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Kandidatenporträt Wolfgang Bosbach/CDU: Mit fünf Frauen und einer Katze in einem Haus

Kandidatenporträt Wolfgang Bosbach/CDU : Mit fünf Frauen und einer Katze in einem Haus

Noch vor dem Hausherrn begrüßt die Hauskatze die Besucher im Hause Bosbach. Amy schnurrt, schmiegt sich an die Beine. "Vorsicht, die ist nicht so lieb wie sie aussieht", sagt der Hausherr, der hier bis zum Wegzug der Töchter mit mehr als fünf Frauen unter einem Dach lebte: "Meine Frau, drei Töchter, die Schwiegermutter. Die Pferde meiner Frau sind Stuten und die Katze ist auch weiblich."

Der Besuch muss zunächst alleine im Wohnzimmer Platz nehmen, denn Wolfgang Bosbach, Spitzname "WoBo", steht noch ein Live-Interview mit einem Radiosender bevor. Thema: die NSA-Affäre. Während es aus seinem Kellerbüro energisch nach oben schallt ("Rot-Grün versucht seit Wochen einen Skandal zu Lasten der Bundesregierung zu konstruieren!"), bleibt Zeit, sich umzuschauen.

Helle schwere Ledersessel, ein großer Esstisch, eine schlichte Schrankwand. Darin: Bilder vom Kölner Dom und den drei Töchtern, Bücher über Politik (Helmut Kohl: "Erinnerungen) und den Kölner Karneval ("Fastelovends Tagebuch". Was Wolfgang Bosbach im Leben wichtig ist, lässt sich schon erahnen. Politik und Karneval. Wie bekommt man das als Bundestagsabgeordneter eigentlich unter einen Hut, Herr Bosbach? "Im Karneval hält mich selbst die Politik nicht auf. Es kam schon vor, dass ich bis ein oder zwei Uhr morgens hier in Bergisch Gladbach gefeiert habe und um sieben Uhr wieder im Zug nach Berlin saß", erzählt Bosbach und lacht.

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Als "echte Bergische Jung" wuchs der heute 61-Jährige in Bergisch Gladbach auf und hat seine Heimat nie für längere Zeit verlassen. Noch heute findet er: "Der Heimflug ist immer der schönste Flug." Beruflich trat er zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und absolvierte eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann, leitete später zwei Supermärkte. Doch er wollte sich weiterbilden, holte das Abitur nach und studierte Jura an der Uni Köln. Seit 1991 arbeitet er in der Kanzlei Winter, Jansen und Lamsfuß in Bergisch Gladbach als Anwalt.

Schon als 20-Jähriger trat Bosbach in die CDU ein, erlebte als Mitarbeiter des lokalen Wahlbüros einen aufgeheizten Wahlkampf 1972 zwischen Barzel und Brandt. "Wir haben die Wahlplakate geklebt und mussten dann die ganze Nacht Patrouille fahren, damit sie keiner wieder abriss", erzählt Bosbach. Über den im Vergleich doch eher langweiligen Schlagabtausch zwischen den Lagern Steinbrück und Merkel heute, sei er froh. "Der lautstarke und polarisierende Politiker-Typus ist heute nicht mehr so gefragt", ist er sich sicher. Das erkläre auch den Erfolg von Bundeskanzlerin Merkel. "Sie ist zu 100 Prozent geerdet, fleißig und blitzschnell im Kopf", sagt Bosbach, der sie gut kennt.

Zum sechsten Mal tritt der Vorsitzende des Innenausschusses in diesem Jahr als Bundestagskandidat an. Und das, obwohl er an unheilbarem Prostatakrebs leidet. "Ich habe zurzeit keine Schmerzen, die mich behindern. Und außerdem: Was hätte es denn geändert, nicht zu kandidieren? Davon wäre die Krankheit auch nicht verschwunden", sagt Bosbach. Dass er so offen über seine Situation spricht, sei die reine Flucht nach vorn. "Es ließe sich ja gar nicht verheimlichen. Die Leute sehen mich im Wartezimmer. Und zum Onkologen geht man eben nicht, wenn man nur Halsschmerzen hat."

"Machen Sie das, was Sie tun wollen", hätte ihm der Arzt geraten. Und das tut er nun auch: Gerade erst hat er sich mit Simon Rolfes, Mannschaftskapitän von Bayer Leverkusen, zum Tennisspielen verabredet, zu jedem Heimspiel feuert er den 1. FC Köln im Stadion an. Und er ist viel im Wahlkreis unterwegs.

(RP)