Vortrag: „Leichlinger Ritterburg“: erlebte Geschichte

Enormes Interesse am Vortrag über den Mythos „Haus Vorst“.

Es gibt bereits eine Vielzahl an erzählten Mythen und Geschichten rund um Haus Vorst, tief im Wald Leichlingens gelegen. Und dennoch waren zahlreiche Geschichtsfreunde zum Vortrag des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) in Kooperation mit dem Stadtarchiv Leichlingen in den Weyermannsaal im Bürgerhaus gekommen, um weitere Geschichten rund um die „Leichlinger Ritterburg“, wie der Volksmund das Areal gerne nennt, zu erfahren.

Ein Blick auf die Terrasse von Haus Vorst. Spaziergänger und Wanderer waren dort gerne unterwegs, auch Hochzeitspaare nutzten das Areal bis zuletzt als Kulisse für ihre Aufnahmen. Foto: Nachlas Peiner/Albanus/Nachlass Peiner/Albanus

„Es war zunächst für 60 Leute bestuhlt, am Ende waren über 100 da. Das freut einen natürlich extrem, dass das Interesse der Bevölkerung so stark ist“, sagt Reinhold Braun vom BGV. Seit mehr als zwei Jahren ist Haus Vorst für die breite Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Ein Privatier hatte das Anwesen 2015 gekauft, und seitdem ist es für Wanderer und Kulturinteressierte nicht mehr offen. Vielleicht war gerade deshalb das Interesse so groß.

Tief in den Wäldern: Diese Zeichnung von Haus Vorst von 1790 wird im Buch von Carl vom Berg 1909 abgedruckt. Foto: Stadtarchiv Leichlingen

Reinhold Braun, Klaus-Dieter Hartmann und Hans-Josef Rupprecht erzählten so einiges an Geschichten, die in und um Haus Vorst stattgefunden haben sollen. Die erste Erwähnung gab es bereits im Jahre 1297. Eine Urkunde über einen Vertrag über Holz- und Hofrechte führte unter anderem „Ritter Hermann von Forst“ auf. So hätte dieser bereits eine Fehde mit Ritter von der Mühle (oberhalb von Leichlingen) gehabt. Relativ brutal schrieben die Geschichtsbücher: „Die Burgfrau war eben eines Söhnchens genesen, das sie in ihren Armen wiegt, als die wilde Schar in ihr Zimmer drang. Der Säugling wurde ihr entrissen und getötet, dem Vater vor die Füße geworfen, dann fiel auch dieser unter ihren Streichen. Die Burgfrau wurde nun aber auch ergriffen und durch ein Fenster auf den Felsen herabgestürzt, wodurch ihr Körper zerschmettert wurde.“

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Eine besondere Rolle spielte das Haus auch in der NS-Zeit. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Ehepaar Werner und Resy Peiner nach Haus Vorst. Werner Peiner war in NS-Kreisen ein gern gesehener Maler. Als Lieblingskünstler Hermann Görings bekam Peiner unter anderem den Auftrag, die Neue Reichskanzlei in Berlin mit acht Wandteppichen „deutscher Schicksalsschlachten“ auszustatten, da­runter die Schlacht im Teutoburger Wald. 1944 wurde er von Adolf Hitler in die „Gottesbegnadeten-Liste“ der zwölf wichtigsten bildenden NS-Künstler aufgenommen.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde Haus Vorst immer mehr zum Veranstaltungsort und gleichzeitig gerne für Dreharbeiten von TV- und Kinofilmen genutzt. Unter anderem mehrere „Tatort“-Folgen (letzte Folge 2015 „Der Untote“) oder „Die Erfindung der Liebe“ mit Mario Adorf. Sogar ein nicht ganz ernst gemeinter Erotik-Streifen soll dort in den 1970er Jahren gedreht worden sein: „Ritter Orgas muß mal wieder“. Ein rares Plakat konnte von Reinhold Braun aufgetrieben werden, der Film mit Herbert Fux (bekannt aus mehreren TV- und Kino-Produktionen wie „Asterix und Obelix“) in der Hauptrolle, ist allerdings noch nicht gefunden worden.

Als Werner Peiner 1984 starb, erbte seine Tochter, Hilde Albanus, das Anwesen. Sie war als „Frau in den Beeten des Burghofes“ bekannt, den sie so sehr mochte. Für sie war Haus Vorst ein Ort, der offen für alle war: für Spaziergänger und Wanderer, bis zuletzt sogar für Hochzeitspaare.

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