Leichlingen: Leichlinger Feuerwehr testet Technik für NRW

Leichlingen: Leichlinger Feuerwehr testet Technik für NRW

Die Wehrleute nehmen an einem Pilotprojekt zur Einsatzoptimierung teil.

Ab heute testet die Leichlinger Feuerwehr ein neues Einsatz-Zeitalter - und zwar mit Hilfe eines neuen Fahrzeuges, das nicht durch spektakuläre Technik, sondern weitgehend "unsichtbare" Optimierungen besticht. Die Leichlinger nehmen im Rahmen eines Pilotprojekts ein "Mittleres Löschfahrzeug" unter die Lupe, das nicht durch atemberaubende Funktionen beeindrucken, sondern im Einsatz zielgerichtet und beherrschbar helfen soll.

Das Testobjekt: Dieses Fahrzeug soll ausgewogen und für tägliche Einsatzszenarien geeignet sein. . . Foto: Kiesewalter

Die Problematik ist landauf, landab ähnlich: Feuerwehrleute müssen mit immer weniger Kollegen immer mehr Technik bedienen (können). Zuviel Technik überlastet jedoch die vorhandenen Kräfte gerade der ehrenamtlichen Einheiten. Denn:

• Es wird immer komplexere und auch quantitativ mehr Technik beschafft, jedoch nicht bedacht, dass sie nicht das Fehlen von Personal oder sinnvoller Taktik kompensiert.

• Durch neue Baustoffe, beispielsweise in Niedrigenergiehäusern, haben sich auch die Gefahren der Brandbekämpfung verändert. Hierzu zählt insbesondere die rasant gestiegene Gefahr der Explosion von Rauchgasen.

Genau dort setzt das Pilotprojekt "Fahrzeugtechnik" an, das vom NRW-Innenministerium und dem Feuerwehr-Landesverband getragen wird. Ziel ist es, eine "motivierende Technik" zur Verfügung zu stellen, denn, so wertet es ein Sprecher des Ministeriums: "Die Feuerwehr muss in der Fläche erhalten bleiben." Und das gehe nun mal nicht, indem man sie überfordere. An die Technik des neuen Fahrzeuges werden daher diverse Anforderungen gestellt:

• Sie muss ausgewogen und für tägliche Einsatzszenarien geeignet sein. . .

• die meisten Einsätze eigenständig beherrschen (Kleinbrand / Unwetterlagen) . .

• als Erst-Einsatzfahrzeug zur Menschenrettung geeignet sein (Feuer / Technische Hilfeleistung / Gefahrstoffe)

Dieses Anforderungsprofil erfüllt das Mittlere Löschfahrzeug NRW (MLF NRW). Es verfügt unter anderem über :

• einen 1.000-Liter-Löschwassertank (der einen unmittelbaren Innenangriff durch die ersten Einsatzkräfte am Brandort ermöglicht) .

• eine fest eingebaute Feuerlöschkreiselpumpe (stellt die Löschwasserförderung auch bei aufwachsenden Einsatzlagen sicher). • einen mobilen Rauchverschluss sowie ein Belüftungsgerät (sichern die Angriffs- und Rettungswege der Einsatzkräfte).

• ein Sprungpolster (ist bei unmittelbarer Bedrohung von Personen oberhalb des zweiten Stocks eine zusätzliche Rettungsoption)

• ein hydraulisches Rettungsgerät (befreit eingeklemmter Personen bei Pkw-Unfällen)

• Tauchpumpe und Kettensäge sowie einen tragbaren Stromerzeuger und eine Beleuchtungseinheit (lassen das Fahrzeug bei größeren Unwettern zu einer selbstständigen taktische Einheit werden).

• Notfallrucksack und Defibrillator garantieren eine erweiterte Erstversorgung bei (Eigen-)Unfällen .

Nach einem detaillierten Bewerbungsverfahren wurde Leichlingen zu einer von insgesamt 20 "Pilotfeuerwehren" erklärt. Das neue Löschfahrzeug, das zweischen 200.000 und 250.000 Euro kostet, soll etwa vier Monate in der Blütenstadt getestet werden. Der Aufwand für Schulungen der Feuerwehrkräfte, die die Fahrzeuge bedienen sollen, wird mit ca. 50.000 Euro angesetzt.

(RP)