Leichlingen: "Liebe auf den ersten Blick"

Leichlingen: "Liebe auf den ersten Blick"

Viele Leichlinger sprachen am Mittwoch bei der mobilen RP-Redaktion Im Brückerfeld offen über ihr Verhältnis zu "ihrer" Blütenstadt. Die Präsentation der RP-Sonderveröffentlichung "Stadtportrtät" nahmen sie zum Anlass, viel Lob aber auch ein wenig Tadel zu verteilen.

Als Rosemarie Wessels gestern Morgen die Rheinische Post aufschlug und das Titelfoto der Sonderbeilage "Stadtporträt Leichlingen" sah, war sie zu Tränen gerührt. "Als ich vor 35 Jahren nach Leichlingen kam, bot sich mir genau dieser Blick – von der Ortschaft Ziegwebersberg aus. Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt die 67-Jährige, die 30 Jahre lang Sport und Kunst an der Leichlinger Realschule unterrichtete. "Ich möchte hier nicht mehr weg", fügte sie hinzu. Auch Astrid Lassen kehrte im September vergangenen Jahres nach 30 Jahren dem Freistaat Bayern den Rücken, um wieder in ihre Heimatstadt zu ziehen. "Leichlingen ist einfach schön", sagt die 60-Jährige. "Wo sonst hat man schon den Luxus, die Natur direkt vor der Haustür zu haben? In Leichlingen gibt es alles, was ich zum Leben brauche."

Zwei von vielen Einschätzungen, die Besucher der mobilen RP-Redaktion gestern bei der Präsentation der neuen Sonderveröffentlichung "Stadtporträt Leichlingen" Im Brückerfeld äußerten. Es war ein reges Kommen und Gehen – und die meisten, die am RP-Stand Haltmachten, um sich ein Exemplar zu sichern, am Gewinnspiel teilzunehmen oder auch nur eine Tasse Kaffee zu trinken, sprachen gerne über ihre ganz persönliche Beziehung zur Blütenstadt. So wie die Eheleute Gisela und Helmut Lauft, die beide betonten: "Wir leben seit 40 Jahren hier und fühlen uns sehr wohl. Die Stadt ist so anheimelnd, vor allem die vielen schönen Bäume."

Drängen auf neuen Supermarkt

Doch auch in der Blütenstadt ist nicht alles in Ordnung. Michael Wester wohnt in der Außenortschaft Trompete. Den 66-Jährigen ärgert, dass es jenseits der Bahngleise derzeit keine Lebensmittelversorgung gibt. Zum Einkaufen muss der Rentner eineinhalb Kilometer in die Stadt fahren. "Ich verstehe nicht, warum die Beratungen über den Bau eines Supermarktes an der Trompete so lange dauern. Mit Aldi ging schließlich auch alles ganz schnell." Die Aussicht auf einen Edeka-Markt im Außenbereich, sie treibt die Anwohner um. Die Sorge, das Projekt könne am Ende scheitern, wurde mehrfach vorgetragen.

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Theo Hangert regt sich darüber auf, dass es zu viel Dreck in der Blütenstadt gibt. "Am Wallgraben wächst die Hecke über den Bürgersteig, auf den Spielplätzen brauchen wir größere Mülleimer", sagt der 75-jährige Rentner. Von den Plänen für eine Umweltzone in Leichlingen (wir berichteten) hält er dagegen gar nichts. "Bevor man sich um die Luft kümmert, sollte das Ordnungsamt erst mal dafür sorgen, dass die Stadt sauber ist."

Wie eng das Verhältnis vieler Leichlinger zu ihrer Stadt ist, das machte Peter Marseille gestern deutlich. Auswendig deklamierte der preisgekrönte Champignon-Züchter gestern ein Heimatgedicht, das er selber verfasst hat. Darin heißt es: "Reizend liegt im Bergischen Land, ein kleines Städtchen wohlbekannt, viel von Wald umschlossen. Drinnen treibt mit Fleiß und Kraft, Obstzucht man und Landwirtschaft, wenn zur schönen Frühlingszeit, alles prangt im Blütenkleid, herrlich in der Sonne. Schützet Gott mit guter Hand, Leichlingen im Bergischen Land."

Leichlinger haben bisweilen eben auch verborgene Talente.

(wird fortgesetzt)

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mobile Redaktion zum Leichlinger Stadtporträt

(RP/ila)
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