politik macht Weg für Bad am Büscherhof frei

Der Stadtrat beschloss am Abend einstimmig bei 16 Enthaltungen, ein neues Schwimmbad am alten Standort zu bauen.

Die wichtigste Nachricht zu Beginn: Die Nutzer des Leichlinger Hallenbades werden um die befürchtete Sperrung der Schwimmstätte vermutlich herumkommen. Dies kündigte Architekt Christoph Keinemann, Geschäftsführer der GSF-Planungsgesellschaft für Sport- und Freizeitbauten, gestern Abend in der Sondersitzung des Leichlinger Stadtrats an.

Der Experte hatte in den vergangenen Tagen die aktuellen Schäden eingehend unter die Lupe genommen. Das Ergebnis falle so aus, dass das Schlimmste wohl verhindert werden könne, teilte Keinemann jetzt mit, machte den Politikern aber unmissverständlich klar: "Sie müssen jetzt schnell handeln, wenn Sie das Bad für die Übergangszeit bis zu einem Neubau noch weiter in Betrieb halten wollen."

Für 60.000 bis 80.000 Euro müsse man in den nächsten Wochen die Symptome der Beschädigungen im Beton beseitigen. "Um die Gründe in den Griff zu bekommen, müsste das Bad aber komplett neu saniert werden", betonte der Architekt. Daher appellierte er an die Mitglieder aller Fraktionen, sich zügig für den Standort des neuen Bades zu entscheiden, denn erfahrungsgemäß dauere die Zeit vom Beschluss bis zur Fertigstellung des Bades drei bis fünf Jahre. Das alte Bad bis dahin betriebsfähig zu halten, erfordere ohnehin noch weitere Investitionen. Je länger man warte, desto schwieriger werde die Situation.

Genau danach sah es in der Sitzung jedoch lange Zeit aus, denn die Abstimmung über den Standort schien auf eine gegenseitige Blockade hinauszulaufen. SPD-Politiker Wolfgang Legrand war unfreiwillig zum Zünglein an der Waage geworden. Legrand fehlte in der eiligst einberufenen Sondersitzung des Stadtrats zur Situation des Leichlinger Schwimmbads nämlich, weil er sich im Urlaub befand. Und damit waren die Befürworter eines Hallenbad-Neubaus am Büscherhof plötzlich nicht mehr in der Mehrheit. CDU, UWG, BWL und FDP, die einen Neubau im städtischen Außenbereich am Eicherhofsfeld befürworteten, hatten plötzlich genau so viele Stimmen wie SPD, Grüne und Linke.

SPD-Fraktionschef Matthias Ebecke appellierte an die Gegenseite, das Fairness-Abkommen, dass es viele Jahre zwischen den großen Fraktionen gegeben hatte und wonach krankheits- oder urlaubsbedingte Ausfälle von der Gegenseite kompensiert werden, anzuwenden. Zumal der Aufsichtsrat der Bädergesellschaft bereits mehrfach mit erdrückender Mehrheit für den Verbleib am Büscherhof gestimmt habe. CDU-Gegenüber Helmut Wagner wies dies jedoch mit der Begründung zurück, die Genossen hätten sich zuletzt ja auch nicht mehr an so etwas gehalten. Und nicht er habe die Sondersitzung einberufen, sondern die SPD.

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Dann folgte die Abstimmung - und endete mit einer großen Überraschung. Nachdem der Eicherhofsfeld-Antrag bei Stimmengleichheit abgelehnt worden war, machte Bürgermeister Frank Steffes darauf aufmerksam, wenn das gleiche beim Verwaltungs-Vorschlag (Büscherhof) wieder geschehe, gebe es ein halbes Jahr lang Stillstand. Denn so lange dürften beide Standorte nicht mehr auf die Tagesordnung. So sehe es die Gemeindeordnung vor.

Die Sitzung wurde unterbrochen, das CDU-geführte Lager beriet sich, und dann verkündete BWL-Fraktionschef Martin Steinhäuser: "Machen Sie sich keine Sorgen um die Abstimmung." Die Eicherhofsfeld- Befürworter stiegen nicht auf die Bremse, sondern enthielten sich und machten den Weg damit frei für den Standort Büscherhof und den zügigen Fortgang der Planung.

"Ich bin tief bewegt und bedanke mich ausdrücklich für dieses verantwortungsvolle Verhalten", lobte Steffes. Angesichts der emotional geführten Debatte sei mit so etwas nicht zu rechnen gewesen. Auch von der Bank der Büscherhof-Befürworter war mehrfach das Wort "Respekt" zu hören.

Schwimmvereins-Vorsitzender Michael Lintz, der unter den Zuschauern weilte, war am Ende vor allem froh, "dass wir unseren Kursbetrieb jetzt vermutlich ohne größere Einschränkungen aufrechterhalten können". Und das sei nun wirklich mal eine gute Nachricht.

(RP)