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Leichlinger hat nach Weltreise zu Hause Kaffeerösterei eingerichtet

Thomas Raubach aus Leichlingen-Witzhelden : Von einem der in die Welt auszog – und heimkehrte

Viele Jahre reiste Thomas Raubach durch die Welt, hat von Australien über Asien bis Südamerika etliche Länder gesehen und sein berufliches wie privates Glück gefunden. Trotzdem kam der 39-Jährige wieder nach Hause.

Wie viel Zeit wir verschwenden, uns Gedanken darüber zu machen, was alles nicht klappen könnte. Thomas Raubach will sich keinesfalls mehr mit Grübeln aufhalten, im Gegenteil: Er begrüßt es, mitunter vor der vermeintlich richtigen Spur abzukommen. „Ganz ehrlich: Die besten Momente waren die, wenn etwas außer Plan lief.“ Wobei das im Fall des Witzheldeners nicht bedeutet, dass etwa sein Auto einen Platten hatte. Oder dass er eine Verabredung verpasst hätte.

Raubach bleib vielmehr mitten im Nirgendwo des Hinterlands von Laos mit dem Motorrad liegen. Oder musste sich wegen drohender Erschöpfung an einen Baumstamm klammern, als er von einer Insel des südostasiatischen Landes zur nächsten, viel zu weit weg gelegenen schwamm. Und in den kanadischen Wäldern streifte schon mal ein Bär durchs selbe Gebiet.

All diese Augenblicke sind es jedoch, die heute seine Erinnerung an eine der besten Phasen seines Lebens ausmachen. Im Januar ist es zehn Jahre her, dass der damals als Informatiker arbeitende Witzheldener beschließt, über den Rheinisch-Bergischen Kreis hinauszugucken. Und zwar so richtig. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Australien, Südostasien, Nordamerika, Südamerika – es hätte nicht mehr viel gefehlt und Raubach wäre einem verwunderten Königspinguin in der Antarktis über den Weg gelaufen. „Tatsächlich habe ich eine Liste mit Ländern geführt, die ich unbedingt besuchen wollte“, sagt er.

Nicht selten führte ihn aber weniger eine strenge Reiseplanung als vielmehr der Zufall von einem zum nächsten exotischen Ort. „Einmal lernte ich zum Beispiel zwei in Kanada lebende Asiaten kennen, die mich zu sich nach Hause einluden“, erzählt Raubach mit solcher Begeisterung, als sei es gestern gewesen – und als zehre er noch immer von diesen Begegnungen. „Natürlich bin ich dann auch gleich hin“, sagt er und lacht. Zum Glück, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte.

Thomas Raubach zu Hause. Er zeigt in seiner Kaffeerösterei in Witzhelden die verschiedenen Röstgrade. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Denn durch seinen neuen Bekannten lernt er seine spätere Frau Yoko kennen, mit der er heute in Witzhelden lebt. Dass sich die beiden in der für sie „schönsten Stadt der Welt“, nämlich Vancouver an der Westküste Kanadas, verliebten, Raubach aber irgendwann wieder nach Hause wollte, konnte ihrer Beziehung nichts anhaben. Nur: Warum ziehen zwei Menschen, die sich für Outdoorsport wie Snowboarden und Mountainbiken begeistern, wieder nach Deutschland? Warum eine Stadt wie Vancouver verlassen, die  als Lebensmittelpunkt wie ein Sechser im Lotto plus Zusatzzahl erscheint? „Ich habe irgendwann einfach immer stärker gemerkt, dass ich mir etwas aufbauen wollte“, erzählt Raubach. „Das geht aber schlecht, wenn man sein Gepäck jeden Tag an einem anderen Ort aus- und wieder einpackt. Sogar das Suchen der Zahnbürste in den Tiefen der Tasche hat mich irgendwann nur noch genervt.“ Raubach lacht wieder. Natürlich seien die kleinen und großen Strapazen kein echtes Problem gewesen. Aber die Sehnsucht nach Zuhause, die blieb.

Schließlich leben in der Blütenstadt auch Thomas Raubachs Mutter und seine Schwester, die Sohn und Bruder vermissten. Auch viele Freunde seien über die Jahre in den Kreis zurückgekehrt. „So hat das Leben auf dem Land dann eben doch seine Pluspunkte: Ich kenne mich aus, ich kenne viele Leute hier, und das Mountainbiken klappt auch ziemlich gut.“

Neben der Begleitung seiner damaligen Freundin Yoko, die Raubach 2016 heiratet, sollte aber auch eine berufliche Veränderung den Wiedereinstieg in sein „normales“ Leben erleichtern. Schließlich war statt Strand- nun vor allem bergisches Schmuddelwetter angesagt. Und deutsche Hausmannskost statt frischem Fisch aus dem Pazifik. Wie es der Zufall wollte, und er meinte es oft gut mit Raubach, kam er in Kanada auf Kaffee. „Ich habe durch einen Freund einen Job in einer Kaffeerösterei bekommen. Das Riechen der frisch gemahlenen Bohnen, das Schmecken des Getränks, die ganze Welt des Kaffees war auf einmal extrem faszinierend für mich“, erinnert sich Raubach. Und zwar so sehr, dass er sich in den Epizentren des Kaffeeanbaus wiederfand.

„Überall, wo ich war, habe ich auf Kaffeefarmen gearbeitet oder mich mit dem Thema beschäftigt: in Panama, in Kolumbien, in Peru und Bolivien“, erzählt er. Den Plan, Bohnen und Pulver zu Hause in Witzhelden selbst zu verkaufen, habe er anfangs zwar nicht verfolgt. „Doch je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto eher dachte ich: Klar, damit kannst du etwas schaffen.“

Heute röstet und verkauft der 39-Jährige unter dem Namen „Green­leaf Coffee Roastery“ Kaffee von Farmen, die er auf seiner Reise zum Teil besucht hat. „Das ist schon ein ganz besonderes Gefühl, zu wissen, von welchem Bauern die Bohnen kommen“, sagt er. Seine Frau übernehme das Design der Packungen und die Bestellungen, er röstet und kümmert sich um den Vertrieb. Noch nebenberuflich, aber in Zukunft hoffentlich in Vollzeit.

Wobei immer ein wenig Raum für eine Auszeit bleiben müsse. „Vielleicht gehen wir irgendwann noch mal nach Vancouver“, sagt Raubach. Schließlich soll Tochter Mina, die vor einem Jahr geboren wurde, den Ort kennenlernen, an dem sich ihre Eltern trafen. Und an dem, wie an vielen Orten, die Raubach besucht hat, zum Glück einiges nicht nach Plan lief.