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Leichlingen: Neue Gruppe: Erste Hilfe bei Depressionen

Leichlingen : Neue Gruppe: Erste Hilfe bei Depressionen

Zwei Psychologen wollen eine psychiatrische Versorgungslücke füllen und Hemmschwellen abbauen.

Immer mehr Menschen leiden unter Depressionen, auch Burnout genannt, aber die schnelle Hilfe, die im schlimmsten Fall sogar den Suizid verhindern kann, scheint oft für die verzweifelten Kranken unerreichbar. Zwar gibt es psychiatrische Notfallambulanzen in Kliniken. "Die Hemmschwelle, Scham, und diffuse Ängste sind aber oft zu groß, um sich in eine Klinik zu begeben", weiß Martin Gadatsch. Der 56-jährige Diplom-Psychologe und Psychotherapeut möchte deshalb jetzt gemeinsam mit der Psychologin Annette Hopp in Leichlingen ein Auffangangebot schaffen.

Eine sogenannte psychoedukative Gruppe soll im März starten und sich dann regelmäßig mittwochs nachmittags im Awo-Treff Am Schulbusch 16 treffen. "Netzwerk Seele", nennen die Psychologen ihr Angebot. "Ein Einzelgespräch geht für jeden immer voran", betont Hopp. So ließen sich auch mögliche Hemmungen abbauen, sich anschließend einer Gruppe gegenüber zu öffnen. "Wir stellen aber immer wieder fest, dass eine Gruppe gleichermaßen Betroffener auch so etwas wie ein Expertenteam darstellt. In der Gruppe können alle feststellen, dass sie mit ihrer Krankheit nicht alleine sind", betont Martin Gadatsch, der seine Erfahrungen aus der Klinik Roderbirken bezieht, wo er seit zehn Jahren beschäftigt ist.

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Die psychoedukative Gruppe soll eine Lücke füllen und nur eine Durchgangsstation sein, wie Hopp und Gadatsch betonen. In sechs bis zehn Gruppensitzungen zu jeweils eineinhalb Stunden wollen die Psychologen den Kranken die grundlegenden Informationen geben, was sie über Antidepressiva wissen müssen. Denn diese Mittel würden oft von Ärzten einfach so verschrieben, ohne dass die Patienten aufgeklärt würden, welch starke Nebenwirkungen diese Medikamente haben und dass sie eine zweiwöchige Einschleichphase benötigten, um überhaupt eine Wirkung feststellen zu können, betont Gadatsch. Über Therapieformen- und lokale Ansprechpartner, schließlich auch die Abwicklung mit den Krankenkassen sollen die Patienten in der Gruppe die notwendigen Informationen erhalten, um sich dann selbst entscheiden und auf den Weg zu einer für sie passenden Therapie auf zu machen.

Die Krankenkassen zahlten offiziell zwar noch nicht für die Teilnahme an einer psychoedukativen Gruppe: "Das ist aber wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit und der Nachfrage", meint Hopp. Konzepte für solche Gruppen lägen bei den Krankenkassen in den Schubladen, sagen Hopp und Gadatsch und ermuntern ihre künftigen Gruppenteilnehmer, bei den Kassen nach Kostenerstattung oder Zuschüssen zu fragen.

25 Euro sollen die 90 Minuten-Gruppeneinheiten kosten, inklusive des Einzelgespräches zu Beginn. Und es soll Preisnachlass bei Buchung gleich aller zehn Gruppentreffen geben, sichert Hopp zu. Nähere Informationen geben die Psychologen unter Tel. 01578 2824533.

(RP)