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Leichlingerin schreibt Kinderbuch „Xaver der Pirat“: Matheformeln mit „Magie“ lösen

Statt anstrengendem Pauken : Leichlingerin schreibt Kinderbuch „Xaver der Pirat“: Matheformeln mit „Magie“ lösen

Als Schulpädagogin stellt Tanja Baader jeden Tag fest, wie schwer Kindern das Lernen fallen kann. Mit ihrem ersten Buch will sie ihnen genau dabei helfen. Es zeigt Übungen auf, die zu mehr Konzentrationen führen sollen.

Wenn so wirklich gar nichts klappen will, einfach alles schiefläuft, dann braucht es manchmal nicht mehr als eine Hand und eine Stirn. Was tun? Die Innenfläche auf die obere Gesichtspartie legen, wie beim „Fiebermessen“, und schon wird’s besser. „Die Berührung regt nämlich die Durchblutung im Gehirn an“, sagt Tanja Baader. Auf einmal können die seltsamen Matheformeln Sinn ergeben. Oder die Schreibblockade löst sich, gerade so, als ob Magie im Spiel sei. Genau darum geht es in Baaders erstem Kinderbuch.

„Xaver der Pirat“ klingt zunächst nach einer Geschichte rund um wilde Abenteuer auf hoher See. Tatsächlich aber handelt die Erzählung von einem Jungen, der in einer Schatzkiste „magische Anweisungen“ erhält, wie er seine Lese- und Rechtschreibschwäche lindern kann – und das ganz ohne stundenlanges Pauken. Sondern vielmehr mit gezielten Bewegungen von beispielsweise Armen und Beinen.

Tanja Baader arbeitet als päda­­gogische Leiterin an der Offenen Ganztagsschule Gezelin in Leverkusen-Schlebusch und hält nebenbei Vorträge zu Kinesiologie, einem alternativmedizinischen und parawissenschaftlichen Diagnose- und Behandlungskonzept. Dieses sieht vor, Lern- oder Konzentrationsschwierigkeiten mit Körperübungen anzugehen. Physische Bewegungen führen zu psychischen, sozusagen. „Wir kamen durch unseren ersten Sohn auf die Idee, nach einer Alternative zum strengen und manchmal sehr leidvollen Büffeln zu suchen“, erzählt die 46-Jährige, die mit ihrer Familie in Leichlingen lebt.

Ihr heute 22 Jahre altes Kind habe in der Grundschule große Probleme beim Lesen und Schreiben erfahren. „Natürlich waren mein Mann und ich deswegen besorgt“, sagt Baader. „Wir haben uns damals gefragt, was aus unserem Sohn werden soll.“ Irgendwann resignierte ihr Kind, wollte einfach nicht mehr lernen wie bisher. „Das war dann tatsächlich ein Schlüsselmoment für mich“, gesteht Baader – und ihr Schritt in die Kinesiologie.

Die simplen Bewegungsabläufe sollen zu mehr Achtsamkeit führen, und damit auch die Jüngsten verstehen, was es eben dafür zu tun gibt, untermalen Illustrationen das von Baader Beschriebene. „Am Ende geht es darum, dass sich der Knoten im Kopf löst.“ Und das übrigens nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen, die das Buch vor- oder selbst lesen. Denn unter großem Stress stünden auch sie, „und nun, in der Corona-Zeit, gefühlt noch einmal mehr“, betont Baader. Schließlich säßen viele Deutsche, ob jung oder alt, fast den ganzen Tag vorm Computer, entweder, um Vokabeln oder das Einmaleins zu lernen oder um E-Mails zu schreiben oder sonstige im Homeoffice anfallende Aufgaben abzuarbeiten.  „Wir müssen immer präsent sein, was zu einem enormen Druck führt.“

Die Methoden der Kinesiologie könnten Abhilfe schaffen und würden auch schon in Schulen angewandt. Eine Bekannte habe Baaders Buch mit ihren Schülern besprochen. Stress beim Schreiben habe sie übrigens nicht gehabt, im Gegenteil, „der Prozess ist mir total leicht gefallen“. Vielleicht, weil der Gedanken, unter die Schriftsteller zu gehen, Baader schon lange begleitet. „Schon als Kind wusste ich, dass ich einmal ein Buch schreiben möchte.“ Nun kann sie sich nicht „nur“ als zahnmedizinische Fachangestellte und Gesundheits- und Ernährungsberaterin bezeichnen – sondern auch als Autorin. „Ich lebe nach dem Motto: ‚Mach das Unmögliche möglich!“, sagt Baader. Und der erste Schritt dahin führt manchmal über eine ganz simple Bewegung.