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Leiter Andreas Genscnhel verlässt Leichlinger Musikschule

Leiter Andreas Genschel verlässt Leichlinger Musikschule : Der Musik-Ermöglicher geht in Rente

Nach 32 Jahren an der Leichlinger Musikschule geht Leiter Andreas Genschel. Nicht ohne Bauchweh um seine Nachfolge und die Struktur der Einrichtung.

Gerade hat Andreas Genschel begonnen, über das Schlüsselerlebnis zu seiner Berufswahl zu berichten, da klopft eine aufgeregte Kollegin an die Tür des Musikschulleiters. Alle Kinder sind schon da, also auf dem Bildschirm, pünktlich zur virtuellen Stunde musikalischer Früherziehung. Doch beim Lehrercomputer ist plötzlich der Ton ausgefallen. Jetzt ist schnelle Hilfe angesagt, bevor die Winzlinge vor den Bildschirmen unruhig werden und das Interesse verlieren. Ende des Monats geht Andreas Genschel in den Ruhestand, zwölf Monate vor dem Erreichen der gesetzlichen Frist.

Als er den Bürgermeister vor einem Jahr von seinem Entschluss informierte, um so einen möglichst reibungslosen Übergang zu ermöglichen, ahnte er noch nicht, was in seinem letzten Berufsjahr auf ihn zukommen sollte. Begonnen mit dem Lockdown Mitte März 2020. Er war jedoch überrascht, wie schnell die Instrumentallehrer alternative Unterrichtsformen über Handy und digitale Plattformen gefunden hätten. Da habe natürlich auch der finanzielle Druck eine Rolle gespielt. Denn die gut 40 Kollegen sind nur auf Honorarbasis angestellt, das heißt mit niedrigem Stundensatz, ohne Bezahlung in den Ferien und bei Krankheit, ohne Kranken- und Rentenversicherung. Kein Unterricht, kein Geld. Nach Monaten des Präsenzunterrichts lehren die meisten seit Mitte Dezember von zu Hause. Nur wenige sitzen im Bürgerhaus vor dem Bildschirm. Etwa Trompeter, die den Nachbarn ihrer Mietwohnung nicht die stundenlange Beschallung zumuten wollen, oder eben die Leiterinnen von Gruppenangeboten für die Jüngsten, die hier das vorhandene Instrumentarium nutzen.

Wenn die Technik hakt, ist der hilfsbereite Schulleiter ebenso ansprechbar wie bei vielen anderen persönlichen Anliegen seiner Musiklehrer. Die zu pflegen war ihm immer wichtig, schon um sie zu halten und damit Angebot und Niveau der städtischen Musikschule. Qualifiziertes Personal zu bekommen werde immer schwieriger, versichert Genschel. Hochschulabgänger bevorzugten die attraktiveren Festanstellungen in Schulen, wo die Türen für Quereinsteiger weit offen stehen. Sein Bonus ist ein gutes Betriebsklima, neben einer motivierten Klientel in der Bildungsbürger-Stadt Leichlingen.

Das war Andreas Genschel immer wichtig von dem Moment an, als er beschloss statt eine künstlerischen Karriere als Schlagzeuger anzustreben lieber Musikpädagoge und Leiter einer Musikschule zu werden. „Ich hätte mir keinen besseren Beruf vorstellen können“, ist sein Fazit. Zudem sei er nicht der Solo-Typ, der sich täglich für sechs Stunden zum Üben im Keller einschließe. Genschel sagt, er wollte immer „ein Ermöglicher“ sein, einer der Brücken baut und Menschen zusammenbringt  – mit und über Musik. Mit Blick auf viele Projekte und Aktionen der vergangenen Jahre ist ihm das sicher gelungen. Man denke an die öffentliche Präsenz bei der Kunst und Klangmeile, große Aufführungsprojekte wie „Orpheus und Eurydike“ oder Orchester-Begegnungen mit der Partnerstadt Henley. Und as Bemühen, Musikschule in die Breite zu bringen und so Kinder aus bildungsferneren Familien zu erreichen. Sei es mit Angeboten für alle in den Grundschulen Büscherhof und Witzhelden oder dem großen (vom Land geförderten) Projekt mit der Hauptschule, bei dem alle viel gelernt hätten, auch die Lehrer. „Ich habe das super gerne gemacht“, versichert Genschel, der sich über viel positives Feedback freuen kann.

Ab 1. Februar wird Andreas Genschel zu Hause putzen und kochen, das hat er seiner Frau versprochen, die erst im Sommer als Schulleiterin in den Ruhestand geht. Im September werde hoffentlich das bestellte Wohnmobil geliefert. Dann geht es auf große Reise durch Deutschland. „Wenn uns das zu langweilig wird, fahren wir zum Nordkap.“