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Leichlingen Vor 110 Jahre Absturz des Luftschiffs "Erbslöh"

Kalenderblatt Vor 110 Jahren : Das tödliche Ende einer Luftfahrt-Ära

Nach dem Start an der Leichlinger Ballonhalle stürzte Luftfahrer Oskar Erbslöh mit dem nach ihm benannten Luftschiff am 13. Juli 1910 ab. Ohrenzeugen vernahmen einen ohrenbetäubenden Knall. Alle fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Auf einem 200 Zentner schweren, auf einem Granitsockel ruhenden Steinblock liegt ein zu Tode gestürzter bronzener Adler. Seine Krallen umschließen einen Lorbeerkranz. „Das Oskar-Erbslöh-Denkmal in der Balker Aue ist auch heute noch ein bleibender Zeuge an die Vorrangstellung Leichlingens in der Luftschifffahrt im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts“, sagt Stadtsprecherin Ute Gerhards. Am Montag jährt sich der Todestag von Oskar Erbslöh zum 110. Mal.

Der Luftfahrtpionier wollte am 13. Juli 1910 in dem nach ihm benannten Luftschiff mit vier weiteren Männern nur eine halbe Stunde lang über Leichlingen kreuzen. Doch die Wetterlage ließ das Vorhaben in einer Tragödie enden.

Die „Erbslöh“ explodierte am 13. Juli 1910 und stürzte bei Pattscheid auf ein freies Feld. Alle fünf Besatzungsmitglieder starben. Foto: RP-Archiv Opladen/Repro U. Schütz/RP-Archiv Opladen/Repro: U. Schütz

Gegen 9 Uhr startete die „Erbslöh“ an der Leichlinger Luftschiffhalle – damals eine der größten Ballonhallen Europas. Es war nebelig, die Zuschauer verloren den Zeppelin schnell aus den Augen. Rund eine halbe Stunde später vernahmen sie plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall, sehen konnten sie jedoch nichts. Über den Wolken war das Luftschiff bei Pattscheid (heute ein Leverkusener Stadtteil) explodiert. Aus 280 Metern fielen die Trümmerteile auf ein freies Feld. Die Besatzung wurde tot zwischen den Trümmern gefunden. Mit Oskar Erbslöh starben die Ingenieure Hans Leo Höpp und Rudolf Kranz, der Monteur Joseph Spicks sowie Max Toelle.

„Als Ursache wird die plötzliche Sonneneinstrahlung auf die Hülle angenommen“ – in Verbindung mit Wasserstoff als Traggas in dem zigarrenförmigen Gasraum, weiß Stadtsprecherin Gerhards. „Durch die Erwärmung dehnte sich das Gas aus. Als der Wasserstoff mit Funken aus dem Zündsystem des Antriebs in Berührung kam, explodierte es.“

Erbslöh mit dem Ballon „Pommern“ beim „Gordon-Bennett-Rennen“. Foto: Klaus Dieter Hartmann

Oskar Erbslöh, der am 21. April 1879 in eine Elberfelder Kaufmannsfamilie hineingeboren wurde und 1905 als Teilhaber im elterlichen Manufakturgeschäft einstieg, beschäftigte sich seit 1904 mit der Luftschifffahrt und erhielt 1905 die Qualifikation als Ballonführer. In der Folge sammelte er als Freiballonsportler und in der Motorluftschifffahrt viele Erfahrungen und internationale Preise.

1907 gewann er zum Beispiel das bekannte „Gordon-Bennett-Rennen“ in Amerika (St. Louis) mit seinem Ballon „Pommern“. Die 1403 Kilometer legte er in 40 Stunden zurück. Sein Sieg hatte zur Folge, dass dieser international renommierte Cup im Jahr darauf in Deutschland ausgetragen wurde.

Das Denkmal für Oskar Erbslöh in Leichlingen. Foto: Miserius, Uwe (mise)/Miserius, Uwe (umi)

Unter Erbslöhs Vorsitz wurde schließlich die Rheinisch-Westfälische Motorluftschiff-Gesellschaft zum Bau von Motorluftschiffen gegründet. 1909 begann die Gesellschaft im Leichlinger Ortsteil Balken auf einem Grundstück, das sie von der Stadt gepachtet hatte, mit dem Bau einer Ballonhalle.

Dort wurde das lenkbare Motorluftschiff „Erbslöh“ montiert: 53,2 Meter lang, mit einem Durchmesser von 10,5 Metern vorne und 7,25 Metern hinten, einer 27 Meter großen Gondel, einem Gasinhalt von 3200 Kubikmetern und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern.

Oskar Erbslöh wurde am 21. April 1879 in Elberfeld geboren. Foto: Klaus Dieter Hartmann

Der erste Probeflug erfolgte am 20. August 1909 über der Halle in 100 Meter Höhe, die offizielle Jungfernfahrt (ohne besondere Zwischenfälle) am 1. Dezember 1909. Knapp zwei Wochen später musste der Zeppelin bei Reusrath wegen eines Getriebedefektes notlanden. Der 13. Juli 1910 bereitete der „Erbslöh“ das Ende. Ihr Schöpfer wurde nur 31 Jahre alt.

Leichlingen hat den Luftfahrpionier mit einer nach ihm benannten Straße geehrt. Fast hätte ein Luftschiff sogar das Stadtwappen geziert. Doch Kaiser Wilhelm erteilte einem entsprechenden Antrag der Stadt 1912 eine Abfuhr.