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Leichlingen: Stadt schafft neue Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen wie 2018.

Vorsorge-Konzept der Stadt Leichlingen : Mehr Schutz vor Starkregen wie 2018

Die städtebauliche Entwicklung muss künftig den klimatischen Veränderungen Rechnung tragen. Bürger und Kommune sind gefragt. Ereignisse wie vor etwa zweieinhalb Jahren dürften häufiger vorkommen.

Fast jeder Leichlinger wird sich erinnern, wo er in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2018 war und was er tags darauf gemacht hat. Zwischen 1 und 2 Uhr in der Früh ging damals ein Starkregen über Leichlingen nieder, der vielen Bürgern den Schlaf raubte und zu hohen materiellen Schäden führte. Unter anderem dieses Ereignis hat dazu geführt, dass die Stadtverwaltung mit Regenwasser, Neubauten und Straßenbau nun anders umgeht. Erfolg verspricht unter anderem eine rein organisatorische Maßnahme: Seit Anfang dieses Jahres sind Tiefbauamt, Bauhof und Abwasserbetrieb in den „Technischen Betrieben Leichlingen“ zusammengefasst.

„Wir müssen alle Maßnahmen zur Klimaanpassung gemeinsam neu denken“, sagt Tycho Kopperschmidt, Leiter der Technischen Betriebe. Unterstützen soll das interdisziplinäre Team ab Frühjahr 2021 außerdem ein Klimawandelmanager. „Wir müssen davon ausgehen, dass Starkregenereignisse wie 2018 zunehmen werden“, prognostiziert Kopperschmidt.

Das Problem nicht nur in Leichlingen: Die städtebauliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte mit vielen versiegelten Flächen kollidiert mit den klimatischen Veränderungen und ihren Folgen. „Wir müssen intelligent statt eng bauen“, fordert Kopperschmidt. Dazu müssen die Wege, die sich das Regenwasser an der Erdoberfläche bahnt, identifiziert und neu betrachtet werden. Es sei eine Fehlentwicklung, dass vielerorts beispielsweise die Fließwege des Regens von den Hügeln Richtung Wupper verbaut seien. Ergebnis: vollgelaufene Keller. Auch müsse man davon weg, das Wasser nur über die dann überlastete Kanalisation abzuführen. Ziel müsse es vielmehr sein, dem Niederschlag künftig genügend Fläche zum Versickern vor Ort zu bieten.

Schutz kann laut Stadt künftig nur gemeinschaftliches Engagement der Bürger, Wirtschaft und Kommunen bieten: mit Grundstückseigentümern, die ihr Privateigentum schützen, und einer Kommune, die die Bürger informiert, sensibilisiert und übergeordnete Schutzmaßnahmen im Stadtgebiet konzipiert.

Mit der Information und konkreten Maßnahmen hat die Stadt begonnen. Unter www.starkregen.leichlingen.de steht die Starkregenkarte zur Verfügung, die simulierte Fließwege und Wasserstände im Stadtgebiet bei Starkregen zeigt. Jeder sieht dort, ob sich ein Gebäude im gefährdeten Bereich befindet und kann individuelle Schutzmaßnahmen ergreifen. Außerdem wollen die technischen Betriebe künftig über Flyer und in Veranstaltungen informieren.

Beim Straßenbau wie in den nächsten Jahren an der Kreisstraße 1 in Unterberg will die Stadt darauf drängen, neben einer neuen Kanalisation an einigen Stellen die Bordsteine zu erhöhen, um das Wasser auf der Straße zu halten, sie an anderen Stellen aber abzusenken, um es gezielt abzuleiten. „Wir müssen alles immer situativ betrachten“, betont Kopperschmidt.

Auch mit den Landwirten ist die Stadt im Gespräch über Rückhalteräume und wasserführende Strukturen in den landwirtschaftlichen Flächen zwischen Leichlingen und Witzhelden. Bei Neubauten will sie zu Dachflächenbegrünungen anregen, um das Wasser gar nicht erst abfließen zu lassen, sondern an Ort und Stelle zu halten.

Nicht zuletzt wird bei der Stadtparkerneuerung über den Bau unterirdischer Regenwasserzisternen nachgedacht, die bei Starkregen Wasser zurückhalten und in Trockenphasen zur Bewässerung städtischer Grünflächen durch den Bauhof genutzt werden können.