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Leichlinger ärgert sich über überteuertes Knöllchen

Bürgermonitor : Wenn Falschparken plötzlich 146 Euro kosten soll

Hans-Dieter Kall soll für das unerlaubte Parken auf einem Privatparkplatz zahlen. Der Leichlinger ist sauer auf die Inkasso-Firma.

Hans-Dieter Kall wollte nur schnell einen Wagen anmieten. Keine langwierige Sache  – doch das brachte dem Leichlinger in letzter Konsequenz ein saftiges Knöllchen ein. Die Parkplätze drumherum waren besetzt, das Parkhaus zu weit weg, da wich er auf den Kundenparkplatz des Küchenstudio Schreckenberg an der Düsseldorfer Straße aus. Nur 15 Minuten habe er dort gestanden, versichert Kall – Mitte Februar flatterte ihm nun die Rechnung ins Haus. 146,79 Euro soll er für das unerlaubte Parken auf dem Privatparkplatz zahlen.

Der Leichlinger traute seinen Augen nicht. „Ich war geschockt und bin noch immer verärgert“, sagt er, und zeigt auf das Schreiben und die unerwartet hohe Forderung der Firma Parkcollect beziehungsweise Euro Collect — mit Absenderadresse aus Monheim. „Unser Mandant war daran gehindert, seine Parkfläche zu nutzen“, heißt es dort. Der Falschparker-Verstoß sei mit einem Beweisfoto dokumentiert worden.

So weit, so richtig, bestätigt Kall. „Ich habe falsch geparkt, und ich bin bereit, eine Strafe zu bezahlen. Aber doch nicht in dieser Höhe.“ Diese sei nicht angemessen. Kall wittert Abzocke und möchte mit seinem Fall vor diesem Geschäftsmodell und den Folgen warnen.

Für die sogenannte „Besitzstörung“ wird in dem Schreiben des Inkasso-Unternehmens eine „Zahlung einer Kompensation“ in Höhe von 40 Euro angeboten. Darüber hinaus werden „Haltermittlungskosten“ in Höhe von 10,40 Euro aufgeführt, weitere Einigungskosten (analog) in Höhe von 67,50 Euro sowie eine Pauschale für Post und Telekommunikation von 13,50 Euro. Plus Mehrwertsteuer macht das in Summe eine Forderung von 146,50 Euro. Zahlungsziel: zwei Wochen.

Auf Nachfrage bestätigt Jan Schreckenberg, Besitzer des Parkplatzes, dass er die Firma beauftragt hat. Wie viele Supermärkte oder Einzelhändler setzt auch er inzwischen auf Privatunternehmen wie Parkcollect, die seinen Kundenparkplatz kontrollieren. „Wir wollen wirklich niemanden verärgern, aber wir haben keine andere Lösung gesehen, damit die von uns gemieteten Parkplätze auch wirklich uns zur Verfügung stehen“, sagt er.

Schreckenberg erlebt nahezu täglich, dass Personen auf seinem als Privatparkplatz deklarierten und längst eingezäunten Gelände ihr Auto abstellen und von dort aus in die Stadt laufen. Vier Schilder habe er aufgestellt. „Das ist sehr ärgerlich, denn dadurch bleibt für unsere Kunden keine Parkmöglichkeit“, sagt Schreckenberg, den noch mehr die Uneinsichtigkeit einiger Leute verärgert. Alle Versuche mit Zetteln an der Windschutzscheibe oder auch durch persönliche Ansprachen hätten nichts genutzt. „Wir haben wirklich alles versucht. Es kamen sogar Leute zu uns, die sagten: Wir können nicht zu Ihnen ins Küchenzentrum, weil es keinen Parkplatz gibt.“

Kall hat den „Strafzettel“ erst einmal fristgerecht bezahlt. Doch das soll nicht das letzte Wort gewesen sein, versichert er. Ein Anwalt soll helfen und prüfen, ob die Höhe der Kosten rechtens ist.

Für die Höhe der Kosten kann Schreckenberg nichts. Die ist Sache von Parkcollect, das An- und Abmahnen der Falschparker ist deren Geschäftsmodell. Für nähere Auskünfte war das Unternehmen allerdings nicht zu erreichen.