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Leichlingen: Neue Testverordnung stellt Altenheime vor Herausforderung

Leichlingen: Neue Testverordnung für Seniorenheime : „Die Isolation wäre der Super-Gau“

Eine neue Corona-Testverordnung stellt die Senioreneinrichtungen in der Stadt vor extreme Herausforderungen. Die beiden Einrichtungsleiter der Hasensprungmühle und des Pilgerheims Weltersbach berichten aus dem sich schwieriger gestaltenden Alltag.

Corona und kein Ende: Die Senioreneinrichtungen in Leichlingen haben seit Anfang dieser Woche eine neue Testverordnung, die ihnen vorschreibt, Bewohner, Mitarbeiter und Besucher regelmäßig auf das Virus zu untersuchen. Das ist nicht nur ein riesiger personeller Aufwand. Es gibt zudem ein Lieferproblem, so dass es aktuell so gut wie unmöglich ist, der Verordnung nachzukommen, sagen die Einrichtungsleiter.

Das Credo im Seniorenzentrum Hasensprungmühle und im Pilgerheim Weltersbach aber ist ganz klar: „Wir tun alles, um nie wieder eine Situation wie in diesem Frühjahr zu bekommen, in der wir die Bewohner isolieren mussten“, sagen die Einrichtungsleiter Stanislaus Stegemann und Joachim Noß. „Alle paar Tage kriegen wir neue Verordnungen vom Land, die regeln, in welchen Teilbereichen des Lebens die Menschen wie zu schützen sind. Das reicht von Kitas über Senioreneinrichtungen bis zu Bordellen“, berichtet Stegemann über den bürokratischen Aufwand.

Grundsätzlich gelte aktuell die Verordnung aus dem Sommer, nach der die Senioren jeden Tag in einem bestimmten Umfang Besuch bekommen können. Die Gäste müssen ihre Temperatur messen lassen, Hände desinfizieren, ein schriftliches Kurzscreening ausfüllen, Mund-Nase-Schutz tragen und möglichst Abstand halten.

Seit Montag nun sollen eingewiesene Fachkräfte Besucher, Mitarbeiter und Bewohner regelmäßig auf das Virus testen. „Vom Klingeln bis zum Screening und Test vergehen jedes Mal rund zehn Minuten“, berichtet Stegemann. An den Wochenenden, wo bis zu 140 Besucher an die Hasensprungmühle kommen, ist der Aufwand immens. Die Mitarbeiter, die die Tests durchführen, stehen für ihre Arbeit an anderer Stelle im Haus nicht zur Verfügung.

„Bei uns kommt noch dazu, dass wir insgesamt sechs Eingänge und die Verwaltung haben. Damit wird mehr als eine Vollzeitstelle gebunden“, ergänzt Joachim Noß.

Eine besondere Schwierigkeit: Die Einrichtungen mussten nicht nur eigene Testkonzepte entwickeln und vom Gesundheitsamt genehmigen lassen. Derzeit stehen auch gar keine Tests zur Verfügung. „Sie haben aktuell eine Lieferzeit von bis zu zwei Wochen“, berichtet Noß, der seine Bestellung schon auf den Weg gebracht hat. Die Besucher würden weiterhin reingelassen, zumal die allermeisten großes Verständnis hätten und Rücksicht nähmen.

Trotz aller eingehaltenen Corona-Schutzmaßnahmen ist die Zahl der positiv auf das Virus Getesteten im Pilgerheim Weltersbach zuletzt stark angestiegen: Neun Bewohner und sieben Mitarbeiter sind betroffen, alle aus demselben Haus. Sie stehen unter Quarantäne.

Dennoch hoffen Joachim Noß und sein Kollege Stanislaus Stegemann, in ihren beiden Häusern die alten Menschen trotz anhaltender Pandemie nie wieder isolieren zu müssen. „Wir können nichts ausschließen, das Gesundheitsamt gibt die Regeln vor“, merkt Stegemann an. „Aber wir wollen durch eine Isolierung einfach nicht mehr alle in Mitleidenschaft ziehen. Das ist eine höhere Belastung als Corona“, schiebt er hinterher. „Das wäre tatsächlich der Super-Gau. Aber wir tun wirklich alles dagegen“, betont auch Weltersbach-Einrichtungsleiter Joachim Noß.