Leichlinger Kulturarbeiterin Karne Herbig-Matthiesen geht in Ruhestand

Karne Herbig-Matthiesen : Die Kulturarbeiterin geht in Rente

Karne Herbig-Matthiesen hatte am Mittwoch ihren letzten Arbeitstag. 20 Jahre war sie für die Stadtverwaltung aktiv.

Die Uno ist schuld. Denn hätten 1992 nicht rund 180 Mitgliedsstaaten der Uno das globale Handlungsprogramm Agenda 21 unterschrieben, und hätte sich daraus nicht die auf kommunaler Ebene angesiedelte Lokale Agenda 21 entwickelt, wer weiß, ob Karne Herbig-Matthiesen überhaupt bei der Stadt Leichlingen gelandet wäre. Denn ursprünglich ist sie von Beruf Lehrerin. Aber die Uno-Mitglieder schickten die Agenda 21 auf die Reise, und so ergab sich auch die Lokale Agenda und mit ihr das in den 90er Jahren gegründete Büro Lokale Agenda 21, „das der damaligen Abteilung Umwelt- und Abfallwirtschaft zugeordnet war“, berichtet die Stadt. Da hat Karne Herbig-Matthiesen angefangen.

20 Jahre später hat sie an einem regnerischen Dezember-Mittwoch ihren letzten Arbeitstag bei der Stadtverwaltung Leichlingen. Offiziell geht die 63-Jährige Ende des Jahres in den Ruhestand. Davor müssen noch Urlaubstage und Überstunden „abgefeiert“ werden.

Ganz weg ist sie aus dem Leichlinger Stadtbild mit Eintritt in den Ruhestand sicher nicht, dafür ist Herbig-Matthiesen zu umtriebig im positivsten Sinne. Mit weiteren Engagierten initiierte sie diverse Arbeitskreise. Da entstand die Idee, einen Bürgerbus für Leichlingen auf die Beine zu stellen und einen entsprechenden Verein dazu. Karne Herbig-Matthiesen saß ihm viele Jahre vor und hinterm Lenkrad des Bürgerbusses. Bei der Stadt hat sie etwa den Umweltmarkt zu einer Energiemesse umfunktioniert, war die Frau für Umweltfragen. Die vergangenen 15 Jahre war sie organisatorisch dem Büro Bürgermeister zugeordnet, kümmerte sich um den Obstmarkt und dessen Neuorganisation, versprach in manchem Jahr, der Markt werde ein Hammer, und so wurde es dann auch. Teils wörtlich. 2004 etwa, als ein nachgebauter Kupferhammer der große Hingucker der Ausstellung war.

Amtsleiterin Ute Gerhards fasst das berufliche Leben von Herbig-Matthiesen so zusammen: „Pionierarbeit leisten, beharrlich am Ball bleiben und einfach mal machen – mit Karne konnte man solche für die Verwaltung ungewöhnlichen Schritte gehen. Und das hat auch eine Menge Spaß bereitet.“ Flexibilität hätte Gerhards auch hinzufügen können: Denn von 2013 bis 2016 war Herbig-Matthiesen Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, danach für die Kulturarbeit zuständig. Kulturcafé, Sommerserenaden, Kindertheater, Ausstellungen, Museums- und Kulturfahrten: Die Kulturarbeiterin sorgte für abwechslungsreiches Programm und schaute für kulturelle Ausflugsfahrten über den Tellerrand hinaus. Im Herbst hat sie sich zum letzten Mal um die jurierte Jahresausstellung gekümmert.

Die und die gesamte Kulturarbeit legt die 63-Jährige jetzt in die Hände von Rebecca Hermann. Eingearbeitet hat sie sie quasi schon, denn seit März vergangenen Jahres ist die 31-Jährige im Büro Bürgermeister tätig. Hermann betreute bisher unter anderem die Webseite der Stadt und den Facebook-Auftritt. Bei Karne Herbig-Matthiesen schaute sie ebenfalls in Sachen Kulturarbeit über die Schulter. Und Rebecca Hermann scheint eine ebenso umtriebig-emsige Kulturarbeiterin zu sein. Unter anderem will sie neue Kulturformate in der Stadt anbieten, ohne Altbewährtes wie die Sommerserenaden oder das Kulturcafé zu vernachlässigen.