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Leichlingen: Merkels Märchenwelt auf dem Blütensamstagszug

Leichlingen : Merkels Märchenwelt auf dem Blütensamstagszug

Das Trüppchen aus der Ortschaft Oberbüscherhof war bei der Wahl seiner Kostüme ganz pragmatisch vorgegangen – blaue Müllsäcke, eine alte gelbe Gardine und Pappe, viel mehr hatten die Jecken für ihre originelle Verkleidung nicht gebraucht.

Das Trüppchen aus der Ortschaft Oberbüscherhof war bei der Wahl seiner Kostüme ganz pragmatisch vorgegangen — blaue Müllsäcke, eine alte gelbe Gardine und Pappe, viel mehr hatten die Jecken für ihre originelle Verkleidung nicht gebraucht.

Drei Wochen habe man eifrig gebastelt und genäht, um die Kostüme, die sich an der Mode aus dem Filmklassiker "Vom Winde verweht" orientieren, rechtzeitig fertigzubekommen, erzählte Renate Eick-Kallert von der Nachbargemeinschaft.

"Wir haben pro Kostüm rund zehn Säcke verarbeitet", verriet die Anführerin der zwölfköpfigen Gruppe, die in dieser Besetzung das erste Mal am Blütensamstagszoch teilnahm. Im Januar hatte ein Teil des Gespanns die Damensitzung des Festkomitees Leichlinger Karneval besucht, "da haben wir Lust bekommen, heute mitzumachen", plauderte Eick-Kallert.

Auf die Funktionalität der Verkleidungen ist die 62-Jährige sichtlich stolz: "Sie sind nicht teuer, voll recyclingfähig — und vor allem wasserfest!" Vor allem letzterer Reiz ließ sich am Samstag voll ausspielen: Hatte vor Beginn des Zuges, der sich mit einigen Minuten Verspätung von der Landwehrstraße aus in Bewegung gesetzt hatte, noch strahlender Sonnenschein geherrscht, mussten sich die jecken Besucher zwischendurch mit Schneeschauern arrangieren.

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Sechs Fußgruppen, 15 Festwagen und acht Musikkapellen zogen unter dem Motto "Leichlingen, dat is jeil" durch die Blütenstadt und sorgten beim närrischen Volk für Frohsinn und Tüten voller Kamelle. An Ideenreichtum mangelte es den Gruppen nicht: Die Kinder und Eltern der Katholischen Grundschule Kirchstraße hatten sich unter der Überschrift "Fastelovend em Hätz" in lebendige Herzen verwandelt, die Karnevals-Freunde Förster-Sons-Straße in knallpinke orientalische Prinzessinnen. "Das Dreigestirn kommt in diesem Jahr aus unseren Reihen, da dachten wir, da passen nur Prinzessinnen zu", sagte Ursula Dembny, Gattin von Prinz Michael II.

Der Welt des Fastfoods hatten sich die Pasadena Porno Casanovas bei der Gestaltung ihres Festwagens gewidmet, die Mitglieder des Kegelclubs "Die Kugelrunden" zeigten sich als Königspudel. Verwegen ging es bei den Karnevalsgesellschaften Handballfründe und Herrenelferrat zu: Erstere präsentierte sich als Wikinger, Letztere als Freibeuter der Meere.

Die Basketballer des LTV Leichlingen, die im vergangenen Jahr in die zweite Regionalliga aufgestiegen waren, feierten als Piloten verkleidet ihren Höhenflug. Die Jusos Leichlingen brachten als einzige Truppe kritische Töne in den Zoch: Unter dem Motto "Merkels Märchenstunde — und wenn sie nicht abgewählt wurden, regieren sie noch heute" schossen die Jungsozialisten gegen die Regierung in Berlin. Angela Merkel wurde auf dem Bierbike der SPDler als Märchentante dargestellt - auf ihrer Schulter ein Kätzchen, das ein Lätzchen mit der Aufschrift FDP trug. "Die Partei taugt ja eh nur noch als Begleitfigur", kommentierte Tobias Rottwinkel, Vorsitzender der Jugendorganisation der Sozialdemokraten, deren Mitglieder sich allesamt als Märchenfiguren in Szene gesetzt hatten.

Das Schlusslicht des närrischen Lindwurms bildete wie immer das Dreigestirn — Prinz Michael II., Jungfrau Uschi I. (Andreas Wegner) und Bauer Dirk I. (Dohr) waren strenggenommen aber nicht die einzigen Tollitäten, die an diesem Nachmittag die Blütenstadt mit ihrer Anwesenheit beehrten: Mitarbeiter des Bauhofs, die sich den Namen Glasprinz bzw. Glaskönig gegeben hatten, fuhren mit ihren Wagen im Zoch mit und sammelten Flaschen und Gläser der Besucher ein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Blütensamstagszug zieht durch Leichlingen

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