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Leichlingen: Mord: Gutachter bestätigt brutale Schläge

Leichlingen : Mord: Gutachter bestätigt brutale Schläge

Zwei dicke Pakete lagen auf dem Pult der Richter in Saal 5 des Kölner Landgerichts. Sie kamen direkt aus der Asservatenkammer der Polizei. Der Inhalt: stumme Zeugen eines schweren Verbrechens. Hätten sie erzählen können, gäbe es keine Zweifel am genauen Tathergang am 22. Oktober 2013 in einem Bungalow in Leichlingen, wo eine 57-jährige Frau zu Tode gekommen ist.

Nach Auffassung des Gerichtsmediziners wurde sie mit mindestens fünf vehementen Schlägen mit einem schweren Gegenstand auf den Kopf brutal getötet. Die Kleidungsgegenstände, die sich die zehn Personen, die das Geschehen zu bewerten haben (drei Berufsrichter, zwei Schöffen, zwei Rechtsanwälte, eine Staatsanwältin und zwei Gut, sehr genau ansahen, gehören dem 74-jährigen Angeklagten und Ehemann der Verstorbenen: eine dunkelblaue Hose, ein Hemd, ein Paar schwarze Schuhe. Zudem packten die Richter noch einen Feuerlöscher aus. Der Forensiker kann viele Spuren als Hinweise auf den Ablauf des Geschehens deuten. Vor allem waren es die vielen Blutspuren auf der Kellertreppe, im Keller und auf der Kleidung. Blutflecken wiesen unterschiedliche Spritzmuster auf; sie könnten Schleuderspuren sein oder das Blut könne senkrecht nach unten getropft sein. So könne man erkennen, ob das Opfer eher schnell oder langsam die Treppe heruntergefallen oder eher getaumelt sei und sich dabei noch versucht habe abzustützen: So erläuterte der Gutachter gestern.

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Diese Hinweise stünden aber im Widerspruch zur Aussage des Angeklagten, dass es sich um einen "ganz normalen" Treppensturz gehandelt haben soll. Außerdem ließen die brutalen Verletzungen am Kopf der Getöteten auf ein Gewaltdelikt schließen, wie der Gutachter weiter ausführte.

Mindestens fünf schwere Schläge auf das bereits am Boden liegende Opfer müssen laut Gutachter erfolgt sei. Der Schädel sei dermaßen zertrümmert gewesen, so dass er auch eine höhere Zahl von Schlägen nicht ausschließen könne, sagte der Gerichtsmediziner. Der Kiefer der Frau sei gebrochen gewesen, auch Rippenbrüche und Verletzungen an beiden Händen habe er bei der Toten festgestellt. Die Blutspuren am oberen Teil der Treppe erklärt sich der Forensiker damit, dass dem Opfer die ersten Verletzungen bereits mit einer Bauschaumdose beigebracht worden sein müssten.

Als das Opfer dann auf dem Kellerboden gelegen habe, seien wahrscheinlich weitere Schläge mit der Dose erfolgt, wobei der Täter soweit ausgeholt haben müsse, dass das Blut dabei bis zu einer etwa drei Meter entfernten Wand gespritzt sei. Danach hätten weitere Blutspuren darauf hingedeutet, dass mit dem 2,8 Kilogramm schweren Feuerlöscher weitere Schläge auf die Frau abgegeben worden seien, berichtete der Gutachter.

Der Mordprozess wird erst am 16. Oktober am Kölner Landgericht mit einem psychologischen Gutachten und womöglich auch schon mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortgesetzt.

Das Urteil wird aber möglicherweise erst am 27. Oktober verkündet.

(sg)