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Pilotprojekt "Seelenpflaster" an Leichlinger Grundschule beendet

Pilotprojekt an Grundschule ist beendet : Kein „Seelenpflaster“ mehr am Büscherhof

Grundschule setzt verstärkt auf örtliche Erziehungsberatung und schulpsychologischen Dienst. Projekt mit Kunsttherapeutin beendet.

An der Gemeinschaftsgrundschule Büscherhof geht ein interessantes Pilotprojekt zu Ende: Von Mai bis Dezember vergangenen Jahres bot die Schule den Kindern durch die Arbeit mit der Kunsttherapeutin Marie Fenske Hilfe, die mit physischen und seelischen Belastungen in den Unterricht kamen und so kaum eine Chance hatten zu lernen. Unumstritten war das Projekt nicht: „Wir hatten sehr intensive Gespräche, was Schule im ,seelsorgerischen’ Bereich kann, darf und sollte“, berichtet Schulleiterin Sandra Richter nun. Auf keinen Fall aber dürfte Schule therapeutische Angebote machen. Diese Gradwanderung und die Diskussionen darüber auf allen Ebenen der Schulorganisation haben dazu geführt, dass das Pilotprojekt vor den Weihnachtsferien beendet wurde.

Bis dahin hatte die Kunsttherapeutin rund 20 Jungen und Mädchen an der Grundschule begleitet und im emotionalen und sozialen Bereich gefördert. „Viele Kinder haben bereits bei Eintritt in die Schule Gewalterfahrung. Sie leiden unter dem Verlust von Schutz und Fürsorge. Es sind Kinder mit Missbrauchs-, Vernachlässigungs-, Verwahrlosungs- oder Fluchterfahrung. Auch Scheidungsfälle können tiefe Traumata auslösen. Und das gilt nicht nur für Kinder aus Flüchtlingsfamilien oder sozial schwachem Umfeld, sondern aus der ganzen Gesellschaft“, hatte Fenske damals erläutert. Ihre These: „Ist der Kopf voll, ist kein Lernen mehr möglich.“ Die Schüler und das Lehrerkollegium nahmen das Angebot an: „Den Kindern war die Zeit und den Lehrern der Austausch mit Marie Fenske wichtig“, erzählt Richter.

In Zukunft aber wird die Grundschule verstärkt die Hilfsangebote nutzen, die die Schulorganisation mit ihren Partnern bietet. „Wir planen eine Lehrerkonferenz mit der Offenen Ganztagsschule, dem Jugendamt und dem schulpsychologischen Dienst. Dabei möchten wir herausfinden, wie wir die Möglichkeiten, die etwa das Jugendamt bietet, besser ausschöpfen können“, sagt die Schulleiterin. Auch die Erziehungsberatung des Rheinisch-Bergischen Kreises, die ohnehin einmal in der Woche in der Schule ist, soll intensiver eingebunden werden. Sie bietet beispielsweise Förderkurse im sozial-emotionalen Bereich, Sprechstunden für Eltern, Kinder samt Lehrern, aber auch Unterrichtshospitationen und außerhalb der Schule Spieltherapie.

Die Lehrkräfte erhalten die Möglichkeit, sich für ihre Arbeit mit den Kindern vom schulpsychologischen Dienst beraten zu lassen. „Ich arbeite bereits jetzt eng mit dem Jugendamt zusammen, möchte das aber im Kollegium auf eine noch breitere Basis stellen“, betont Richter. Das Leichlinger Jugendamt stärke der Schule dabei den Rücken.