Last-Minute-Bebauungsplan in Leichlingen? Letzte Chance für Naturfreunde-Areal Am Block

Analyse | Leichlingen · Die Diskussion um das Gelände der Naturfreunde Leichlingen Am Block, ein Last-Minute-Bebauungsplan und der Konflikt mit dem Jugendverein Crew beschäftigten den Stadtentwicklungsausschuss.

Für einen Bebauungsplan unter Berücksichtigung des Landschaftsschutzes müssten die Naturfreunde 17 Camping-Stellplätze aufgeben - für den Verein finanziell uninteressant.

Für einen Bebauungsplan unter Berücksichtigung des Landschaftsschutzes müssten die Naturfreunde 17 Camping-Stellplätze aufgeben - für den Verein finanziell uninteressant.

Foto: Susanne Genath

Ein denkwürdiger Abend. In vielerlei Hinsicht. Mit Kompromissangeboten, die die Kontrahenten rundweg ausschlugen. Geprägt einmal mehr von einem gewöhnungsbedürftigen Umgangston. Aber auch vom Versuch der Politik, den Naturfreunden Leichlingen und dem Jugendverein Crew das Überleben zu ermöglichen. Was am Ende dabei herauskommt? Derzeit nicht absehbar.

Diskutiert werden sollte im Stadtentwicklungsausschuss die Frage, ob der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan auf dem Gelände der Naturfreunde Am Block aufgehoben werden soll. Das wäre das Ende des Vereins, dem das Areal seit 110 Jahren gehört. Teile davon sind seit 2002 Landschaftsschutzgebiet. 2015 hatte die Bauaufsicht die Nutzung des Campingplatzes deshalb untersagt, eine bereits verlängerte Duldung des Campingplatzes lief 2020 aus. 2021 beschloss der Rat einstimmig, den Landschaftsschutz zu erhalten, forderte die Naturfreunde auf, einen Bebauungsplan unter dieser Prämisse vorzulegen, um die Tätigkeit dieses Vereins als auch der zwischenzeitlich dort angesiedelten Crew zu legalisieren. Passiert ist nichts. Der Entwurf eines Bebauungsplans liegt bis heute nicht vor. Die Naturfreunde sind nach eigener Aussage ohne die 17 betroffenen Camper-Stellplätze finanziell nicht überlebensfähig. Crew hat das Gelände nach Zerwürfnis und Räumungsklage der Naturfreunde inzwischen wieder verlassen. Der sogenannte „Dritte Ort“, für den der Jugendverein hohe sechsstellige Fördermittel bekommen hat, soll dort aber bleiben.

Das drohende Aus für die Naturfreunde Leichlingen wollte SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Ebecke – selbst noch bis zum vergangenen Wochenende ein Naturfreunde-Mitglied – um jeden Preis verhindern, stellte deshalb den Antrag, den Landschaftsschutz in einem östlichen Teilbereich aufzuheben und die Ausweisung der Nutzung als Sondergebiet mit Zweckbestimmung Campingplatz und Jugendherberge um einen Bereich zu erweitern. Die Wortwahl in Richtung politischer „Feinde“ – so scheint er die Jamaika-Koalition wahrzunehmen, die sich zuletzt für die Aufhebung des Bebauungsplans positioniert hatte: kaum produktiv. Oder um es mit den Worten von Doris Weiske (CDU) zu sagen: „Ich bin über diese Aggression und die persönlichen Beschimpfungen fassungslos.“ Selbst aus den eigenen Reihen wurde Ebecke mehrfach ermahnt, sich zurückzuhalten.

Der Versuch Martin Steinhäusers (BWL), inhaltlich und weniger ideologisch zum Wohle der Kinder und Jugendlichen zu entscheiden und eine Lösung zu finden, mit der beide Vereine weiterleben, scheiterte allerdings auch an den Naturfreunden und Crew selbst. Naturfreunde-Vorsitzender Reinhold Pupka zeigte sich insofern kompromissbereit, als er anbot, sich mit dem Crew-Verein an einen Tisch zu setzen und die Räumungsklage gegen ihn zurückzunehmen. Nicht allerdings gegen die Gesellschaft Crew gUG. Für die gibt es seitens der Naturfreunde kein Zurück auf ihr Gelände. Dieses Angebot schlug der Crew-Vereinsvorsitzende Gregor Bülles umgehend aus: „Unser Verein ist an den Flächen Am Block nicht mehr interessiert. Wir suchen uns etwas Neues.“ Die Kinder wollten wegen des Streits mit den Naturfreunden auch gar nicht auf das Gelände zurück. Warum der Konflikt nicht von ihnen ferngehalten wurde? Unklar.

Neue Perspektiven brachte indes die Stadtverwaltung in die Diskussion mit der Information über jüngste Gespräche mit einem Planer der Naturfreunde. Herauszuhören war, dass es nun doch einen Bebauungsplan geben könnte. Wolfgang Müller-Breuer (Grüne) und Helmut Wagner (CDU) wollten dem Verein deshalb ein letztes Mal Aufschub bis zur Sitzung im November geben, wenn dann ein Entwurf mit Landschaftsschutz vorliegt. Der rettende Strohhalm für die Naturfreunde? Keinesfalls: „Wir halten an dem Gelände fest, weil es uns gehört“, betonte Pupka. Die Flächen anders aufzuteilen, mache keinen Sinn, weil dann die große Wiese für Veranstaltungen nicht mehr genutzt werden könne. Am Ende spricht viel dafür, dass auch in zwei Monaten kein Bebauungsplanentwurf mit Landschaftsschutz vorliegen wird. Vertagt wurde trotzdem. Um in sich zu gehen.

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