Migrationstag in Leichlingen kam bei den Besuchern gut an

Im Bürgerhaus Leichlingen : In Leichlingen gut aufgenommen

Beim Migrationstag lernen sich Flüchtlinge und ihre deutschen Nachbarn besser kennen. Afghanische Familie fühlt sich wohl in der neuen Heimat.

Fatima ist neun Jahre alt, geht in die dritte Klasse und, so erzählt sie stolz, hat sogar in zwei Fächern eine Eins auf dem Zeugnis bekommen. Fatima ist vor einigen Jahren aus ihrem Heimatland Afghanistan geflohen – mit Eltern, Geschwistern, Sack und Pack. Seit drei Jahren sind sie nun in Deutschland. Einem Land, in dem sich die Familie mittlerweile heimisch fühlt.

Dabei hilft den Neuankömmlingen die Offenheit vieler Deutscher, gerade ihrer Nachbarn. Wer auch könnte in den so offenen, kastanienbraunen Augen der kleinen Fatima etwas Böses sehen. Einige offene Gespräche führte die Familie auch am Sonntag beim Migrationstag in Leichlingen. Das Bürgerhaus diente dabei als Kulisse, die Räume waren nach kurzer Anlaufzeit gut gefüllt.

An den Tischen in einem der Räume vollzogen sich spannende Gespräche – jedes von ihnen quasi ein erstes Date, ein Kennenlernen. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, hatten die Teilnehmer ein großes Buffet zusammengestellt. Das reichte von Frikadellen und Käsekuchen über süße orientalische Backkunst bis hin zu gefüllten Teigtaschen.

„Wir sind überzeugt davon, hier etwas bewegen zu können“, betonte Paul Huppertz. Der 65-Jährige ist Mitglied des ökumenischen Arbeitskreises Migration. 20 bis 25 Ehrenamtler kümmern sich dabei um die Sorgen, Ängste und Nöte der Flüchtlinge. Doch ist auch Huppertz klar, dass jene Menschen, die sich am Sonntag im Bürgerhaus zum Kennenlernen trafen, Flüchtlingen ohnehin aufgeschlossen gegenüberstehen. Um auch mit Kritikern ins Gespräch zu kommen, ist der Arbeitskreis aber auch auf dem Stadtfest und anderen öffentlichen Feierlichkeiten vertreten. „Wir hatten auf dem Stadtfest eine Box aufgestellt, in die Kritik und Lob geworfen werden konnte“, berichtet der 65-Jährige. Neben viel Lob seien auf den eingeworfenen Zetteln allerdings auch Vorbehalte und haltlose Vorwürfe aufgeschrieben worden.

Solche negativen Erfahrungen musste die neun Jahre alte Fatima noch nicht machen. Sie habe viele deutsche Freunde, berichtete sie. Das sei ganz einfach gewesen: „Ich habe sie draußen spielen gesehen, bin einfach hingegangen und konnte mitspielen.“ Mutter Mariam und Vater Mehrash erzählen, sie hätten nicht geglaubt, dass viele Deutsche so entgegenkommend seien. „Am Anfang hatten wir Angst – bis unsere Nachbarn zu uns kamen. Sie waren sehr freundlich. Jetzt haben wir das nicht mehr, wir fühlen uns wohl.“

Nach den Sommerferien besucht Fatima bereits die vierte Klasse. Dass sie und ihre Geschwister überhaupt wieder zur Schule gehen können, freut die ganze Familie. Für Fatima ist alles toll. Ihre Freunde, die Schule, ihr Klassenlehrer.

Wie es sich anfühlt, fremd und neu in einem Land zu sein, weiß Mader aus dem Irak. Vor 30 Jahren war er als Tourist nach Deutschland gekommen – er blieb, studierte. Er habe damals Hilfe gebraucht und bekommen, berichtet er, „jetzt bin ich in der Lage zu helfen, jetzt will ich das auch tun.“

Im Verlauf des Tages spielten Menschen aus verschiedenen Kulturen miteinander, forderten sich in gemischten Teams bei Sport- und Geschicklichkeitsspielen heraus. Und lernten sich auf diese Weise am Sonntag im Bürgerhaus besser kennen.

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