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Neue "Sitzungs-Ära": Leichlinger Rat tagt wegen Corona in der Aula

Erste Ratssitzung nach der Corona-Zwangspause : Stadt hat Kindeswohlgefährdung im Auge

Die erste Ratssitzung nach der Zwangspause lief mit Mundschutz und ausreichend Abstand in der Aula am Hammer. Die Stadtverwaltung saß auf der Bühne Thema auch hier: die Corona-Auswirkungen in der Stadt, etwa auf Familien.

Die erste Ratssitzung nach drei Monaten Corona-Pause fand am Donnerstagabend unter strengen Hygieneregeln statt: Die Ratsmitglieder saßen an Einzeltischen über den ganzen Saal verteilt, Besucher nahmen auf der Tribüne Platz, die Verwaltung auf der Bühne. Bürgermeister Frank Steffes nutzte das Treffen für einen Rückblick auf den Pandemie-bedingten Ausnahmezustand der vergangenen Wochen und einen Ausblick auf die nächste Zeit: „Wir werden uns an diesen großen Raum hier in der Aula für die kommenden Sitzungen gewöhnen müssen. Wir starten also mit der heutigen Sitzung in eine neue Sitzungs-Ära, die im Juni ihre gewohnte Fortsetzung finden wird.“

Bei den allermeisten Menschen habe die Corona-Pandemie von heute auf morgen das Alltags- und Arbeitsleben auf den Kopf gestellt. Dies gelte auch für die Stadtverwaltung. „Wir haben Anfang März unsere Arbeit binnen weniger Tage neu organisiert“, berichtete Steffes. Das Ordnungsamt sei zum Epizentrum der Krise geworden. „Täglich neue Erlasse und Verordnungen haben das Ordnungsamt in den vergangenen Wochen vor eine Bewährungsprobe gestellt. Die Erlasse müssen schließlich nicht nur umgesetzt, sondern auch mit Fingerspitzengefühl auf unsere lokalen Gegebenheiten angepasst werden“, merkte der Verwaltungschef an und betonte: „Zum Glück ist die Bereitschaft der Leichlinger, sich an die Regeln zu halten, fast ausnahmslos vorbildlich.“ Aus der Krise zog er unter anderem eine Erkenntnis: Ohne schnelles Internet und flächendeckende Glasfaserinfrastruktur geht es heutzutage nicht mehr. Das dürfte nicht nur für eine Stadtverwaltung gelten, sondern auch für Menschen im Homeoffice, für die Online-Beschulung und sogar für die Online-Jugendarbeit. Selbst Ärzte lassen sich heute via Internet konsultieren. Eine schlechte Nachricht hatte Steffes für die Kultur: Es lasse sich derzeit nicht sagen, wann wieder Veranstaltungen stattfinden könnten.

Aus dem Jugendamt berichtete am Donnerstag Leiterin Johanne Kristiansen. Durch den Corona-bedingten Shutdown hatten Fachleute unter anderem mehr Konflikte in Familien befürchtet. Für Leichlingen zeichnete Kristiansen ein differenziertes Bild: „Nach unseren Beobachtungen sind die Fälle häuslicher Gewalt gleichbleibend. Die Tendenz der Kindeswohlgefährdung geht im Mai allerdings nach oben“. Das könne mit „Ermüdungserscheinungen“ im täglichen engen Miteinander in den Familien begründet sein. Allerdings, so sähen es auch andere Experten, könne man nicht sagen, wo die genauen Gründe für aktuelle Fallzahlen lägen. „Vielleicht können sich die Kinder, die derzeit nicht in Schule oder Kita gehen, anderen Menschen einfach nicht mitteilen“, sagte die Jugendamtsleiterin.

Das Bauamt ist von Corona aktuell offenbar nicht extrem betroffen. Allerdings ließen sich die Auswirkungen auf Bauprojekte derzeit auch noch nicht klar absehen, betonte Amtsleiterin Andrea Murauer. Durch Bürgerinfoveranstaltungen beispielsweise, die nicht stattfinden dürften, könnte es zu Verzögerungen kommen. Nachfragen gibt es im Bauamt verstärkt von Bürgern, die die Zeit daheim für Handwerksarbeiten nutzen. Tipps dazu gibt es daher auf der städtischen Internetseite in der Rubrik „Haus und Garten“, „damit es nicht zu bösen Überraschungen etwa durch die Behörden oder die Nachbarschaft kommt“.