Nach dem Unwetter in Leichlingen: Dank an Helfer

Unwetterschäden in Leichlingen: „Wir haben keinen Kühlschrank, kein Telefon“

Nach dem Hochwasser: Leichlingen räumt auf

Leichlingen packt gemeinsam an: Die Aufräumarbeiten in der Stadt nach dem schweren Unwetter am Wochenende werden wohl noch Tage dauern. Zum Glück haben die Betroffenen einander.

Im Märzgässchen sind Gunther und Ingmar Schäfer auch am Montag - mehr als 24 Stunden nachdem eine Flutwelle Matsch und Geröll die Leichlinger Berge hinab und in etliche Keller gespült hat, noch voller Matsch. Sie schleppen Möbel, Hausrat und alles, was ihre Mutter im Keller stehen hatte, aus dem Keller in einen Container vor dem Haus. „Was hat die Versicherung gesagt?“, ruft einer. „Sie schicken ein Formular“, hallt es zurück. Gunther zuckt mit den Schultern und schleppt weiter.

Wie schwer das Haus beschädigt wurde, zeigt Elisabeth Schäfer auf ihrer Kellertreppe. Sie geht eine Stufe hinab, so hoch stand am Wochenende das Wasser in ihrem Keller. „Ich hatte in dem Keller die Wintersachen, die Marmelade und auch die Weihnachtskrippe. Das Schlimmste ist, dass wir ohne Strom sind. Wir haben keinen Kühlschrank, kein Telefon.“ Wie viele Helfer hat sie kaum Schlaf bekommen. „Meine Nachbarin hat mir eben eine Kanne Kaffee vorbei gebracht. Diese solidarische Hilfe von Leuten, die wir gar nicht kannten, die ist überwältigend.“

Krisenkoordination im Internet

Über die Gruppe „Leichlingen Info und offenes Forum“ auf Facebook haben sich am Sonntag Helfer gemeldet. Gunther Schäfer ist dankbar: „Es kamen bestimmt 30 Leute, die uns geholfen haben, Wasser in Eimern aus dem Keller zu tragen“, sagt er. Das Café Strieker habe Brötchen und Kaffee am Sonntag vorbeigebracht.

Im Hintergrund hat Gerd Ribbeck an der Hilfsaktion mitgewirkt. Als Administrator der Facebook-Gruppe habe er gemeinsam mit Dominique Rondé etliche Stunden bis tief in die Nacht hinein Beiträge kommentiert. „Irgendwer kannte immer einen, der helfen konnte“, erzählt er.

Starke Gemeinschaft

„So etwas habe ich noch nie erlebt, und es erfüllt mich mit Stolz“, sagte ein Anwohner aus Weltersbach. Dort gab es Sonntagmorgen Kaffee und andere Getränke sowie Kuchen, belegte Brötchen und Pizza für die erschöpften Helfer, die stundenlang Müll wegräumten, Wasser schaufelten und Säcke schleppten. Pumpen und andere Geräte wurden spontan an Unbekannte verliehen und noch in derselben Nacht dorthin transportiert, wo sie gebraucht wurden. Ganz zu schweigen von den unzähligen freiwilligen Helfern, die ohne zu zögern beim Nachbarn oder sogar ein paar Straßen weiter mit anpackten. „Ohne euch hätten wir das nicht geschafft“, schreibt die Besitzerin einer Gaststätte.

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Filme und wichtige Verkehrsinformationen wurden sofort geteilt, Bilder von ausgebüxten Tieren wurden veröffentlicht, und Betroffene und Helfer fanden im Forum unkompliziert zusammen. Aber nicht nur Pumpen, Schaufeln und Eimer wurden im Netz angeboten. Sogar Massagen für müde Einsatzkräfte gab es und Rat beim Ausfüllen von Versicherungsanträgen.Bürgermeister Frank Steffes lobte am Montagmorgen die Helfer: Er sei begeistert von der enormen Hilfsbereitschaft der Leichlinger. „Viele haben ihre Schüppe genommen und beim Aufräumen geholfen.“

„Das Schönste ist die Solidarität“

Stanislaus Stegemann, Leiter des Evangelischen Altenzentrum Hasensprungmühle, schätzt, dass es noch Wochen dauern wird, bis alles aufgeräumt und repariert ist. „Das Schönste ist die Solidarität“, sagt er. Die älteren Herrschaften seien durch alles, was im Moment um sie herum passiert, verunsichert, „aber“, so Stegemann: „Einige von ihnen haben in ihrem Leben viel Schlimmeres erlebt und sind dankbar für jede kleine Hilfe, die sie bekommen.“ In ihrem Tagungshotel hat die Einrichtung Nachbarn Notunterkünfte eingerichtet: „Sie wurden aus ihrem Fachwerkhaus abgeseilt, weil es überflutet war.“

Wie auch im Pilgerheim Weltersbach sind an der Hasensprungmühle noch in der Nacht Mitarbeiter gekommen, haben Eimer, Besen und Schaufeln mitgebracht und angefasst. Sigmund Pelz, der Technische Leiter der Einrichtung, hat in den vergangenen Nächten kaum geschlafen. Ständig klingelt sein Handy, er wird von links und rechts gleichzeitig angesprochen, die Solidarität beeindruckt auch ihn. „Das motiviert. Wir finden das total klasse. Schön, dass es sowas noch gibt.“ Joachim Noss, der Geschäftsführer, sagt: „Eben hat jemand geschrieben, dass er mit seinen Kollegen von Covestro kommt, um uns zu helfen. Ich bin beeindruckt von dem bürgerschaftlichen Engagement.“

Seit zwei Stunden ist er mit einer Gruppe Gutachter unterwegs, um einen Überblick über die Schäden zu bekommen. Die Verwaltungsmitarbeiter reinigen derweil das, was im Keller lagerte. In beiden Einrichtungen wurden Wohnungen evakuiert. Die beiden voneinander unabhängigen Einrichtungen sind im gleichen Dachverband, dem Diakonischen Werk, organisiert. Nun greifen sich die Verantwortlichen unter die Arme. Einige Bewohner des Pilgerheims sind in einer Einrichtung der Inneren Mission in Wermelskirchen untergebracht, zu der auch das Zentrum an der Hasensprungmühle gehört. Dort, am unteren Ende des Weltersbachs, wurde kurzerhand das Tagungshotel zur Unterkunft für die rund 22 Personen, die in der Nacht zum Sonntag nicht mehr in ihren Wohnungen für Betreutes Wohnen bleiben konnten.

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