Modellbahn: Modulanlagen-Schau fasziniert Besucher in Leichlingen

Modellbahnausstellung im Pfarrheim : Das Kind im Manne liebt die Schiene

Diese Modellbahnanlage verzauberten Besucher und Aussteller zugleich. Die Modulisten bauten sie in Leichlingen auf.

Wolfgang Hückel und seine Freunde haben sich das Kind im Mann bis ins hohe Alter bewahrt. Die Männer, die sich in einem Stammtisch organisiert haben, spielen – sie spielen mit der Eisenbahn. Ihre Modellbahn, die aus verschiedenen Streckenabschnitten zusammengesteckt wird, misst bis zu 45 Meter Schienennetz. Am Wochenende bewunderten das viele Besucher im Pfarrsaal von St. Johannes Baptist und St. Heinrich in Leichlingen.

Wer meinte, die Strecke werde in kurzer Zeit einfach auf- und wieder abgebaut und zwischendurch fahren ein paar der Modellzüge, der sah sich getäuscht. Hinter dem Aufbau und dem Spieltrieb der Männer steckt System – ganz wie bei der Bahn im realen Leben. „Wenn der Publikumsverkehr heute Abend weg ist, fahren wir nach Fahrplan“, berichtete Hückel. Dabei deutete er auf eine kleine Uhr, die an der Strecke hängt.

Mit anderen Worten: Die Bahnen sind nicht etwa durch einen Computer bis ins kleinste Detail gesteuert. Denn das machen die Eisenbahnliebhaber schon noch selbst. Am Platz des 69-jährigen Wolfgang Hückel herrschte daher rege Betriebsamkeit. Er ist für einige Stunden für einen von ihm erbauten und modellierten Bahnhof zuständig. Über Funk haben andere Spieler Kontakt zu ihm, wollen somit wissen, ob ihr Zug einfahren könne – oder eben nicht. „So ist das bei der Bahn ja schließlich auch“, merkte Hückel an.

17 Leute zählt ihr Stammtisch heute. Dort wurde die Idee geboren, ein gemeinsames Schienennetz zu erstellen. Neun Aktive modellieren und gestalten die Streckenabschnitte, die dann ineinandergesteckt werden können. So ergibt sich während des Aufbaus ein immer anderes Bild. „Es gab, glaube ich, keine Strecke zwei Mal“, betonte Hückel. Für die Herstellung der Landschaften verwenden die Männer Gips oder eine Spachtelmasse. An manchen Stellen konnten die unfertigen Arbeiten noch bewundert werden. Für einen dieser Abschnitte, sagt Hückel, würden gut vier Monate gebraucht – wenn man jeden Tag daran arbeite. Mit seinem Rauschebart und der rot-schwarzen Schaffnermütze erweckt der 65-Jährige durchaus den Einruck auch abseits des Spielspaßes bei der Bahn zu arbeiten. Den Traum, den er als kleiner Junge einmal hatte, wurde allerdings nie Realität. Und heute ist sich Hückel gar nicht mehr sich, ob der Beruf tatsächlich ein solch toller Traum sei. „Das schlaucht“, berichtet er von einer kurzen Erfahrung im Harz.
 Dann bleiben die Männer doch lieber an Schaltern und Knöpfen im kleinen Format. Von denen sind eine Menge an der Strecke angebracht – und sie alle haben eine Funktion. So wundert es nicht, dass den Männern mit der ungewöhnlichen Leidenschaft kein Stück langweilig wird, wenn sie sich über Stunden das Kind im Manne bewahren.