Orgelsommer in Leichlingen startet

Evangelische Kirche : Orgelsommer startet mit Posaunen

Leichlinger Orgelsommer 2019 mit Musik für Orgel und Posaunenquartett eröffnet

Sie sieht deutlich älter aus in ihrem ehrwürdigen Gehäuse, das die Orgelbaufirma Schuke 1979 mit Absicht der barocken Architektur der evangelischen Kirche in Leichlingen nachempfunden hat. Tatsächlich ist das Instrument 40 Jahre alt, noch kein wirkliches Jubiläum, aber ein runder Geburtstag. Der wird in diesem Leichlinger Orgelsommer mit acht Konzerten mit vielen Facetten der gefeiert.

Beim Eröffnungskonzert, das Kantor Carsten Ehret grundsätzlich selbst spielt und mit anderen Instrumenten verbindet, wurde das schon durch den Ortswechsel deutlich. Nicht eine sondern gleich vier Posaunen – gespielt von vier Studienkollegen, die sich seit zwei Jahren Ensemble „Prospurtal“ nennen – waren als Partner zu Gast. Und alle fünf Musiker haben während des Konzerts nicht nur Luft und Konzentration für die Musik gebraucht, sondern auch für’s Treppensteigen.

Gemeinsam begannen sie hinten auf der Empore, wo sie bei der festlichen, barocken „Sonata“ von Daniel Speer direkten Sichtkontakt zum Organisten hatten. Denn für seine eher zurückhaltende, zarte Begleitung hatte Ehret die kleine Chororgel an der Rückwand gewählt, deren Spieltisch genau gegenüber liegt. Später setzte er sie als Fernwerk ein, das sich auf dem dritten Manual am großen Spieltisch über der Kanzel bedienen lässt. Doch dazu musste er erst die steilen Emporenstufen hinab- und die Treppen an der Vorderseite wieder hinaufeilen.

Mit dem Effekt der Wechselwirkung vorne/hinten hat der Leichlinger Organist den ersten Satz der Orgelsonate Nr. 1 von Paul Hindemith besonders interessant gestaltet. Überhaupt versteht sich der junge Kirchenmusiker darauf, seinen Hörern Musik des 20. Jahrhunderts nahe zu bringen und ans Herz zu legen. Mit einem ausdrucksvoll und ruhig fließenden Andante von Felix Mendelssohn Bartholdy hat er den vier Posaunisten eine zweite Atempause im Programm gestattet.

Die Gäste, Thomas Kessler, Michael Pausch, Marius Schäfer und Stephan Müller, revanchierten sich mit Quartetten jüngeren Datums, bei denen der Organist einfach zuhören durfte. Einen interessanten Wechsel von ruhigen und ausgesprochen lebhaften, von Jazzelementen geprägten Sätzen, kennzeichneten die Suite des Polen Kazimierz Serocki. Posaunisten müssen sich häufig behelfen, erst recht wenn sie in Viererstärke auftreten, und auf Bearbeitungen von Kompositionen für andere Besetzungen zurückgreifen. So wie beispielsweise bei dem Satz „Vollendet ist das große Werk“, den Joseph Haydn in seinem Oratorium „Die Schöpfung“ für vierstimmigen Chor geschrieben hat, der aber in dieser Variante durchaus strahlenden Glanz vermittelte.

In der Alten Musik, wie hier bei zwei Stücken von Giovanni Gabrieli, ist das ausführende Instrument nicht mal zwingend vorgeschrieben, sondern den Möglichkeiten überlassen. Besonders schön erklang dessen doppelchörige „Sonata Pian e Forte“ im Wechselspiel zwischen Posaunen und Orgel.

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