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Leichlingerin will Gaspipeline am Rothenberg verhindern

Bau einer Hochdruck-Leitung : Leichlingerin will Gas-Pipeline verhindern

Im Frühjahr soll der Bau einer Hochdruck-Gaspipeline auf Leichlinger Grund nahe der Wohnbebauung am Rothenberg beginnen. Wurden bei der Genehmigung Abstandsregeln und Naturschutz ausreichend berücksichtigt?

„Es ist ein Skandal! Ich glaube, die Leute wissen gar nicht, was da auf sie zukommt!“ Anwohnerin Stefanie Hanka, die seit vielen Jahren gegen den Bau einer Hochdruck-Gaspipeline nahe den Häusern am Rothenberg kämpft, befürchtet, dass die Bauarbeiten bald losgehen, die Anwohner aber nicht informiert sind. Auf Leverkusener Grund laufen bereits Vermessungen.

Seit mehr als 20 Jahren plant das Unternehmen Open Grid Europe (OGE) die unterirdische Ferngasleitung mit 70 bar Überdruck durch Leverkusen und Leichlingen bis nach Bergisch Gladbach. Ende 2022 soll sie in Betrieb gehen. Obwohl die Bezirksregierung Köln 2013 den Planfeststellungsbeschluss gefasst hat, Klagen vor Gericht gescheitert sind und der Bau genehmigt ist, will Hanka die Pipeline noch verhindern. „Ich sehe hier vor allem ein Versagen der Stadt Leichlingen“, beklagt die Anwohnerin. Denn: Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung empfiehlt bereits 2009 in einer Studie, einen Sicherheitsabstand von mindestens 350 Metern rechts und links der Pipeline einzuhalten. Die Stadt aber habe noch während des Planfeststellungsverfahrens den Bau neuer Wohnhäuser nahe der Trasse erlaubt. „Die können in dem Verfahren gar nicht berücksichtigt worden sein, wir brauchen eine neue Planfeststellung auf Basis der tatsächlichen Situation“, fordert Hanka.

Die Pipeline müsse wegen der Veränderung und fehlender Sicherheit verlegt werden. Dem widerspricht die Stadt: „Bereits vor der Planaufstellung waren die angrenzenden Bebauungspläne Nr. A14/1 „Balken“ (1974) und Nr. 69 „Rotenberg“ rechtskräftig.“ Die vorgesehene Bebauung sei bei der Planung der Trassenführung im Rahmen des Verfahrens berücksichtigt worden. Die Baugenehmigungen stellten daher keine Änderung der Plangrundlage dar und eine entsprechende Umsetzung der Pipeline nicht in Frage.

Ein Sprecher von Open Grid Europe stellte seinerseits klar: „Für Erdgasfernleitungen ist ein oberirdischer Schutzstreifen von insgesamt zehn Metern vorgesehen. […] Über den Schutzstreifen hinaus sind keine weiteren Abstandsregelungen zu berücksichtigen. Die planfestgestellte Trasse und der Schutzstreifen werden durch die Neubauten nicht beeinträchtigt.“Hanka verweist bei ihren Bedenken außerdem auf Statistiken, nach denen Unfälle mit dieser Art von Gasleitungen vor allem an Güterzugstrecken passieren – ähnlich der zwischen Rothenberg und Opladen als eine der meistbefahrenen Güterzugstrecken Europas. „Für die Unterquerung der Eisenbahnlinie ist der Einsatz des Microtunneling-Verfahrens vorgesehen, das eine geschlossene Querung ermöglicht“, erläutert OGE. Dabei handele es sich aus technischer Perspektive „um das angemessenste Verfahren in diesem Bereich“, eine Baugrunduntersuchung sei vorgenommen worden.

Ob besondere Schutzmaßnahmen geplant seien, weil der Bereich um die Schranke immer wieder absacke, sagte OGE allerdings nicht. Neben dem Sicherheitsrisiko für die Menschen kritisiert Stefanie Hanka, dass aus ihrer Sicht der Naturschutz bei dem Projekt nicht berücksichtigt worden sei. Die Trasse führe durch das Natur- und Wasserschutzgebiet an der Wupper, weder Naturschutzbund noch Landschaftsschutzbehörden hätten etwas dagegen unternommen.

Ob sie am Verfahren beteiligt wurden, kann auch OGE nicht sicher sagen: „Bei uns hat in der Zeit das Personal gewechselt, es gibt dazu noch keine digitalen Akten. Wenn die Genehmigung erteilt wurde, gehe ich aber davon aus, dass Erörterungstermine mit den Naturschutzbehörden stattgefunden haben“, sagte der Sprecher.