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Leichlingen: Planer verärgert über Standortdiskussion

Leichlingen : Planer verärgert über Standortdiskussion

Architekten bemängeln Beschluss zu alternativem Rathausstandort. Er torpediere das Stadtentwicklungskonzept.

Eine knappe Mehrheit hatte in der vergangenen Ratssitzung für einen Neubau des Rathauses gestimmt. Unklar blieb, wo das neue Rathaus in Zukunft stehen soll. Zur Auswahl blieb der jetzige Standort Am Büscherhof oder das Areal des Blütenbads. Darauf legten sich die Ratsherren nicht fest.

Als schlechtes Zeichen werten das nun die Stadtplaner von Pässler, Sundermann und Partner, die sich in einem Schreiben mahnend an die Ratsmitglieder richten: "Die Diskussion im Rat (...) hat uns sehr irritiert. Sie droht, uns in unseren Bemühungen zur Entwicklung des Kaufparkgeländes deutlich zurückzuwerfen. Wir bitten daher mit Nachdruck darum, das (...) konstruktive Zusammenspiel zwischen Politik, Verwaltung und Investor/Planer wieder aufzunehmen."

Ihrer Argumentationskette legen die Stadtplaner die klassischen Regeln der Stadtentwicklung zugrunde, in der der Rathausstandort ein zentraler Baustein im städtischen Gefüge ist und das Erscheinungsbild einer Stadt prägt. Das Rathaus trage, als wichtigster Arbeitgeber im Zentrum, "wesentlich zur Stärkung und Attraktivierung der Innenstadt bei." Die Diskussion über einen dezentralen Verwaltungsort "torpediert diese klassische Regel der Stadtentwicklung". Und die Städteplaner gehen weiter: Mit der Standortdiskussion "zerplatzt unsere städtebauliche Vision vom neuen Rathausplatz an der Wupper (...) kurz gesagt nimmt uns die Diskussion genau die Planungssicherheit, die wir im letzten Jahr erbeten hatten."

Eine Verlagerung des Rathauses führe, laut Ausführungen der Stadtplaner, zudem zu mehreren Problemen: Der Rathausplatz ist Teil des Bebauungsplanes, an dem sich das gesamte Bebauungskonzept orientiere. Wechselt der Standort, würde das alle bisherigen Überlegungen und Pläne über Bord werfen. Zudem irritiere die Ratsdiskussion auch potenzielle Betreiber und Investoren.

Darüber hinaus kritisieren die Stadtplaner, dass bei der Standortdiskussion die Verkehrserschließung nicht berücksichtigt wurde. Die Kreuzung Holzer Straße /Neukirchener Straße sei bereits heute an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit und könne auch eine Rathausverlagerung nicht aufnehmen. Für einen erforderlichen Kreisverkehr, der die Verkehrsbelastung aufnehme, sei schlichtweg kein Platz. "Daher ist aus verkehrstechnischer Sicht der Standort am Stadtbad unrealistisch."

Helmut Wagner (CDU) bedauert, dass durch den Ratsbeschluss Unruhe aufkommt. "Das hat die SPD zu verantworten." Seiner Meinung nach war es unnötig, die Rathaus-Frage jetzt in das integrierte Handlungskonzept einzufügen. "Es war klar, dass das Rathaus die Pläne der Stadtplaner tangieren würde."

Es wäre alles gut gewesen, sagt Matthias Ebecke (SPD), wenn der Rat vor der Entscheidung, ob Sanierung oder Neubau, den Standort Rathaus beschlossen hätte. Mit diesem Vorgehen verprelle die CDU nur Investoren. "Das Schreiben von Pässler, Sundermann und Partner bestätige den Antrag der SPD, sich für den jetzigen Standort auszusprechen. "Mit der Diskussion", sagt Ebecke, "gibt der Rat in seiner Gesamtheit keine gute Figur ab."

(RP)