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Leichlinger (23) verbreitete Kinderpornografie

Prozess vor dem Amtsgericht Leverkusen : Leichlinger (23) verbreitete Kinderpornografie

Er soll in 16 Fällen Bilder und Videos zugänglich gemacht haben. Vor Gericht bestritt der junge Mann, das verbotene Material selbst besessen zu haben. Der Richter schickt ihn in Therapie.

Eigentlich, so sagt ein 23-jähriger Leichlinger vor dem Amtsgericht Leverkusen aus, sei er nur auf der Suche nach Pornografie in seinem Alter gewesen. Und doch musste er sich wegen des Teilens von kinderpornografischen Inhalten verantworten. Laut Anklage hatte er in 16 Fällen insgesamt 17 Videos und Bilder zugänglich gemacht.

Dies erfolgte laut Staatsanwältin in einem Zeitraum vom 19. September bis 19. November 2018. Die Dateien seien auf einer amerikanischen Seite hochgeladen worden. Die Behörden beider Länder arbeiteten eng zusammen. Geschätzt war das jüngste Kind auf den Dateien vier Jahre alt.

Der Mann, der zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt war, gab zu, die Bilder auf seinem Blog geteilt zu haben. Auch sei ihm die Existenz der Bilder und Videos bewusst gewesen. Doch Interesse daran habe er nicht gehabt. Er suchte nach Pornografie in seinem Alter. Den Inhalt habe er bei den anderen Benutzern der Blogseite gefunden.

Um sich den fortlaufenden Inhalt zu sichern, habe er deren Beiträge in seinen eigenen Blog eingebettet – wie eine Art Zitatfunktion, die sich von selbst mit neuen Beiträgen aktualisiert. Einige der Nutzer verbreiteten allerdings nicht nur legale Pornografie. „Da gab es keine Separation“, sagte der Beschuldigte.

Für seine Version sprach, dass sich auf den Geräten und im Onlineblog des Angeklagten eine Bilder- und Videomenge von mehreren Tausend befand. Darunter wurde jedoch nur ein Bruchteil als strafrechtlich relevantes Material erkannt. Ein Computerprogramm übernimmt die Einschätzung und Auswertung. Der Verteidiger bemerkte, sein Mandant habe keines der relevanten Bilder besessen: „Das haben wir hier nicht.“

Wenngleich: Viele der bei dem 23-Jährigen gefundenen Inhalte bewegten sich an der Schwelle zu einem Gesetzeskonflikt. So werden etwa Zeichnungen augenscheinlich junger Mädchen nicht strafrechtlich verfolgt. Der Besitz aber machte der Staatsanwältin Sorgen, wie sie betonte. Sie fragte den Mann direkt: „Wissen Sie, warum sie hier sitzen?“ Der Angeklagte stotterte und fummelte – wie bei all seinen Aussagen – nervös an seiner auf dem Tisch liegenden Maske.

Er gab zwar eine schlüssige Antwort, die aber reichte der Staatsanwältin nicht aus. In ihrem Plädoyer schlug sich das nieder, und sie sagte: „Der Angeklagte erweckt bei mir den Eindruck, als müsse da noch mal nachgefasst werden.“

Das sah der Richter ähnlich. Er verwarnte den Mann nach Jugendstrafrecht wegen der Verbreitung von elf kinder- und drei jugendpornografischen Dateien (einige Fälle wurden eingestellt) und wies Besuch und Abschluss einer Therapie an.