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Leichlingen: Stadtarchiv-Rettung dauert gut ein halbes Jahr

Viele Freiwillige helfen beim Bergen und Säubern in Leichlingen : Archiv-Rettung dauert gut ein halbes Jahr

Freiwillige und Experten arbeiten am Donnerstag Hand in Hand auf dem Gelände der Grundschule Büscherhof, um die Archivalien zu bergen, zu säubern und zu verpacken.

Es riecht modrig und nach Schlamm zwischen den Bergen an alten Akten. Das Papier welk und ist dreckig. Die Seiten scheinen sich durch die Nässe aneinander zu klammern. Sie halten sich ganz fest. In Leichlingen läuft in diesen Tagen auf Hochtouren die Rettung der vielen Archivalien aus dem Stadtarchiv, das im Keller des Rathauses durch die Flut sehr stark betroffen ist. Freiwillige Bürger und Experten opfern dafür ihre Zeit.

Die Verantwortlichen richteten für die zunächst rudimentäre Säuberung der Schätze und Erinnerungen eine Art Waschstraße auf dem Schulhof der Grundschule Büscherhof ein. Die dort gereinigten Materialien werden foliert und mittels eines Transporters in ein Troisdorfer Kühlhaus gebracht und zunächst schockgefroren.

Bereits Anfang der Woche nahmen Trupps die Arbeit auf. Für sie ist die Hilfe Ehrensache. Ein bunter Mix aus Freiwilligen bildete sich. Es sind Sachverständige aus Monheim, Köln oder Duisburg – gepaart mit Bürgern aus der Blütenstadt, die einfach nur anpacken wollen. „Die Leichlinger sind immer sehr hilfsbereit“, betont Stadtarchivar Marc Sievert.

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Die Helfer arbeiten nicht nur bei der Säuberung, sie holen auch die Akten, Fotos und andere Erinnerungen aus dem Keller des Rathauses. Die Hilfe sorgt dafür, dass die Rettungsaktion recht schnell vorankommt. „Wir sind gut im Prozess“, berichtet Sievert. In diversen Räumen wartet jedoch noch viel Papier. Etwa die Hälfte, schätzt er, sei geschafft. „Wir werden heute noch deutlich weiterkommen“, ergänzt der 30-Jährige am Donnerstag.

Die oberste Priorität liegt dabei auf Archivalien wie Fotos, Altakten und Personenstandsunterlagen. Betroffen sind dabei auch Glasplattennegative, deren Gelatinebeschichtung aufquoll. Sofern das Papier mit Dreck bedeckt ist, wird es unter einem Brausekopf mit Wasser oberflächlich gereinigt. Bei etwa einem Drittel ist das der Fall. Aufgeblättert werden die Akten nicht. Die Helfer sollen dabei nicht übermäßig zurückhaltend sein. Laut Sievert ist das eine Abwägungssache. Es ginge zu viel Zeit verloren, wenn die Einbände mit zu viel Sorge und Vorsicht behandelt würden. Und nass sind sie ohnehin schon. Das Wasser ist demnach nicht problematisch.

Wie viele der Sachen am Ende des Prozesses trotz Gefriertrocknung nicht gerettet werden können, ist noch nicht abzusehen. Birgit Geller vom LWL-Archivamt Westfalen in Münster gibt Hoffnung. Sie sagt: „Es ist im Grunde nichts verloren.“ Und: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Die diplomierte Restauratorin für Papier und Schriftgut ist pragmatisch: „Hier geht es jetzt nicht darum, Tränen zu vergießen“, bekräftigt sie. „Es geht darum, das Material zu retten.“ Das wird, so betont sie, etwa ein halbes Jahr dauern. Entsprechende Stellen seien an der Kapazitätsgrenze.

Ben kommt aus der Blütenstadt. Der 39-Jährige hat sich auf den Appell an die Bürger gemeldet. Für ihn ist der Anblick des welken Papiers nicht so einfach wegzustecken. Er umwickelt es soeben mit Folie. Weil der eigene Keller trocknet, opfert er den Urlaub, um zu helfen. „Ich weiß, wie es ist, abzusaufen“, sagt er, der mit der 17-jährigen Lena aus Köln und Archivaranwärterin Lisa Hennfeld an einer Station arbeitet.

Bei dem Gedanken daran, wie viele Archive in den Regionen betroffen sind, blutet ihm  das Herz. „Der Hilferuf hier hat uns ereilt. Und es ist klar, dass wir den Nachbarn im Rheinland helfen“, sagt sie. „Es ist toll zu sehen, wie viele Hand in Hand arbeiten.“