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Leiter des Diakoniewerks Pilgerheim Weltersbach, in dem erneut Covid-19 ausgebrochen ist: „Wir tun hier wirklich alles, was geht“

Zweiter Corona-Ausbruch : Leiter des Diakoniewerks Pilgerheim Weltersbach: „Wir tun hier wirklich alles, was geht“

In der Einrichtung in Leichlingen sind erneut Bewohner und Pfleger positiv auf Covid-19 getestet worden. Wie konnte es dazu kommen?

Die Worte für das, was er derzeit erlebt, fehlen Joachim Noß nicht. Aber die Gründe, wie es soweit kommen konnte, die schon.

Regelrecht „gruselig“ gehe es derzeit an seinem Arbeitsplatz, dem Diakoniewerk Pilgerheim Weltersbach, zu. Gerade erst fielen die Corona-Testergebnisse von 26 Personen im Haus „Tiberias“ positiv aus, „und das kann ich einfach nicht verstehen“, sagt Noß, der die Einrichtung leitet. „Wir tun hier wirklich alles, was geht, um so sicher wie möglich zu arbeiten.“ Das gesamte Personal halte sich seit Wochen an alle nur denkbaren Richtlinien des Kreisgesundheitsamtes und des Robert-Koch-Instituts; auch kämen die als besonders sicher beschriebenen FFP2-Masken zum Einsatz.

Trotzdem hat sich eine Ansteckung im zweiten von sechs Wohnhäusern, in dem 80 Menschen leben und circa 80 arbeiten, nicht verhindern lassen. Zuvor waren schon Bewohner in Haus „Siloah“ betroffen; aktuelle Tests ergeben, dass dort weiterhin 19 Menschen an Covid-19 leiden. „Es ist einfach erschreckend, wie sich das Virus trotz all der Schutzmaßnahmen verbreitet.“

Seit 30. November steht nun auch Haus „Tiberias“ unter Quarantäne. Angehörige müssen bis mindestens 11. Dezember auf den Besuch von Eltern und Großeltern verzichten, schließlich seien die meisten von ihnen bereits 80 Jahre und älter, womit sie zur Risikogruppe für eine Ansteckung mit dem Virus zählen. „Das allein ist schon belastend“, erzählt Noß, und doch sei dies nicht der einzige Grund, weswegen er und sein Team derzeit unter Stress stünden, der auch die Psyche angreife. „Wir müssen trotz Covid-19-Ausbruch selbstverständlich weiterhin dafür sorgen, dass wir unsere Bewohner versorgen.“

Bloß: Wenn ein Teil der Belegschaft bereits an Covid-19 leidet, bedeute das nicht, dass alle anderen Mitarbeiter einspringen könnten. Schließlich falle auch hier und da mal ein Pfleger wegen einer anderen Erkrankung aus, und sei es „nur“ aufgrund einer starken Erkältung. „Wir müssen zusehen, dass wir zusätzliches Personal bekommen“, sagt Noß. Er stehe dazu in Kontakt mit dem Kreis, dessen Mitarbeiter sich mit der Bundeswehr und der AOK verständigen.

Doch die Suche gestalte sich schwierig, schließlich wolle nicht jeder in einer Einrichtung arbeiten, in der nachweislich Corona „herumschwirre“. Zum Glück zeigten die Angehörigen der Bewohner Verständnis, und auch das Team gebe sein Bestes. Und so hofften alle, dass die wöchentlichen Tests der Mitarbeiter negativ ausfielen. Denn Covid-19 sei eine echte Bedrohung, betont Noß. „Deswegen regen mich auch die Gegner bei Demos auf. Die können gern mal zu uns kommen“, sagt er. „Dann zeige ich ihnen, was hier los ist.“