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Leichlingen: Leichlinger Geflügel-Leidenschaft

Leichlingen : Leichlinger Geflügel-Leidenschaft

Seit mehr als 40 Jahren züchtet Karsten Wieland Hühner, Gänse und Enten. Dem 55-Jährigen geht es um die Erhaltung seltener Rassen. Die Brut-Eier verkauft er in die ganze Welt.

Wenn Karsten Wieland von seiner Geflügelzucht spricht, dann sprüht er auch nach mehr als 40 Jahren vor Leidenschaft. Einige hundert Gänse, Enten und Hühner hält der Leichlinger auf dem Gelände am Further Weg — vor allem "erhaltungswerte Rassen". Denn Wieland züchtet nicht, um nachher möglichst viele Gänsebraten essen zu können — ihm geht es darum, Kulturgut zu erhalten. "Wir leben in einer regionalen Zone, Landwirtschaft gehört einfach dazu", sagt der 55-Jährige. "Die Rassen müssen erhalten bleiben. Wenn ich Leute an meinem Gelände vorbeispazieren sehe, die ein Huhn nicht von einem Hahn unterscheiden können und noch nie eine Ente gesehen haben, dann weiß ich, wofür ich das mache", betont er.

Auf den zwei Hektar großen Gelände tummeln sich auch rote Wyandotten, eine Hühnerrasse aus den USA und Wielands ganzer Stolz. "Die habe ich selbst gezüchtet", erzählt er. Und weil er das gut macht, ist das Interesse dementsprechend groß: "Ich verkaufe Brut-Eier in die ganze Welt."

Das Interesse "der jungen Leute" werde mehr, das merke er — aber nicht so viel mehr, als dass er sich nicht Sorgen um die Zukunft der Zucht machen müsse. "Meine Tochter ist Wissenschaftlerin, die hat mit anderen Dingen im Ausland zu tun", berichtet Karsten Wieland. "Die Arbeit verschlingt viel Zeit. Die Ställe müssen saubergemacht werden, das Gelände ebenso — und das ist erst der Anfang. Denn auch meine Tiere sollten das bleiben, was sie sind: ein Lebensmittel. Und damit meine ich sowohl das Ei als auch das geschlachtete Tier. Das gehört genauso zum Job wie brüten, füttern, pflegen."

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Seine Zwergenten etwa "schnabulieren den ganzen Tag, das würde auch kein Nachbar aushalten". Bevor die Tiere geschlachtet werden, reist Wieland mit ihnen auch zu Ausstellungen. So wie zur Rheinischen Landesverbandsschau in Köln. 112 Rassegeflügelzucht- und Ziergeflügelzuchtvereine gehören zum Verband, die insgesamt etwa 3000 Mitglieder, davon etwa 320 Jugendliche, betreuen. "Da sieht man schon: Auch wir haben Nachwuchssorgen", sagt der Leichlinger.

150 bis 200 Eier legt jedes seiner Tiere im Jahr. "Und wenn sie einmal ein Ei von meinen Hühnern gegessen haben, dann rühren sie die aus dem Supermarkt nicht mehr an", verspricht der 55-Jährige.

Einmal im Jahr kommt seine Lebensgefährtin, die in einem Kindergarten arbeitet, mit ihren Pänz vorbei. "Die schauen sich dann auch die Bruteier an, später gehe ich sie mit den geschlüpften Küken besuchen. Das ist eine Gaudi." Und so lernen auch die Kleinsten etwas über die Landwirtschaft, die in der Blütenstadt doch eigentlich so normal sein sollte.

(RP)