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Leverkusen: Auf schnellen Pfoten durch Opladen

Leverkusener trainieren Windhunde : Windhunde: Auf flinken Pfoten durch Opladen

Das Ehepaar Schröder hat nicht nur selbst sechs Vierbeiner, sondern berät auch Leute, die sich für Hunde aus dem Tierheim interessieren.

Waren im Jahr 2019 noch exakt 7771 Hunde bei der Stadt Leverkusen registriert, so sind seither 132 Tiere hinzugekommen. Insofern rechnet nicht nur Gerd Kortschlag, Leiter des Tierschutzzentrums Leverkusen, damit, dass bald nach Corona viele der treuen Gefährten wieder abgegeben werden. Auch Claudia Kunow-Schröder und Stefan Schröder sind dieser Auffassung. Die Eheleute aus Opladen sind engagierte Hundetrainer und übernehmen die Vorkontrolle für diverse Tierschutzvereine in der Umgebung. Das heißt, die 46-jährige Referentin der Oberfinanzdirektion und der 52-jährige verfahrenstechnische Laborant bei Bayer beraten Personen, die sich für Hunde aus dem Tierheim interessieren. Und sie schauen, ob Tiere und Menschen zusammenpassen.

Kunow-Schröder: „Viele Leute sind jetzt im Home-Office und kommen gut klar mit den Welpen, die sie sich besorgt haben. Aber irgendwann wird der Hund schwierig, weil er in die Pubertät kommt. Dann wird der kleine Liebling in der Regel wieder abgegeben und landet im Heim.“ Ehemann Stefan Schröder fügt hinzu: „Die Leute fühlen sich auch deshalb mit ihren Problemen allein gelassen, weil Hundeschulen wegen Corona geschlossen sind und Welpenkurse zurzeit nicht angeboten werden können.“

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Selbst kämen sie niemals auf die Idee, einen ihrer Hunde wieder abzugeben. Bald, nachdem sie die Tiere zum ersten Mal entdeckten, war es um sie geschehen. Inzwischen gehören gleich fünf Windhunde – auch Galgo Español genannt – zu ihnen. Die beiden Hündinnen und drei Rüden unterschiedlichen Alters haben sie aus Spanien mitgebracht. „In Spanien gelten Wind- nicht als Familienhunde, sondern als reine Nutztiere“, erklärt Schröder.

Aba, Finn, Mia, Faro und Tomtom stammen aus spanischen Tierheimen, wo sie keine guten Bedingungen hatten. „Diese Hunderasse wird in Spanien zu Massen gezüchtet und zur Hasenjagd benutzt“, erläutert die Beamtin. Zugleich dienen die Tiere auf der iberischen Halbinsel als Grundlage für Wetteinsätze: Gewinner ist der Hund, der den Spuren des Hasen exakt folgt. Alle anderen und alte Hunde werden einfach aussortiert. Nach Ende der Jagdsaison werden sie an Bäumen erhängt, in Brunnen geworfen oder mit gebrochenen Beinen in den Bergen ausgesetzt.

Um gegen die Massenentsorgung von jährlich ungefähr 50.000 Galgos und anderen Jagdhunden im Lieblings-Urlaubsland der Deutschen zu protestieren, ist Familie Schröder am Welt-Galgo-Tag Ende Januar auch beim 2016 initiierten „Galgo-Marsch“ durch Köln mit von der Partie. Ein Ziel der zunehmend populärer werdenden Aktion ist es, die Bevölkerung im hundefreundlichen Deutschland darüber aufzuklären, was fernab der Touristengebiete mit den sanften Tieren geschieht, sobald sie als „untauglich“ eingestuft werden. Im Vorjahr registrierten die Veranstalter alleine rund 600 Teilnehmer mit 1400 Vierbeinern.

„Tatsächlich haben die Hunde ein sehr nettes und ruhiges Wesen. Im Haus sind sie ganz entspannt, aber draußen lauffreudig und agil“, schwärmt Kunow-Schröder über die flinken Tiere mit den mandelförmigen Augen – die bei weitem nicht so viel Auslauf brauchen, wie viele Menschen denken. Einmal von der Leine gelassen sprinten sie allerdings pfeilschnell los, etwa, wenn sie ein jagbares Objekt wie einen Vogel entdecken.

Und dann gibt es da auch noch den fast 18 Jahre alten Rüden „Bobby“, der den tierischen Kameraden mit seinen kurzen Dackelbeinen kaum hinterherkommt. Weil der kleine Kerl außerdem schlecht sieht und hört, ist der Hund mit einem Sender ausgestattet, damit er bei den täglichen Spaziergängen nicht verloren geht.

Immer, wenn die Opladener Eheleute mit ihrem Rudel unterwegs sind, sorgen sie auf jeden Fall für großes Interesse und Neugier bei anderen Gassigängern. Entzücken und Bewunderung über die ungewohnte Erscheinung bei den einen, Unverständnis für die „dünnen Hunde” und Mitleid für den armen kleinen Dackel bei den anderen.