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Leichlingen: Würde einmal künstlerisch betrachtet

Ausstellung im „Sinneswald“ : Würde einmal künstlerisch betrachtet

Statt Eröffnung vor Ort im „Sinneswald“ gibt es einen 30-Minütigen Rundgang auf YouTube als Appetitmacher auf den realen Besuch im Murbachtal.

Leichlingen Die Würde des Menschen ist unantastbar. Der erste Artikel des Grundgesetzes war für viele der 86 Künstlerinnen und Künstler, die sich an der aktuellen open air Ausstellung im Sinneswald beteiligen, Leitgedanke. „Würde“ haben die Eigentümer und Veranstalter Wicze Braun und Wolfgang Brudes für 2021 als Gemeinschaftsthema vorgegeben.

In den Vorjahren waren es maximal 70 Beteiligte, in der Pandemie-Situation scheint das Bedürfnis einer Ausstellungsbeteiligung besonders groß. Alleine 17 Künstler sind dieses Jahr zum ersten Mal dabei.

Für Sonntag war die große Eröffnung geplant, bei der Mitglieder des Jungen Theaters Leverkusen das Thema „Würde“ in kurzen Spielszenen interpretieren wollten. Das fällt nun weg, weil Veranstaltungen noch nicht wieder erlaubt sind. Immerhin ist der Sinneswald für Einzel-Besucher geöffnet, die sich über die Homepage anmelden oder am Eingang einen Zettel ausfüllen.

Die Ensemble-Mitglieder des Jungen Theaters haben ihre vorbereiteten Szenen bereits vor laufender Kamera vorgeführt. Die Aufnahmen sind Teil eines virtuellen Rundgangs, der auf Youtube zu sehen ist und Appetit macht auf einen Besuch in diesem kleinen Paradies, wo sich alljährlich Natur und Kultur würdig begegnen und gegenseitig bereichern. Ein Ersatz ist der Film natürlich nicht, aber eine wunderbare Ergänzung, die etwa Momente des Aufbaus und Künstler in Aktion zeigt.

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Mit großem Ernst haben einige Fragen zur „Würde des Menschen“ aufgegriffen. Am Teich gibt es einen Würde-Kompass. Klaus Fuisting zeigt mit Embryonen aus Plastik in einem Glas, wie ausgebildet Föten der zwölften Woche bereits sind. Winzig sind dagegen die kleinen Männchen, die Bettina Ballendat in kleine, aus Wachs gegossene Bote gesteckt und in Massen auf dem Teich ausgesetzt hat, so dass ihnen das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht.

Ulrike Wehner würdigte ihren Urgroßvater, einen Fotografen, dessen Aufnahmen sie bearbeitete und in Plexiglaskugeln in Bäumen verteilte. Mit Sterben und Würde haben sich Ela und Emma Schneider auseinandergesetzt. Als Mutter und Tochter bearbeiteten sie das Holz eines Apfelbaums aus dem Garten der Eltern/Großeltern und steckten kleine Hölzer hinein, auf die sie ihre Gedanken dazu verborgen haben. Besucher dürfen sie herausziehen und lesen.

Es gibt noch mehr interaktive Ausstellungsstücke, so wie der Trauer(b/r)aum gegenüber, an dem bereits einige Menschen ihre persönlichen Erinnerungen/Würdigungen an Verstorbene aufgehängt haben. Der Fotokurs von Peter Thönes hat die Würde von Senioren im Pilgerheim Weltersbach mit der Kamera festgehalten und die Abbildungen auf einem riesigen Banner über dem Steinbruch Kombiniert.

Einige Künstler thematisierten die Würde der Tiere oder Pflanzen. In einem kleinen Schaukasten sind diverse Produkte aus keineswegs nutzlosen Brennnesseln zu sehen. Manche haben mit Witz oder Ironie gearbeitet, wie die kleinen Würden- beziehungsweise Bürdenträger. Andere haben das Motto im Wortlaut abgebildet oder anders verstanden. Etwa der Kunst-Leistungskurs des Gymnasiums: „ich würde gerne mal wieder…“.

Für Kinder gibt es Attraktionen wie die Schaukel, die Murmelbahn oder der ausgediente Kaugummiautomat, der nun nach Einwurf von 20 Cent bunte Glasmurmeln spendet. Bänke sind über das ganze Gelände verteilt, so dass man Corona-tauglich von anderen Besuchern getrennt verschnaufen, die Eindrücke auf sich wirken lassen und entspannt dem Vogelgezwitscher lauschen kann.