Kultur : Orgelsommer: Irischer Nebel im Morgengrauen

Bei der Planung des diesjährigen Leichlinger Orgelsommers hat es Kantor Carsten Ehret darauf angelegt, möglichst viele der unterschiedlichen Seiten der Königin der Instrumente vorzuführen. Schließlich stecken in dem großen und komplizierten Pfeifenkasten viel mehr Möglichkeiten als Choralbegleitung und Andacht für die Gottesdienstgemeinde zu liefern.

Die bedeutenden Meilesteine der Kirchenmusik-Literatur sind natürlich in jedem Orgelsommer dabei, auch in diesem. Aber am Freitag präsentierten sich die große Schuke-Orgel und ihre kleine Schwester gegenüber einmal ganz anders. So irisch klangen sie mit Sicherheit noch nie.

Möglicherweise haben andere Organisten schon die Bearbeitung eines Traditionals von der grünen Insel als zusätzlichen Farbtupfer genutzt. Aber beim dritten Orgelsommer-Abend blieb das Musiker-Ehepaar Ulrike und Claus von Weiß standhaft beim einmal eingeschlagenen Stil der irischen Folk- und Tanzmusik mit ihren Verzierungen und vielen Wiederholungen, die das Publikum bald mitpfeifen könnte. Das geschah in der evangelischen Kirche nicht, da hörten die Orgelmusik-Freunde genauso still und aufmerksam zu wie bei den üblicherweise klassischen Programmen. Obwohl sich die Gastorganistin aus Düsseldorf und der Flötist mit seiner Sammlung von Whistles und Low Whistles die größte Mühe gaben, ausgelassene Heiterkeit und Lebensfreude zu verbreiten. Jedenfalls mit den schwungvoll gespielten Folge von Jigs am Anfang und zum Abschluss, die – in anderer Besetzung – genauso gut in einem irischen Pub musiziert werden könnten. In der Kombination von Flöte und Orgel, quasi einem ganzen Flötenorchester, war es jedoch ein ganz neues Erlebnis. Zumal Ulrike von Weiß ihre eigenen Orgel-Arrangements auch mit unterschiedlichen Klang- und Harmoniefarben anreicherte. Und sie begleitete nicht nur die klare Flötenlinie, die zunächst einsam das Konzert eröffnet hatte, sondern die Duo-Partner spielten in Dialog miteinander oder auch im Wechsel, wobei außer den zarten Flötenregistern auch mal andere Charakternuancen der Orgel (wie die der Zungenpfeifen) eine angenehme Abwechslung brachten. Zwischen lebendigen und besonders rhythmischen Traditionals gab es immer wieder melancholische, verträumte oder gar traurige Musik. Diese stille und nachdenkliche Seite des Lebens scheint Claus von Weiß ganz besonders zu liegen, jedenfalls wenn er eigene Gedanken, Erlebnisse oder Beobachtungen in Flötenmelodien übersetzt.

Ein Programmzettel verriet mehr als nur der Titel: Das geheimnisumwitterte, untergegangene Atlantis, Abwesenheit seiner Frau oder die genussvolle Melancholie eines vergangenen Tages. Ein Doppel-Beitrag hätte keine Beschreibung gebraucht, denn die beiden Jigs „The Lark in the Morning/ on the Strand“ sprachen für sich. Die Orgel stimmte eine Sound-Performance von Morgengrauen mit aufsteigenden Nebelschwaden an, und die Whistle ließ die erste Lerche erwachen, in deren Ruf sich bald weitere Vögel mischen und immer kunstvoller um die Gunst der Zuhörer werben. Ein heiter-melancholischer Abend, nicht nur für Irlandfreunde.

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Am nächsten Freitag, 3. August, geht der Leichlinger Orgelsommer um 19 Uhr in der evangelischen Kirche Marktstraße weiter. Die Kölner Organsitin Laura Kalnina, die aus Lettland stammt, spielt unter anderem ein zeitgenössisches Stück ihres Landsmannes Rihards Dubra. Am Anfang ihres Programms steht das wohl bekannteste Orgelwerk Johann Sebastian Bachs: Toccata und Fuge d-Moll BWV 565. Eintritt frei, Spenden erbeten.