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Leichlingen Wanderer lassen bunten Steingarten wachsen

Corona-Krise : Wanderer lassen bunten Steingarten wachsen

Die Bennerter Familie Torbohm lädt zum Bemalen von Steinen ein. In Corona-Zeiten trifft sie damit einen Nerv.Die freundliche Aufforderung zeigt enorme Wirkung: Mittlerweile sind es fast 500 bunte Steine in allen erdenklichen Mustern, Größen und Farben.

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Es kommt einem beinahe so vor, als habe Johann Wolfgang von Goethe schon vor mehr als 200 Jahren den Garten der Bennerter Familie Torbohm genau vor Augen gehabt, als er diesen Ausspruch tat. Da liegen die Steine zwar nicht im Weg, sondern im Beet der Torbohms. Aber seit Ostersonntag passiert damit wahrlich Schönes.

Die vielen Wanderer und Spaziergänger, die derzeit auf dem Bennerter Obstweg vorbeikommen, können dort eine kreative Pause einlegen und Steine mit wunderbar leuchtenden Acrylfarben bemalen. „Ich habe mit einem pinken Stein mit der Aufschrift ,Lebe’ gestartet und ihn ins Beet gelegt“, erzählt Anne Torbohm. Daneben steht auf einem Schild „Male gerne einen Stein und leg ihn dazu.“ Die freundliche Aufforderung zeigt seither enorme Wirkung: Mittlerweile sind es fast 500 bunte Steine in allen erdenklichen Mustern, Größen und Farben.

„Das ist echt toll“, freut sich die Mutter von vier Kindern über den Erfolg der Aktion. „Hier laufen natürlich in Corona-Zeiten noch weit mehr Familien mit Kindern vorbei als sonst schon. Sie können ja sonst nicht viel unternehmen“, erklärt Lutz Torbohm ein Stück weit den Erfolg der Idee. Gerade die Jüngsten, aber auch viele Erwachsene nehmen das Angebot daher gerne wahr, lassen ihrer Kreativität und Phantasie freien Lauf.

Für die meisten scheint dabei „bunt“ das wichtigste Gestaltungskriterium. Wer genau hinschaut, entdeckt aber auch richtige kleine filigrane Kunstwerke zwischen den Kieseln. Etliche Fußballfans sind hier offenbar einmal mehr in den Farben getrennt, aber in der Sache geeint: Das BVB-Logo in strahlendem Gelb passt auf einen kleinen Stein jedenfalls genauso gut wie die Bayer-, Mönchengladbach, Fortuna- oder FC Köln-Embleme und -Farben. „Ein Wanderer hat „mal eben“ aus der Hand einen FC-Geißbock gemalt“, erzählt Anne Torbohm begeistert.

Sie hat es den Kreativen ein bisschen nett gemacht, indem sie nicht nur die Farben spendiert, sondern aus Baumstämmen auch noch zwei bunte „Künstlerhocker“ gestaltet hat. Wer sich neben den Steinen die Finger ein wenig zu sehr mit angemalt hat, kann sie mit Wasser aus der eigens bereitgestellten Gießkanne und Lappen sauber machen.

Für viele scheint der kreative Zwischenstopp eine Art Stimmungsaufheller, Zusammen- und Durchhalteaktion zu sein: Worte wie „Hope“, „Love“ oder „Smile“ finden sich immer wieder auf den Steinen, außerdem „Be happy“ oder „Zusammen durchhalten“. Die Menschen nehmen sich einfach mehr Zeit, entdecken vielleicht das Spazierengehen gerade erst einmal für sich wieder. „Heute war sogar eine Familie aus Velbert extra angereist, die über die Aktion von Freunden gehört hat“, erzählt Anne Torbohm.

Manche Eltern und Kinder kommen nach ein paar Tagen wieder und schauen, ob ihre Exemplare noch da sind. Andere sind einfach neugierig, wie sich der kleine Steingarten weiterentwickelt hat. Dazu werden sie auch in Zukunft noch Gelegenheit haben: „Die Steine bleiben auf jeden Fall über Corona hinaus liegen“, sagen die Eheleute Torbohm.

Voraussetzung ist aber, dass die Wanderer und Spaziergänger die Bennerter Aktion nicht mit einer anderen „Stein-Idee“ verwechseln: Bei „Painted Rocks“, einem Trend aus den Vereinigten Staaten, werden die steinernen Kunstwerke an Wegen, in Parks oder in der Natur platziert, damit andere sie finden und weitertragen. In Bennert aber dürfen sie liegenbleiben.