Leichlingen: Mobiles Reisebüro

Urlaubsplanung : Wenn das Reisebüro nach Hause kommt

Nicole Bracht berät Kunden flexibel und individuell. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie bislang nicht bereut.

Onlinereisebuchungen sind praktisch: Man ist nicht auf die Öffnungszeiten der Reisebüros angewiesen und muss die heimische Couch nicht verlassen. Oft aber ist das Angebot für den Laien unüberschaubar, und bei Privatbuchungen gibt es außerdem kaum Absicherungen. Eine Alternative ist da sicherlich die Geschäftsidee der Leichlingerin Nicole Bracht: Mit ihrem mobilen Reisebüro „Enjolidays“ berät und besucht sie ihre Kunden überall und zeitlich flexibel – ohne zusätzliche Kosten.

Wenn Nicole Bracht eine Sache seit einigen Jahren kennt, dann ist das der Stress, den die Mitnahme von kleinen Kindern zu Beratungsgesprächen mit sich bringt – ob bei Kreditverhandlungen, beim Arzt oder im Reisebüro. Als Mutter einer sechsjährigen Tochter und eines dreijährigen Sohnes hat die gelernte Reisebürokauffrau  aus dieser „Not“ heraus eine Tugend oder besser gesagt: ein Projekt gestartet und 2016 ihr mobiles Reisebüro eröffnet.

„Ich wusste ja aus meiner langjährigen Tätigkeit in einem  niedergelassenen Reisebüro, dass Beratungen manchmal stundenlang gehen können, und Kinder sich dabei fürchterlich langweilen. Und ich wusste auch, dass für viele Menschen die regulären Öffnungszeiten ein Problem sein können, da sie selbst arbeiten. Jetzt besuche ich meine Kunden einfach nach Terminvereinbarung zuhause, im Büro oder treffe mich mit ihnen im Café. Und das kann abends oder auch schon mal am Wochenende sein.“

Die 32-Jährige strahlt, wenn sie über ihre Arbeit spricht, sie freut sich ganz offensichtlich, dass sie mit dieser Idee einst nicht nur die Wirtschaftsförderung, sondern letztlich auch immer mehr Kunden überzeugen konnte. „Gerade wenn es um die individuelle Zusammenstellung einer Reise geht, ist es immer ratsam, die Hilfe eines Experten zu beanspruchen, wir haben einfach ganz andere Informationsquellen, auf die wir zurückgreifen können. Dazu kommt unsere Erfahrung.  Und: Wir kennen die seriösen und zuverlässigen Veranstalter, wissen aber auch, von wem wir eher abraten würden.“

Was sich wie Eigenwerbung anhört, wirkt aus dem Munde der sympathischen Fachfrau viel differenzierter.  Bei einem Latte Macchiato erläutert sie überzeugend weitere Vorteile. „Es gibt einfach Menschen, die haben sehr spezielle Fragen vorab, deren Antworten aber oft nicht einfach zu bekommen sind. Einmal beispielsweise wollte ein Kunde wissen, wie viel Zentimeter Abstand die einzelnen Stangen im Kindergitterbett voneinander haben.  Als Fachberater kommt man da häufig viel schneller an die gewünschten Informationen, und ich nehme die Nachfragen meiner Kunden aller sehr ernst.“

Eine weitere Zielgruppe des mobilen Reisebüros ist auch zunehmend die der Senioren. Manchmal ist es eine Gehbehinderung, manchmal eine Hitzewelle, die es älteren Menschen kaum möglich macht, das Haus zu verlassen. Auch da hilft Nicole Bracht. „Ob es Tagestouren sind oder Busreisen oder ausschließlich barrierefreie Zielorte, ich versuche wirklich immer, eine bedarfsgerechte Lösung für den Kunden zu finden. Auch der Fanclub vom FC Bayern bucht über mich seine Reise zu den Spielen. Ich weiß, worauf die Mitglieder Wert legen, und sie wissen, sie können sich auf mich verlassen.“

Nicole Bracht hat ihre mutige Entscheidung bislang nicht einen Tag bereut, sagt sie. Auch, weil ein starker Ehemann im Hintergrund und die flexiblen Arbeitszeiten ihr die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Sie freut sich, dass sie auch jetzt – in der Ferienhochsaison – noch kurzfristig schöne Angebote zusammenstellen kann. „Generell möchte ich alle Wünsche erfüllen, beim Thema Delfinschwimmen tue ich mich allerdings etwas schwer, und Safari-Reisen, bei denen ich im Vorfeld Waffen zur Einreise anmelden  muss, kommen überhaupt nicht in Frage.“

Den eigenen Familienurlaub in diesem Jahr hat Nicole Bracht übrigens bereits gemacht – Malediven oder Kreuzfahrt? Nicole Bracht winkt lachend ab. „Zelten in Holland, für meine Kinder, die auch schon Kreuzfahrten und Flugreisen kennen,  ist das trotzdem das Allergrößte.“