1. NRW
  2. Städte
  3. Leichlingen

Leichlingen: Verkehrsrowdy kommt mit kleinem Bußgeld davon

Leichlinger wegen riskanten Überholmanövers vor Gericht : Verkehrsrowdy (51) erhält nur eine milde Strafe

Zwei genötigte Wermelskirchener hatten Anzeige erstattet. Sie dürften enttäuscht sein: Das Gericht verurteilte den Leichlinger lediglich zu 30 Euro Geldbuße.

Ein gefährliches Überholmanöver und weitere Provokationen – für sein gefährliches Verhalten im Straßenverkehr musste sich ein 51-jähriger Autofahrer aus Leichlingen jetzt vor dem Wipperfürther Amtsgericht verantworten. Er hatte im Juni nach seiner Spätschicht in Radevormwald auf der Kölner Straße den Toyota eines Wermelskircheners überholt, der mit einem Freund im Auto saß. Zunächst hatte der Angeklagte mit seinem Polo das Fahrzeug der beiden Männer überholt, obwohl dieses in dem Moment mehreren Fußgängern mit Hund am rechten Fahrbahnrand ausweichen und nach links ausscheren musste.

„Das war eine richtig enge Sache“, sagten die beiden Freunde als Zeugen aus. Der Polo habe im Anschluss trotz der uneinsehbaren Serpentinen weitere Autos überholt und ausgebremst. An einer Baustellenampel in Bergisch Born waren die Zeugen wieder hinter dem offensichtlich eiligen Autofahrer. Der Beifahrer im Toyota, ein 32-jähriger Wermelskirchener, machte zur Beweissicherung ein Handyfoto von dem vorderen Fahrzeug. Das beobachtete der Leichlinger im Rückspiegel.

„Er ist dann ausgestiegen und hat sich bedrohlich und mit erhobenen Fäusten vor uns aufgebaut, geschimpft und gegen die Scheibe geschlagen“, berichtete der Fahrer des Toyotas von der für ihn angsteinflößenden Reaktion des 51-Jährigen. Die beiden Männer hielten vorsorglich die Türen ihres Fahrzeugs verriegelt und die Scheiben geschlossen.

Nach einer verstrichenen Grünphase sei der Leichlinger wieder in sein Auto gestiegen und mit sehr langsamem Tempo – weit unter der vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit – vor den beiden Wermelskirchenern hergefahren. „Wir hätten die Möglichkeit gehabt, ihn zu überholen, aber das wollten wir nicht“, sagten die Zeugen aus.

Der Angeklagte bestritt den Überholvorgang nicht, fühlte sich jedoch von dem Foto genötigt. „Ich wollte fragen, warum sie ein Foto von mir machen und sich über mich lustig machen“, erklärte der russische Staatsbürger mit Hilfe einer Übersetzerin dem Richter sein Verhalten.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hielt die beiden Zeugenaussagen für glaubhaft und forderte eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro (30 Tagessätze à 40 Euro) für die Nötigung beim Überholen, sowie ein dreimonatiges Fahrverbot als Ordnungswidrigkeit für das zu langsame Fahren. Der Richter schloss sich dem Antrag jedoch nicht an, sondern verhängte lediglich ein Ordnungsgeld von 30 Euro.

„Die Zeugenaussagen reichen nicht, um den Tatbestand der Nötigung zu erfüllen, zumal der Angeklagte die Fußgänger am Straßenrand beim Einleiten des Überholvorgangs nicht hatte sehen können“, begründete er das Urteil. Die Geldbuße verhängte er für das provokante Langsamfahren. Dem Freigesprochenen, der keine Vorstrafen hat, gab er noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Fahren Sie das nächste Mal anständig.“