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Neues Projekt: Leichlingen wird zur Schwammstadt

Regenwasser für Bewässerung besser nutzen : Leichlingen wird zur Schwammstadt

Mit einem innovativen Konzept wollen die technischen Betriebe Regenwasser in der Stadt halten und zur Bewässerung von Pflanzen und Sträuchern nutzen. Dafür bekommt sie Geld vom Bund.

Für den Bau einer „blau-grünen Klimaachse“ entlang des Wilhelm-Göddertz-Weges kann die Stadt auf eine Finanzspritze von rund 800.000 Euro vom Bundesinnenministerium hoffen. Die gute Nachricht erreichte in der vergangenen Woche die Verwaltung. Am Montag nun erklärten Tycho Kopperschmidt, Leiter der technischen Betriebe, und Bürgermeister Frank Steffes, was genau eine „blau-grüne Klimaachse“ überhaupt ist und wozu die Stadt sie braucht.

Früher, so sagte Kopperschmidt, sei es das Ziel gewesen, sowohl Regenwasser als auch Schmutzwasser über einen Mischwasserkanal so schnell wie möglich aus der Stadt heraus zur Kläranlage und von dort in die Wupper zu leiten. Dabei entstanden – aus heutiger Sicht – so absurde Konstellationen, dass ein Gulli am Bordstein direkt neben einem Straßenbaum das Regenwasser in den Kanal ableitete und der Baum extra gegossen werden musste. In Zeiten großer Trockenheit hat dieses Konzept ausgedient.

Heute geht es darum, Regenwasser in der Stadt zu halten, damit Grünflächen und Pflanzen bewässert und das Klima verbessert werden können. Hier schlägt die Stunde der „blau-grünen Klimaachse“, die genau genommen eine offene Entwässerungsmulde ist, die sauberes Wasser der umliegenden Dächer aufnimmt. Sie wird dem innovativen Konzept der technischen Betriebe entsprechend mit unterirdischen Zisternen und Versickerungsboxen kombiniert: In den Zisternen soll Wasser gesammelt werden, damit die Mitarbeiter des Bauhofes in der warmen Jahreszeit damit Bäume und Sträucher gießen können.

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Die Versickerungsboxen kommen zum Einsatz, wenn die Zisternen voll sind: Sie geben das Wasser durch Löcher ab, so dass der umgebende Boden nicht austrocknet. An die Entwässerungsmulde entlang des Wilhelm-Göddertz-Weges – eine Rasenrinne, die künftig mit weiterem Grün bepflanzt werden kann – soll aber nicht nur Regenwasser eingeleitet werden, sondern auch das Wasser einer Quelle am Johannisberg, das bislang in einem Kanal in die Wupper geleitet wird. „Sie liefert zwar nur eine relativ geringe Wassermenge, die zukünftig aber ebenfalls im Innenstadtbereich über die Mulde versickern und zur Begrünung beitragen soll“, erläuterte Kopperschmidt.

Insgesamt, so rechnet die Verwaltung, könnten mit diesen Maßnahmen 10.000 Kubikmeter Regenwasser und 20.000 Kubikmeter Quellwasser zur Versickerung, Bewässerung und somit für ein gesundes, da nicht so heißes Lebensumfeld genutzt werden. Denkbar seien entlang der Mulde außerdem Elemente, die die Aufenthaltsqualität verbessern, sagte Frank Steffes: beschattete Treffpunkte für das Wohnquartier beispielsweise, Wassersprühanlagen als Kühlelemente oder Spielbereiche mit Wasser.

Die Idee folgt damit dem Konzept der sogenannten „Schwammstadt“, anfallendes Regenwasser in Städten lokal aufzunehmen und zu speichern, anstatt es zu kanalisieren und abzuleiten. Die Kombination aus Rasenmulde, Zisternen und Versickerungsboxen bezeichnete Tycho Kopperschmidt als wohl einzigartig für eine Kommune. Insgesamt hat die Stadtverwaltung 1,1 Millionen Euro Fördergelder beantragt, zehn Prozent der Projektkosten muss sie selber tragen. Im Sommer sollen die konkreten Planungen beginnen, eine Fertigstellung ist im Jahr 2024 denkbar.